Studienreisen mit Pfiff Fernreisen
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24. 04. 2012   Abschied von Arequipa

Wir nehmen uns reichlich Zeit, um unsere Sachen zu packen, was immer einen ziemlichen Aufwand bedeutet. Unser Nachtbus mit Cruz del Sur nach Nazca fährt erst um 21 Uhr 30. Bis zum Mittagessen, das aus exotischen Früchten, Käse und Wein besteht, lümmeln wir in unserem gemütlichen Hotel herum. Dann treibt es uns doch hinaus, um noch ein paar schöne Abschiedsstunden von Arequipa zu genießen. Auf einer Bank der Plaza de Armas das Treiben zu beobachten, ist spannend und regt zu manchen Überlegungen an: z.B. fragt sich Katrin, warum Händler mit Eimern Erfrischungsgetränke ohne jede hygienische Kontrolle verkaufen und denkt dabei an die mannigfaltigen Auflagen bei uns, wenn die AHA in Gundelfingen bei einem Fest wirtet. Was hat Anneliese Kaltenbach vom Rathaus Gundelfingen für Probleme, genügend Ausschankgenehmigungen erteilen zu dürfen und zu welchen Preisen!!! Jeder sucht hier locker seine Nische, etwas zu verkaufen und zu vermarkten: sechs gleichartig mit Anglerweste angetane ältere Männer, die versuchen Fotos zu machen, ein Rollstuhlfahrer, der Kohlestiftportraits anfertigt, mehrere Eisverkäuferinnen, Anbieter von roter Grütze, Kaugummiverkäufer, Taubenfutteranbieterinnen, Schuhputzer und viele Anwerber für Travel-Agenturen, und das alles auf einem Platz, wo sich die Leute um die Schattenbänke streiten und Tausende Tauben auf ein paar Krümel hoffen.

In einem Kneipchen warten wir, bis zum Abend. Beim Taxi anheuern helfen uns mehrere Polizisten und Polizistinnen. Hier sind die Wächter der öffentlichen Ordnung wirklich dein Freund und Helfer. Das Taxi bringt uns und unser aufwendiges Gepäck zum Terminal von Cruz del Sur. Eine angenehm komfortable Fahrt erwartet uns gen Nordosten. Nicht in Morpheus, sondern in „Cruz del Sur“-Armen schlafen wir selig, bis wir in völlig anderer Landschaft und Klimazone, 500 km von Arequipa entfernt, aufwachen.

 

25.04.2012  Nacza – Lima

6 Uhr 30. Kaum haben wir uns den Schlaf aus den Augen gerieben…..schon am Busbahnhof passen uns die Vertreter von Fluggesellschaften für Flüge über die Nazca-Linien ab. Wir entscheiden uns für ein Angebot von 90 USD mit Transfer zum Flugplatz. Der Flug soll um 8 Uhr stattfinden. Das kommt uns sehr entgegen, denn einmal ist das schräge Morgenlicht geeignet, um die Linien und Figuren aus der Luft gut wahrzunehmen, zum anderen erreichen wir dann noch den Cruz del Sur Bus um 12 Uhr 30 nach Lima. Auf dem kleinen Flugplatz herrscht um 7 Uhr 30 schon reger Betrieb. Dennoch müssen wir bis um 9 Uhr warten, bis sich unser Pilot bequemt, die Maschine startklar zu machen. Es überrascht, dass in eine so kleine Cessna 6 Personen (Pilot, Begleiter, der uns die Figuren entklärt, ein Paar in unserem Alter aus den Niederlanden und wir – die zierlichen Damen sitzen ganz hinten) hineinpassen sollen. Katrin und ich haben den Flug ganz unterschiedlich erlebt. Deshalb erst meine Version. Als die Maschine abhebt und in den Wüstenhimmel steigt, das grüne Flusstal von Nacza zur Rechten und die schroffen kahlen Wüstenberge im Hintergrund, fühle ich mich unheimlich gut. Bald schon tauchen die geheimnisvollen Scharrbilder in der Wüste auf: Kilometerlange Linien, Trapeze, sich schneidende Geraden und dann die figürlichen Darstellungen. Ein menschenähnliche Gestalt (Däneken hat ihn als Astronauten fantasiert) in eine Berglehne gescharrt, die Panamericana hat die Darstellung eines harpunierten Wals durchschnitten, den berühmten Affen mit dem fantasievoll eingerollten Schwanz können wir gerade noch erkennen, den Hund in der Nachbarschaft nicht mehr eindeutig. Der Flieger bringt uns zu dem ebenso berühmten Kolibri, zur Spinne, zum Kondor und an dem Aussichtturm erkennen wir den Baum mit seinem seltsamen Wurzeln und ein Gebilde, das von einigen als Hand, von anderen als Frosch identifiziert wird. Den Abschluss bildet ein fantasievoller Vogel mit Zick-Zack-Hals und langem Hals. Der Pilot bemüht sich, die Figuren von beiden Seiten und für beide Seiten zu zeigen und fliegt enge Kurven mit steiler Horizontverschiebung. Dann brummt die Cesna wieder zurück zum Flugplatz Nazca. Katrin hat den Flug nicht so gut erlebt und vertragen. Ab dem nicht mehr gesichteten „Hund“ hat sie sehr mit Übelkeit und Schwindel zu kämpfen. Gut, dass wir noch nicht ausgiebig gefrühstückt haben, meint sie, sonst hätte sie die Tüte an ihrem Sitz wohl konsultiert.

Ein paar Bemerkungen zu den Nazca-Linien: Die erste systematische Erforschung wurde von Dr. Kosok von der Long-Island-Universtiy NY geleistet, seine deutsche Assistentin Dr. Maria Reiche, auch eine gebürtige Sächsin übrigens, hat ihr Leben der Katalogisierung und Erforschung dieser geheimnisvollen Geoglyphen gewidmet. Überall ist Frau Reiche existent im Bewusstsein der Peruaner. Es ist schon denkwürdig, wenn Einheimische erfahren, dass wir aus Deutschland kommen, sofort an Frau Reiche und Humboldt erinnert werden und nicht an unsere unselige Hitler-Vergangenheit. Obwohl schon viel erforscht und fantasiert worden ist (der absurdeste Fantast war sicher Däneken, der die Linien für Orientierungsmarken für Außerirdische hielt), entziehen sich diese Gebilde bisher jeglicher eindeutigen Interpretation.  Es bleibt eine Geheimnis, was Menschen in der Zeit zwischen 200 v.Chr. und 500 n.Chr. bewogen hat, in großer Mühe Zeichen in den Wüstenboden zu scharren, die sie selbst vom Boden aus gar nicht erkennen konnten. Lediglich die Methode ist inzwischen klar: Man hat etwa 20 cm bis 50 cm tief die schwarze Oberfläche der Wüste entfernt und den hellen Untergrund frei gelegt. Unklar ist noch, mit welchen Hilfsmitteln die mathematisch exakten Linien und Formen gezeichnet werden konnten. Es bleibt ein Geheimnis, das den Betrachter nur in stummes Erstaunen versetzt.

Um 12 Uhr 30 startet unser bequemer Bus, um die 450 km nach Lima in 7 ½ Stunden zu schaffen. Die Strecke folgt der Panamericana durch die trockene Küstenregion bis zur Provinzhauptstadt Ica mit 250.000 Einwohnern. Interessant ist der Kontrast zwischen den riesigen Sanddünen im Westen und kilometergroßen Weinfeldern in bewässerten Gebieten. Immerhin fahren wir durch das größte Weinanbaugebiet Perus. Und der Wein ist durchaus nicht schlecht, wie wir uns schon mehrfach überzeugt haben, sowohl weiß als auch rot. Die Sanddünen im Hintergrund lassen eher an die Sahara denken. Im nahen Paracas berührt die Panamericana für uns zum ersten Mal den Pazifik. Von nun folgt die Straße immer der Küste nach Norden: im Westen der Pazifik, in dem die Sonne einen grandiosen Untergang inszeniert, im Osten knochentrockene Wüste, in die einige Trabantenstädte angelegt sind, in denen kaum einer wohnt. Die Häuser weisen nur Rohbau oder Ausbau bis zum ersten Stock aus, Straßen sind nur durch weiße Steine markiert, aber die Straßenleuchten erhellen das Szenario gespenstisch.

Die fürsorgliche Dunkelheit verbirgt bei der Einfahrt in die Hauptstadt die Slumviertel unserem Blick. Am Busbahnhof gabelt uns ein freundlicher Taxifahrer auf, der mit uns im Viertel Miraflores ein preiswertes Hotel nach dem anderen abklappert. Erst beim vierten haben wir Erfolg und kommen in einem mäßig schönen Doppelzimmer unter. Unser erster Abendausflug ins Viertel Miraflores lässt uns ein wohlhabendes, gepflegtes Ambiente wahrnehmen. Hier werden wir uns wohl die nächsten Tage gut aufgehoben fühlen.

 

 

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