Studienreisen mit Pfiff Fernreisen
Studienreisen mit PfiffFernreisen  

23.03. 2012 La Paz

Ortszeit 5 Uhr 15, wir sitzen schon beim Cappuccino am Flughafen La Paz El Alto (4.100 m). Die Flugzeit von Miami verging wie Fluge.  Und die Pass- + Zollkontrolle hat in Bolivien ein 1/10 der Zeit in Anspruch genommen im Vergleich zu Miami. Das ist doch ein angenehmes „Bienvenidos“. Das Taxi bringt uns hinunter in die Stadt. An einem Aussichtspunkt müssen wir erst einmal halten, und das Lichtermeer unter uns, überwölbt von einem dramatischen Frühmorgenhimmel, verdrängt die Sehnsucht nach einem weichen Bett im Hotel erst einmal. Obwohl so früh, dürfen wir unser Hotelzimmer im gemütlichen Hostal „Rosario“ schon beziehen. Ich sinke sofort in die Federn und in bleiernen Schlaf, während Katrin-vielleicht von der Höhenluft geputscht- erst einmal den Rucksack auspackt. Doch dann gleitet auch sie in Morpheus Arme, nicht in meine…

Gegen Mittag  werden wir von dem Stimmengewirr unter unserem Fenster geweckt.  Ein Blick aus dem Fenster offenbart buntes Markttreiben, bunt vor allem durch die Indigena-Frauen, die mit ihren „umfangreichen“  farbenfrohen Röcken und den Tragtüchern das Stadtbild maßgeblich bestimmen. Wer sich auskennt, könnte die Frauen an der Form oder Farbe ihrer schlanken Melonenhüte bestimmten Bevölkerungsgruppen zuordnen.  Wir sind überrascht, wie gut wir die Höhenluft vertragen –immerhin zeigt mein Höhenmesser 3450 m an – vielleicht hat auch der Cocatee im Hotel  dazu beigetragen.  Der irrwitzige Verkehr  macht das Atmen nicht leichter. Uns fällt im ersten  Eindruck auf, dass ungeheuer viele uniformierte Personen die Straßen säumen, dass die Masse der Fahrzeuge Busse, Micros, Taxis oder  Firmenwagen ausmachen, wenig  Privat-Pkws.  Faszinierend sind die Blicke auf die steil ansteigenden Hänge, die bis oben abenteuerlich bebaut sind.  Der Markt erstreckt sich nicht nur in unserer Straße, Av. Illampu, sondern pflanzt sich bis zu der Hauptverkehrsader, dem Paseo el Prado, fort. Eigentümlich, dass die Miniverkaufsstände, meist von Indigena-Frauen betreut,  ungefähr dasselbe anbieten. Das Zentrum wird beherrscht von der barocken Basilica de San Francesco (16. Jhdt.) mit einer überaus reichen Fassade. In der Seitengasse Calle Sagárnaga finden wir ein gemütliches Restaurant, Treffpunkt der wenigen Touristen. Danach stürzen wir uns in das Gedränge um den Paseo, bis zum Simon Bolivar Denkmal, dem berühmten Freiheitskämpfer und Namensgeber des Landes,  inmitten von Hochhäusern. Den Anstieg in das „koloniale“ Viertel  nehmen wir sehr langsam und behutsam vor, sonst bleibt schnell  mal die Luft weg.  Wunderschön ist die Plaza Murillo, die dem anderen wichtigen Befreier von der spanischen Herrschaft, Pedro Domingo Murillo, gewidmet ist. Das Parlamentsgebäude und der Präsidentenpalast säumen den von Tauben und Passanten bevölkerten Platz. In dem Viertel hinter der Plaza Murillo fühlt man sich fast wie in den Altstädten des spanischen Mutterlandes. In der Calle Jaen können wir sogar draußen sitzen und eine Erfrischung genießen.

Eigentlich hätte der Tag so ganz gemütlich auslaufen können, immerhin unser Ankunftstag in der höchst gelegenen Hauptstadt der Welt, wenn nicht das Handyproblem uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Das sollte eine unendliche Geschichte werden. Denn mit einem Handy in Bolivien zu kommunizieren und nicht die irrwitzigen Roaming-Gebühren des mitgebrachten Handys zu bezahlen, erfordert großen Aufwand. Die Ladenbesitzer waren sehr bemüht, vielleicht auch nicht all zu kompetent. Das Handyproblem sollte uns auch noch am folgenden Tag  belästigen und uns immer wieder in den Handyladen treiben. Mit Engelsgeduld haben die Ladenbesitzer all das ertragen und wir sind uns sogar freundschaftlich näher gekommen.

Noch ein anderes Problem trübt die „Urlauber“stimmung. Die Stadt ist mit Restaurants und Kneipen sehr spärlich bestückt. Offenbar können es sich nur wenige Einwohner leisten. Unser Restaurant am Abend stellte sich als mieser Schuppen heraus, obwohl es in dem Reiseführer empfohlen war.

 

24.03. 2012  La Paz

Erst einmal so richtig ausschlafen. Heute treibt es uns zur Abwechslung  mal raus aus der Großstadt. Mit einem der vielen Busse fahren wir hinab in das Tal östlich von La Paz. Hier im Stadtteil Miraflores ist die Luft schon etwas dicker. Hier wohnen die Wohlhabenderen hinter hohen Mauern. Am Marktplatz hat man dem deutschen Südamerikaforscher Humboldt ein rührendes Denkmal gesetzt. Nach 45 Minutenbusfahrt für 2 Bolivianos (= 0,27 €) gelangen wir zu dem Naherholungsgebiet des Valle del La Luna, eine bizarre Landschaft aus verwittertem  Tuffstein. Wir fühlen uns sehr an Kappadokien erinnert. Ein liebevoll angelegter Pfad schlängelt sich durch das Labyrinth.

Wieder zurück im Zentrum, erleben wir die Fortsetzung des Handytheaters Teil 2, der sich mit mehreren Akten fast bis zum Abend erstreckt.

Im Hotel probieren wir das Restaurant und stellen an den ambitionierten Preisen fest, dass wir in einem der seltenen Gourmettempel  von La Paz gelandet sind, Preise fast wie zu Hause, aber lecker, das  muss man schon zugeben. Außerdem lernen wir einen sehr wohlschmeckenden bolivianischen Rotwein kennen. Runder Genuss.

 

25.3.2012  Abschied von La Paz

Einen Teil unserer Habseligkeiten, die wir für die kleine Bolivienrundfahrt nicht benötigen, können wir im Hotel deponieren, welch eine Annehmlichkeit! Im Internetcafè unseres Hotels lernen wir andere deutsche Globetrotter (Mutter und Tochter) kennen, mit denen wir zusammen ein Taxi zum Mirador Killi Killi nehmen. Von dort (Norden) hat man einen beeindruckenden Blick auf  die Stadt, auf die Hochhäuser von „Downtown“ , den Altstadtkern, die südlichen Stadtteile, die sich die steilen Hänge bis zur Tochterstadt El Alto hinaufdrängen und auf das höchst gelegene Fußballstadion der Welt. Hinunter laufen wir zu Fuß bei angenehm sommerlichen Temperaturen und zeigen den beiden die schönsten Plätze und Straßen, die wir schon vor zwei Tagen entdeckt haben.  Im Café Banais nehmen wir noch einen Abschiedstrunk. Da das Café Welan besitzt, kann ich Texte und Fotos schon auf die Website hochladen.

Ab 18 Uhr warten wir am zentralen Omnibusbahnhof auf den Nachtbus nach Uyuni. Bei der Buchung hieß es, modernster  Reisebus mit Schlafsitzen.  Tatsächlich aber erwartete uns ein ziemlicher Klapperbus, der für die 555 km nach Uyuni 11 Stunden brauchte. Wenn man bedenkt, dass 180 km auf unasphaltierter Piste zurückgelegt werden mussten, kommt sowohl  für die lange Fahrzeit als auch für den Buszustand Verständnis auf. Wir allerdings stiegen total durchgerüttelt und gerädert in Uyuni aus.



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