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07. - 14. 05. 2012   Máncora, Provinz Piura, Pazifikküste, 140 km südlich der ecuadorianischen Grenze.

Der Ort starrt von Gegensätzen: zwischen der Panamericana, die quer durch den Ort führt, und den Strandhotels ersticken die Slums in Hitze und Dreck. Auch viele touristischen Einrichtungen wie Hotels und Restaurants den Strand entlang, sind aus Bambusrohr gebaut und mit Palmenwedeln gedeckt. Was auf den ersten Blick sich exotisch ausnimmt, zeigt dem genaueren Hinsehen alle Zeichen von mangelnder Pflege und Verwahrlosung, eben mal schnell hingestellt, um das schnelle Geld zu machen. Die aggressive Pazifikluft tut noch das Ihrige dazu. Es gibt aber auch gediegenere Einrichtungen und Hotels. So haben wir mit Hilfe eine Taxifahrers (in Máncora existent nur als Motocarros = Motorrad mit Fahrgastaufbau, also Rikschas mit Motorradantrieb ) nach 3 Versuchen eine wunderbare Suite über 2 Stockwerke mit großer Terrasse, von Bougainvilleasträuchern umrankt, in einer gediegenen Einrichtung, direkt am Strand mit Pool und Jacuzzi, für einen annehmbaren Nachsaisonpreis gemietet. Wifi ist auch verfügbar für Internet- und Skypeaktivitäten. Hier können wir uns sicher gut erholen und ich kann die noch fehlenden Berichte auf die Seite hochladen.

Doch zuvor hat uns Máncora mit keinem „Bienvenidos“ empfangen. Als wir aus dem Bus gegen 7 Uhr aussteigen, ist unser Gepäck nicht da. Zum ersten Mal bei all den vielen Fahrten, dieses Malheure! Nach einigen Anrufen stellt sich schließlich heraus, dass unser Gepäck mit einem früheren Bus gefahren und nach Tumbes weiterbefördert worden ist. Es soll mit dem Rückbus hier wieder angeliefert werden. Mal schauen, ob das klappt. Tatsächlich kann ich mit einem der Motocarros das Gepäck um 8 Uhr 30 wieder abholen. Nun kann die Urlaubserholung beginnen.

Der Pazifik donnert an einen schier endlosen gelbbräunlichen Sandstrand, lockt mit 24° warmem Wasser, wenn nicht die hohe Brandung das Meeresbad verwehrt, was fast den Normalfall darstellt. Deshalb lockt dieser Strand auch so viele Surfer an. Glanzvolle, manchmal geradezu dramatische Sonnenuntergänge beenden die kurzen Sonnentage. Hier merkt man besonders, dass kurz nach Sonnenuntergang um 18 Uhr die Dunkelheit herein bricht. Unsere Urlaubsstimmung wird durch traurige Nachrichten aus der Heimat getrübt. Wir haben aber jetzt auch Zeit, um uns damit auseinanderzusetzen. Die endlosen Strandspaziergänge tun dabei gut. Wenngleich wir auch hier einem überaus traurigen Phänomen begegnen. Immer wieder stoßen wir auf Pelikane, die an den Strand geflogen sind, um hier zu sterben. Die stolzen großen Vögel so verenden zu sehen, betrübt uns sehr. Von Freunden aus der Heimat erfahren wir, dass in der deutschen Presse von einem rätselhaften gravierenden Delphin- und Pelikansterben an Perus Küste berichtet wird. Was geht da nur vor?

Unsere Bewunderung gehört den eleganten Freegattvögeln, die sich wie ein Kampfflugzeug senkrecht in die Wellen stürzen, um einen Fisch zu erbeuten.

 

Die kleine Küche in unserer Suite gestattet auch kleine Menüs, vor allem ausgedehnte Frückstücksarrangements auf der Terrasse. Die Lebensmittel dazu einzukaufen, ist gar nicht so einfach. Ein einziger kleiner Lebensmittelmarkt, kein Supermercado, hat nicht immer geöffnet; dann müssen wir uns aus verstreuten kleinen „Tante-Emma-Läden“ versorgen, die alle dasselbe anbieten, nur nicht das, was man gerade braucht. Und das in einem solch gepriesenen Urlaubsort! Überhaupt besitzt der eigentliche Ort, mal abgesehen von den Slumbezirken, überhaupt kein  „attraktives“ Gesicht, eigentlich das übliche Ensemble von halbfertigen Häusern, improvisierten Marktständen und hier immer wieder die exotischen Bambushäuser, die z.T. aber auch schon ziemlich heruntergekommen sind. Die zahllosen Kleingeschäfte mit Strand- und Urlaubsklamotten, die alle dasselbe Angebot präsentieren, wirken in der Nebensaison überflüssig. Zu Katrins Entsetzen gibt es noch nicht mal einen Briefkasten, geschweige denn eine Post. Geradezu ein Symbol für die eigentümliche Unentwickeltheit des Ortes ist ein impotenter Leuchtturm über dem Steilabbruch hinter dem Ort, der nur ein äußerst mickriges Licht auf die See funzelt.

Deshalb hält man sich besser im Strandbereich auf. Dort „tobt“ mit Einbruch der Dunkelheit „der Bär“. Viele kleine Tischchen am Strand mit Kerzenwindlichter locken zum Drink, wenn nicht der ohrenbetäubende Lärm wäre. Aus mehreren Bars hämmert die unterschiedlichste Mucke, zu einem Geräuschmischmasch verknäult und übertönt sogar das Donnern des Pazifiks. Kein gemütlicher Verweil für Leute unseres Alters. Am Tage verwandeln sich die Bars in nette Strandrestaurants mit überaus schmackhaften Fischgerichten, die so reichlich sind, dass Katrin immer noch Kätzchen jeden Alters und hungrige Straßenhunde satt machen kann. Auf der Suche nach Katherine Captain, mit der wir die Wanderung zum Lake 69 unternommen haben und die jetzt auch in Máncora sein wollte, lernen wir ein reines Jugendpartyhotel, das von einem Deutschen geführt wird, kennen. Am Abend starten wir mal den Versuch, uns in das jugendliche Treiben zu mischen. Heute ist „Damentag“ (d.h. alle Männer, die in Frauenkleidern auftreten, erhalten einen Freidrink). Katrin ist im Gegensatz zu mir über die „verkleideten“ Männer amüsiert, dennoch spüren wir schnell, dass das hier nicht so unser Stil einer gepflegten Abendunterhaltung ist. Der Schlummertrunk auf unserer nächtlichen Terrasse ist eben eher passend. Die all gegenwärtigen Polizisten geben uns das Gefühl der Sicherheit, wo wir uns auch bewegen, selbst in der Dunkelheit.

So gehen die Tage hin in ruhigen, erholsamen Begegnungen mit dem Pazifik. Und wir haben auch mal viel Zeit für uns.

 

 

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