Studienreisen mit Pfiff Fernreisen
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03.04. – 05.04. 2012  La Paz – Copacabana – Isla del Sol – Abschied von Bolivien, Puno/Peru

Schon früh holt uns der Bus nach Copacabana am Hotel ab. Wir sind mit Abstand wieder mal die ältesten Mitfahrer unter all den Backpackern. Ich weiß nicht, zum wievielten Mal wir die Straße von La Paz zur Tochterstadt El Alto hinauffahren (das Nadelöhr, um La Paz zu erreichen oder zu verlassen). El Alto wächst wegen der ungeheuren Landflucht zweimal so schnell wie La Paz. Demgemäß macht die Stadt einen allseits unfertigen Eindruck. Kaum jedes zweite Haus ist über das Parterre gewachsen. Die potenziellen oberen Geschosse sind im Rohbau oder nur Betonpfeiler gestützt. Von einem Einheimischen erfahren, dass nur auf fertig gestellte Häuser Grundsteuer erhoben wird. Das ist also der Grund, dass nur wenige Bauten fertig gestellt sind. Auch die ganzen Querstraßen versinken im Matsch. Der Aufprall der Gegensätze zwischen traditioneller Lebensweise und Armut auf Moderne ist hier am deutlichsten ablesbar.

Durch die hügelige Landschaft des Altiplano schaukelt uns der Bus Richtung Titicacasee. Die schneebedeckten Gipfel der Cordillera Real tauchen nur gelegentlich aus den Regenwolken auf.  Als wir am Ufer des Titicacasee bei San Pedro de Tikana auf die Halbinsel von Copacabana mit der Fähre  übersetzen, überrascht uns ein heftiges Gewitter, draußen auf dem See dreht sich eine Windhose. Die Wolken reißen auf und geben den Blick frei auf Copacabana und den See, ein wundervoller Anblick von der Höhe. In der Nähe entpuppt sich das Städtchen dann doch als das typische Ensemble von in der Mehrheit  unfertig hässlichen Baracken und einigen herausgeputzten Touristenabsteigen.  Unser im Internet vorbestelltes Hotel „La Cupula“ ist wirklich hübsch oben am Hang in einem kleinen Garten. Allein der Anmarsch mit allem Gepäck in dieser Höhe (3.850 m)verlangsamt die Schritte beträchtlich. Im Garten sehe ich zum ersten Mal einen possierlichen Andenkolibri. Nach einem erquicklichen Mittagessen (Forelle aus dem Titicacasee, die in den fünfziger Jahren dort eingesetzt worden sind) schlendern wir durch die Hauptstraße, die schon sehr touristisch geprägt ist. Auch wenn dieser Ort offensichtlich vom Tourismus lebt, so doch in den ersten Anfängen, sehr angenehm und ein Privileg für uns.

Weltbekannt ist der Name „Copacabana“ von dem gleichnamigen Strand in Rio de Janeiro.  In Wahrheit hat aber dieser Strand seinen Namen von einer kleinen Kapelle, die in Erinnerung  an die Basilica de la Virgen  de la Candeleira (Maria Lichtmess), fertig gestellt 1605, im bolivianischen Copacabana erinnern soll. Hier ist als das Original!!! Die Augustinermönche nutzten einen alten Kultort, um dort  ihre Hochburg zu errichten. In der Ortsmitte thront eine riesige Wallfahrtskirche, die das Wunderbild, das von Francisco Yupanqui, einem Nachfahren von Tupac Yupanqui (dem 10. Inka), geschaffen worden ist, beherbergt. An Maria Lichtmess (15. Februar) pilgert man massenweise hierher. Kein Wunder, dass Karel Woytela 1994 das Wunderbild heiliggesprochen hat.

Nachdem wir sowohl die Tickets für die Schifffahrt nach der Isla del Sol von der einheimischen Schifferorganisation, als auch schon die für den Bus nach Peru erworben haben, machen wir uns an den Aufstieg zum Kalvarienberg von Copacabana (280 Höhenmeter),  Katrins erster Viertausender!!! Nach Luft schnappend, erreichen wir den „Gipfel“ (4.028 m) und sind von der Aussicht auf den Ort und den Titicacasee überwältigt. Zu unserer Überraschung bietet eine pfiffige Indigena-Frau oben Bier an. Es ist geradeso wie auf einer Berghütte in der Schweiz.

 

04.04.2012  Isla del Sol, Reise nach Peru

In der Nacht hat es heftig geregnet. Der Morgen weckt uns aber mit klarstem Sonnenwetter.  Während der drei Stunden Fahrt auf die Isla del Sol bewölkt sich der Himmel und wir sind ordentlich durchgefroren, so dass ein Coca-Tee in Challampa im Norden der Insel erst einmal die Glieder von innen wärmen muss. Eine kleine Wanderung an den Uferböschungen der Insel entlang zeigt uns die eigenartige Schönheit der Insel und unglaublichen Blicke auf den Titicacasee. Hühner, Schweine, und Kühe laufen hier frei herum in der dörflichen Gemeinschaft. Die Kinder auf dem Nachhauseweg aus der Schule im Nachbarort begegnen uns. Die kleinen Mädchen werden von Katrin mit kleinen Geschenken erfreut. Langsam übernimmt die Sonne die Herrschaft und bestätigt den Namen der Insel. Auch die Rückfahrt erfolgt in angenehmen Temperaturen und zeigt uns noch einmal die ganze klare Pracht dieser Landschaft. Wir müssen uns immer wieder klar machen, dass wir uns auf 3.800 m Höhe befinden. Nur die Lage des Sees in den Tropen ermöglicht die angenehmen Temperaturen und macht die Hochebene um den See trotz dieser Höhenlage fruchtbar für den Anbau von Feldfrüchten. Hier haben die präkolumbianischen Kulturen schon vor 2.000 Jahren hunderte Arten von Kartoffeln gezüchtet. Der Titicacasee ist die Heimat aller Kartoffelarten.

Gegen Abend fahren wir mit dem Bus am See entlang nach Westen und erreichen in wenigen Kilometern die bolivianische Grenze.

 

Die Einreiseformalitäten nach Peru sind völlig problemlos – ganz im Gegensatz zu den USA. Das regt uns an, ein kleines Resümee über unseren Aufenthalt in Bolivien zu machen: Als unglaublich eindrucksvoll haben wir die Natur dieses Landes erlebt, waren angetan von der Freundlich- und Unaufdringlichkeit  der Menschen. Wir haben uns in keinem Moment ernsthaft bedroht gefühlt, waren allerdings auch nicht leichtsinnig. Wir waren beeindruckt vom Fleiß der Menschen, nirgends haben wir Müßiggang gesehen. Vor allem die Frauen treten auf den Märkten, auf dem Lande, in den Geschäften und Restaurants als die tragende Säule des Wirtschaftens auf. Bolivien trägt deutliche Züge eines Entwicklungslandes mit all den Gegensätzen. Man spürt aber förmlich, dass das Land sich bewegt. Auch wenn nicht alle mit der Politikdes Präsidenten Evo Morales, einem der wenigen indigenen Politiker Südamerikas, einverstanden zu sein scheinen, haben wir doch gerade bei den „einfacheren“ Leuten, mit denen wir in Kontakt gekommen sind,  große Sympathie mit seiner Politik festgestellt.