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Erlebnisse in Myanmar

Myanmar  6. bis 28. Februar 2017

Die Fahrt von den Inseln in der südlichen Andaman-See (4.2.2017) nach Bangkok erfolgte wieder über mehrere Stationen und mit allen möglichen Transportformen: Longboot bis zum Speedboot nach Pak Bara, Wartezeit in der brüllenden Mittagshitze in einer kleinen stickigen Halle, bis uns ein vollgestopfte Kleinbus zum Flugplatz nach Trang beförderte, von dort mit Air Asia nach Bangkok Don Mueang und dann das Taxi zu unserem Anfangshotel in der Altstadt: 10 Stunden auf den Beinen und etliche Liter Flüssigkeit rausgeschwitzt. Die müssen erst einmal am Abend in unsrem Viertel in Form von schönen Getränken substituiert werden. Den Sonntag nutzten wir erst einmal, um noch die letzten Besorgungen zu erledigen – Thomas hat sehr viel Erfolg mit Neubeschaffung von Lesebrille und Kameraakku-Ladegerät – Katrin bereitet sich auf den Heimflug vor, sie muss uns heute leider verlassen. Aber vor Ihrem Abflugtermin um 23 Uhr 50 genießen wir alle Drei zusammen den Sonnenuntergang auf dem Lebua-Tower in der Skybar, 64 Stockwerke über Bangkok. Heute war Sunset noch stimmungsvoller als vor einem Jahr, da nahmen wir die hoffnungslos überteuerten Cocktails gerne in Kauf, ein wunderschöner Abschied von Bangkok und Südostasien für Katrin. Der riesige Flughafen Suvarnabhumi war überflutet von zurückreisenden Chinesen. Gar nicht so einfach für Katrin den Check-In-Schalter zu finden. Da sie schon ihre Bordkarte hatte, musste sie bei der Lufthansa nur noch zum Gepäck „Drop-off“-Schalter gehen, keine lange Schlange, wenigstens das. Ein letztes Winken und ein paar Tränchen auf der Wange und schon war sie im Departure-Bereich verschwunden….

 

Bangkok - Yangon 6.2.2017

Der Flug von Bangkok Don Mueang/International mit Air Asia hat uns gegen Mittag problemlos in die Hauptstadt Myanmars, nach Yangon, befördert. Immigration mit unserem in Berlin bei der birmanischen Botschaft beantragten Visum lief problemlos ab. Die Taxifahrt in die Stadt hinein vermittelte uns einen ersten Eindruck einer etwas ruhigeren (im Vergleich zu Bangkok) Metropole mit vielen Grünflächen, mässigem Verkehr auf vierspurigen Strassen mit schön bepflanzten und gepflegten Mittelstreifen. Der Eindruck wandelte sich, je näher wir der Altstadt kamen: enge Strassenschluchten mit heruntergekommenen Beton- oder Kolonialbauten, dichtest bewohnt, schon eher der Eindruck eines Entwicklungslandes. Unser Hotel liegt mitten in Chinatown, ist gediegen und bietet gewissen Komfort, auch wenn das Zimmer für Thomas und mich schon sehr eng ist. Aber Internet-Verbindung gibt es – zumindest häufig – und die Lage in der Nähe des Yangon-Flusses mitten im Gewühl der Altstadt ist sehr nützlich.

  • Zum Internet ist eine kurze strategische Bemerkung erforderlich. Die Verbindung ist nicht zuverlässig, funktioniert auch nicht immer, ist vor allem sehr sehr langsam. Ich habe keine Ahnung, ob ich Fotos auf die Website hochladen kann, und wenn, dann nur wenige und noch deutlich weniger Pixel als in Thailand. Also bitte nicht enttäuscht sein über stotternde Aktualisierung und weniger Bilder. Vielleicht werden wir uns erst in einigen Tagen zurückmelden auf der Seite. Kein Ahnung, ob es im Norden Myanmars überhaupt eine Möglichkeit für Informationen über diese Homepage gibt.

 

Der erste Nachmittag lässt uns bummelnd die Stadt erleben. Wir beginnen auch schon gleich mit Kultur am chinesischen Tempel Keng Hock Keog, an dem gerade die Dekoration für das Neujahrfest abgebaut wird. In der Bauweise erinnert er sehr an die chinesischen Tempel, die wir in Vietnam  gesehen haben, farbenfroh mit lackglänzenden Figuren. Die Hauptstrassen von Chinatown sind insgesamt noch mit roten Lampions und drachenbekrönten Bögen überspannt. Wir nehmen das mal als Triumphbögen für unseren angemessenen Empfang. Um zu dem nächsten interessanten Heiligtum, dem Khali-Tempel, zu kommen, wechseln wir in das indische Viertel. Die Strassen von Chinatown, dem indischen und gleich anschließenden muslimischen Viertel, sind gestopft voll Menschen, die kleinen Geschäfte quellen auf die Straßen, die Bürgersteige sind von fliegenden Händlern überlagert, fast ist kein Durchkommen. Ein vibrierendes Leben spielt sich vor uns auf den Straßen ab. So viele Menschen dicht gedrängt, die geschäftig ihr Überleben sichern oder günstig Lebensmittel und notwendige Utensilien erstehen wollen, haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Es sind die ökonomischen Zeichen eines typischen Entwicklungslandes. Wir drängen uns durch die 24. Straße über den offenen Lebensmittelmarkt, wo alles, vom Gemüse über Wachteleier bis zum Fisch angeboten wird, und das alles am Boden ausgebreitet, so dass man kaum durchkommen kann. Ein irrsinniges Gedränge zeigt uns geballt, welche kulturelle und ethnische Vielfalt hier zusammenlebt. Die burmesischen Passanten von den chinesischen zu unterscheiden, gelingt höchstens Thomas, mir nicht. Einzig dass die burmesischen Frauen, zuweilen auch die jungen Männer, ihre Wangen mit der hellen Schminke getüncht haben. Deutlich erkennt man die indische Bevölkerung, noch deutlicher die muslimischen Frauen an ihrem Kopftuch oder dem Nirqab, die Männer an Bart und Käppi. Aber die meisten tragen hier den Longyi, den traditionellen birmanischen Wickelrock, die meisten Frauen und sicher die Hälfte der Männer, ein erstaunlich fremdartiges Bild.

Der Khalitempel zeigt seine Doppelnatur, aussen farbenfrohe Erzählungen der Göttergeschichten in glasierten Keramiktürmchen, innen düster und die schwarzgesichtige Göttin Khali, die Göttin der Zerstörung. Wenn uns nicht der freundliche Genesha mit seinem leutseligen Elefantenkopf aufmunterte, wäre der Innenraum echt abschreckend.

Der zentrale Kreisverkehr der Altstadt wird von der Sule Pagode beherrscht, unsere erste Begegnung mit einer burmesichen Pagode. Die mit Blattgold überzogene Architektur blendet die Augen. Im Zentrum steht der glockenförmige runde Stupa auf einem achteckigen Sockel, der sich verschlankt in stilisierte Lotusblüten, um dann in eine Palmblütenknopse zu gipfeln, die ihrerseits noch von einem htyj, einem mit vielen Glöckchen behängten mehrstufigen Schirm, bekrönt wird. Der Stupa wird umsäumt von zahlreichen Schreinen und Andachtshallen, auch sie ähnlich gestaltet. Die schlanken aufstrebenden Architekturteile, goldgleissend in der Abendsonne, verfehlen ihren Eindruck auf uns nicht. Wie schön, dass  der nahe Mahabandoola Garten mit seinem Grün unsere Augen erst einmal in eine Erholung gewährt. Hier lagern vor allem junge Yangoner, die die milde Frühabendluft geniessen. Wir befinden uns jetzt im ehemals kolonialen Viertel. Manche Gebäude, wie das Rathaus, sind renoviert, andere in beklagenswertem Zustand oder Verfall begriffen. Im Rangoon Tea House gönnen wir uns ein Bier und eine leichte Abendmahlzeit, das Curry schmeckt etwas indisch gewürzt, entbehrt aber die gewohnte thailändische Schärfe.

 

Yangon 7.2. 2017

Der Blick auf den gleichnamigen Fluss wird an der Uferstrasse durch den Containerhafen verstellt. Wir müssen uns erst durch den südlichen Teil des Kolonialviertels durchkämpfen.  Auch hier ist die Mehrheit der einst stattlichen Gebäude in beklagenswertem Zustand, einige davon eindrucksvoll renoviert, z.B. die Börse, der wir einen kurzen Besuch abstatten. Da hier kein Präsenzhandel stattfindet, sehen wir an den riesigen Displays nur die Kursentwicklungen. So viel scheint auch auf dem digitalen Parkett nicht los zu sein. Am Pier für die Fähren öffnet sich der Blick erstmals auf den Yangon Fluss, über dessen Breite wir ebenso erstaunt sind wie über die hellbraune Dreckfarbe. Mit einem gewaltigen Menschenstrom besteigen wir die gottseidank auch überaus geräumigen Fähren. Der Blick vom Südufer auf Yangon hält nicht, was die Reiseführer versprechen: ein eher langweiliger Prospekt auf ein chaotisches Durcheinander von heruntergekommenen Massensiedlungen, vereinzelten Hochhäusern und ein paar eleganten Kolonialbauten. Aber da wir nun mal auf der anderen Flussseite sind, lassen wir uns zu einer Fahrrad-Rikscha-Fahrt durch Teile des 250.000 Einwohner zählenden Ortes Dalah animieren. Was uns zuerst auffällt, das sind die Massen von Mopeds, von denen wir zu unserem Erstaunen als „erfahrenen“ Südostasien-Reisenden in Yangon kein einziges gesehen haben. Wir lesen, dass ein General in einen Unfall mit einem Moped verwickelt war und er deshalb alle Mopeds in Yangon verboten habe. Das gilt offenbar bis heute.

Dalla ist eine typische ländliche Stadt mit etwa 25 Teilorten, die Behausungen zeigen, in welch einfachen und ärmlichen Verhältnissen die Menschen leben. Immerhin gibt es koedukative Schulen und die Schülerinnen und Schüler tragen einheitliche Schultracht. Was die Smartphon-Benutzung betrifft, so unterscheiden sie sich kaum von unseren Jugendlichen. Wir lassen auch die grosse Pagode nicht aus, wo uns die mumifizierte Leiche eines in den 60iger Jahren verstorbenen verehrten Mönches gezeigt wird. Wieder an der Fähre angelangt, wollten uns die Riksha-Fahrer ordentlich übers Ohr hauen, als sie das Vielfache des vereinbarten Preises einforderten. Wir geben ihnen schliesslich 5ooo Kyats (3,5 USD), immerhin mehr als die Taxifahrer in Yangon erhalten. Mit der Fähre wieder nach Yangon  übergesetzt, erholten wir uns erst einmal im traditionellen Strand-Hotel. Die edle Innenausstattung  aus Teakholz an Tischen, Stühlen, Wänden, Türrahmen und Deckenbalken hat schon viele illustre Gäste aus Hollywood oder Schriftsteller wie George Orwell und Somerset Maugham gesehen. Wir ließen uns in der Bar ein frisch gezapftes Myanmar schmecken, das Mittagessen bestand heute aus Sticks, denn auf die langweilen Club-Sandwiches oder auf Western Food hatten wir keinen Appetit.

Der Nachmittag war der Hauptsehenswürdigkeit der Hauptstadt, der Shwe Dagon Pagode, gewidmet. Das grossartige Bauensemble thront auf einem Hügel nördlich der Altstadt und ist fast von überall zu erblicken, selbst durch die Strassenflucht unserer Hotelgasse. Die himmelstrebenden Teile sowohl des zentralen Stupa als auch der zahlreichen Nebengebäude sind mit Blattgold verziert, so dass uns von dem gleissenden Licht die Augen schmerzten. Wohl dem, der sich mit einer Sonnenbrille schützen kann. Der monumentale zentrale Stupa ragt 99 m in den tief blauen Himmel. Über einer achteckigen Plinthe erhebt sich der glockenförmige Leib mit zahllosen konzentrischen Ringen, mündet in Lotosblüten, strebt als Palmblütenknospe weiter und wird überdacht von einem abgestuften htyj, behangen mit Gold- und Silberglöckchen. Die Spitze ist verziert mit 1100 Diamanten –  schon kaum erwähnenswert dagegen die 1300 anderen Edelsteine – und einem 76-Karat Diamant an der obersten Spitze. Auch die zahllosen Andachtshallen und Schreine überbieten sich gegenseitig an Pracht und Einfallsreichtum. Immerhin haben viele Generationen dieses Ensemble mit repräsentativen Gebäuden bereichert. Nach der Legende soll der Stupa Haare von Buddha bergen, die schon im 3. Jhdt v. Chr.  hierher gebracht worden sein sollen. Archäologisch lässt sich das nicht verifizieren. Was man heute sieht, stammt meist aus dem 18. Und 19. Jhdt. Das schmälert allerdings nicht den gewaltigen Eindruck, den die Anlage vermittelt. Kein Wunder, dass die spirituell ausgerichteten Burmesen einmal im Leben die Shwe Dagon Pagode besucht haben wollen.  Thomas und ich suchten die Eingänge, die für unseren Geburtstag vorgesehen sind, für Thomas, der an einem Donnerstag geboren ist, sind im Westen der Eingang mit Jupiter und dem Symboltier einer Ratte gewidmet. Da ich an einem Freitag geboren bin, wartet auf mich im Norden ein Eingang mit dem Planeten Venus und dem Symboltier des Maulwurfs. Für die schon in der Heimat angelangte Katrin suchen wir ihren für den Mittwochnachmittag gewidmeten Eingang mit dem Symboltier eines gezähmten Elefanten. Wir geniessen das zwanglose Treiben und die überschaubare Besucherzahl und die verzaubernde Abendstimmung.

Auf der Suche nach einem im Reiseführer hoch gepriesenen Restaurant umrundeten wir fast den ganzen Kandagwyi See. Der schweisstreibende Marsch an den vom Verkehr vollgestopften Strassen führte zwar zu keinem Ergebnis, offenbar gibt es die gelobte Einrichtung schon gar nicht mehr, wurde aber letztendlich von einem grandiosen Blick belohnt. Die angestrahlte Shwe Dagon Pagode spiegelte sich in ihrer ganzen Pracht auf dem dunklen Gewässer. Irgendwie trafen wir dann doch noch auf ein Thailokal, wo wir den inzwischen nagenden Hunger besänftigen konnten.

Geeignete Restaurants zu finden, stellt sich in Yangon unerwartet als schwierig heraus. Zwischen Luxushotels mit Western Food und Garküchen auf den Strassen scheint es nur wenige, schwer zu findende Restaurants mit guter einheimischer Küche zu geben. Erst am letzten Abend entdeckten wir ganz in der Nähe unseres Hotels eine Gasse mit zahllosen kleinen Restaurants, die aber in keinem Reiseführer erwähnt werden.  

 

Yangon, 8.2. 2017

An unserem zweiten und letzten Tag wollten wir mal die Stadtquartiere nördlich der Altstadt kennen lernen. Das leicht hügelige Gelände ist mit schönen Kolonialvillen bebaut. Auch viele Botschaften haben sich hier angesiedelt. Entsprechend grün und vornehm bildet dieses Quartier einen wohltuenden Kontrast zu der Häuser- und Menschenmasse der Altstadt. Hier bot sich auch an, etwas von der neueren Geschichte dieses Landes kennen zu lernen, in dem wir das Wohnhaus des Generals Aung San besuchten.Es gilt als Museum dieser Identifikationsfigur für die Befreiung Burmas von der britischen Herrschaft, auch wenn sie erst von seinem Nachfolger 1948 erlangt wurde. Er unterzeichnete aber das wichtige Panglong Dokument, das den verschiedenen Ethnien in der Union Myanmar Gleichheit und eine gewisse Unabhängigkeit garantiert. Darauf berufen sich auch heute die unterdrückten Minderheiten. Am 19. Juli 1947 wurde Aung San während einer Kabinettsitzung, gerade mal 32 Jahre alt, erschossen. Seine Tochter Aung San Suu Kyi, die Friedensnobelpreisträgerin, ist heute Ministerpräsidentin. Dass ihre Bücher heute in dem Museum zum Verkauf angeboten werden, hätte man sich vor 10 Jahren noch nicht vorstellen können. Das Land bewegt sich, wie auch immer und auf dem schmalen Grad zwischen Bürgerkrieg oder Militärputsch, aber es bewegt sich. Die liebevoll mit den Originalmöbeln eingerichtete Villa vermittelt einen Eindruck über die komfortable Kolonialarchitektur des alten Rangun.

Auf der schwierigen Suche nach einem Restaurant stossen wir durch Zufall wieder auf ein Thairestaurant für ein schmackhaftes Mittagessen. Erst am Abend lernen wir in einer Kaschemme endlich die burmesische Küche kennen. Dass die Gerichte alle schon vorgekocht sind, nahezu kalt serviert werden, ausser den frisch gebackenen Tschapatis, ist gewöhnungsbedürftig.

Zum Abschluss unseres kurzen, aber intensiven Yangon-Aufenthaltes gönnten wir uns einen Sundowner in der Roof-Top Bar auf dem Sakura Tower. Auch wenn der Smog die Sicht einschränkte, war der Blick über die abendliche Hauptstadt eindrucksvoll. Selbstverständlich gebührte der Primadonna Yangons, der goldschimmernden Shwe Dagon Paya, die Hauptaufmerksamkeit. Dagegen waren die Cocktails eher mau.

 

Der Norden Myanmars – eine Reise ins ursprüngliche Myanmar

9. bis 14. 2. 2017

Um Zeit zu gewinnen, haben wir den Flug von Yangon nach Myitkyina , in den „hohen“ Norden, allen anderen zeitfressenden Transportmitteln vorgezogen. Am Gate des Inlandflughafens sind wir die einzigen „Langnasen“, ein deutliches Omen, dass wir in touristisch noch unentwickelte Gebiete vorstossen. Wir flogen mit einer Zweipropeller-Maschine über eine gebirgige, stark bewaldete Landschaft mit vielen Seen und Flüssen, wenig Ortschaften und Kulturflächen. Myitkyina empfing uns als ein geschäftiges Oberzentrum, vorherrschender Eindruck: Staub, Abgase und Müll. Leider hatte die einzige englisch sprechende Angestellte des Hotels schon Feierabend, so dass die Verständigung schwierig wurde. Zunächst schien es so, als ob wir in einer Sackgasse gelandet seien, da sich keine valide Informationen über unsere weiteren Reiseplanungen gewinnen liessen. Doch nach und nach, mehr durch Zufall und unseren eigenen Erfindungsreichtum, nahmen die Dinge Kontur an. Wie befürchtet, gab es für Ausländer keine Möglichkeit auf dem Irawaddy nach Süden über Bhamo zu fahren. Also beschlossen wir, die geplante Alternative zu nehmen: am Freitag zum Ursprung des Irawaddy zu fahren und am Samstag mit dem Zug nach Süden Richtung Indwgyi See weiter zu reisen. Das im Reiseführer gepriesene Riverpoint View Restaurant stellte sich als ziemlich trübselige Kaschemme heraus. Auf klebrigen Tischen wurden unansehnliche und fade Gerichte serviert. Gottseidank gab es auch hier das bewährte Myanmar Bier. Der Mond liess den Fluss aus dem Dunkel etwas aufglitzern, immerhin.

 

Ursprung des Irawaddy 10.2.2017

Vor unserem Hotel hatten wir am Vorabend noch eine andere Langnase getroffen, einen allein reisenden Münchner, der sich unserer Tour anschliessen wollte. Bevor wir mit dem Privattaxi starteten, besorgten wir uns vorsorglich erst einmal die Fahrkarten für den Zug am Samstag. Wenn man die umständliche Prozedur bedenkt, dass alle Fahrkarten für die „Upperclass“, die die Touristen als einzige benutzen dürfen, per Hand schriftlich mit Namen und Passnummer erstellt werden, verbietet sich die Vorstellung, kurz vor Abfahrt des Zuges noch schnell Tickets zu bekommen.  

Wir fahren auf relativ guten Strassen durch das Kachine Gebiet. Kachine steht als Oberbegriff für ein Konglomerat verschiedener Minderheiten, die bedeutendsten sind die Shan, die immer wieder Konflikte mit der Militärregierung riskieren, um auf die Realisierung der Panglong Vereinbarung von Aung San zu pochen. Die Siedlungen machten einen verhältnismässig wohlhabenden Eindruck. Auffallend die vielen Kirchen und Häuser mit einem Kreuz. Ein baptistischer Missionar hat diese Gegend sehr erfolgreich zum christlichen Glauben bekehrt. Zwei Quellflüsse vereinen sich bei Myitson, 40 km nördlich von Myitkyina, zu einem der ganz grossen asiatischen Flüsse. Der Maykha vereinigt sich nach 360 km mit dem Malikha (420 km lang) zum Irawaddy (Ayeyarwaddy) in eindrucksvoller Landschaft.  In der Trockenzeit sind die Stromschnellen gering, so dass sich die Wasser  schnell vereinigen. Dieser Zusammenfluss steht symbolisch auch für die Integration der vielen verschiedenen Völker und Minderheiten Myanmars zu einem Staatsvolk. Davon ist das Land aber gegenwärtig immer noch weit entfernt. Sowohl im Norden als auch im Westen flammen bewaffnete Aufstände zwischen den sich unterdrückt fühlenden Minderheiten und der Zentralregierung auf. Auch Aung San Suu Kyi muss auf Messers Schneide zwischen den verschiedenen Interessen und der Militärmacht lavieren.

Der Bedeutung des symbolträchtigen Ortes angemessen, thront eine hübsche Pagode über dem Zusammenfluss. Die vielen Restaurants und die saisonalen Hüttchen, die immer nach der Regenzeit neu aufgebaut werden, zeugen von der Beliebtheit des Ortes für die Bevölkerung. Heute am Freitag war verhältnismäßig wenig los.

 

Myitkyina – Lonton (Indawgyi See)   11.2.2017

Die Gleisanlagen und Weichen der Myanmar railways scheinen seit der Kolonialzeit nicht ersetzt worden zu sein. Das gewährt eine Vorschau auf Reisegeschwindigkeit und Fahrkomfort. Aber die Geräumigkeit der „Upperclass“ Wagons und die Pünktlichkeit der Abfahrt um 7 Uhr 30 fordern die DB durchaus heraus. Nicht schlechter jedoch schneidet die DB bei Reisegeschwindigkeit und Lärmeinwirkung ab. Unser Zug zockelt mit ca. 35-40 km/h durch die Landschaft und schaukelt so sehr, dass der Passagier sich eher auf einem im Sturm kränkenden Boot wähnt. An sich ist die Reisegeschwindigkeit eine beschauliche Fortbewegung mit viel direktem Landschaftsbezug („Entdeckung der Langsamkeit“), wenn nicht der Höllenlärm der Schienenstöße wäre, der in stetigem Stakkato durch die offenen Fenster dringt und sich dann irgendwann im Gehirn zu empfindlichem Kopfschmerz verdichtet. Wie durch Zufall fand sich unser Münchner Reisebekannte auch im selben Wagon, auch mit demselben Reiseziel. Nach 5 Stunden Fahrt – in der beschriebenen Weise – erreichten wir schliesslich den Ort Hopin, wo auch schon der Kleinbus zum Indawgyi See wartete. Wahrscheinlich verschlängt es Fremde nur mit dem Interesse an dem See in diese Gegend.

Die Busfahrt über einen kleinen Pass führte zeitweilig über eine Staubpiste, weil Strassenarbeiten die Böschungen vor dem nächsten Monsun befestigten. Schließlich tauchte nach 2 Stunden Schaukelfahrt der ersehnte See im Nachmittagsdunst auf.

Ein Guesthouse – erst seit einer Woche bezugsfertig – nahm uns gastlich auf. Die geräumigen Zimmer täuschten zunächst über den Umstand hinweg, dass man wohl – schwer nachvollziehbar – die Toiletten und Bad-Facilities vergessen hatte. Wir mussten beim Nachbar auf das Plumpsklo, und die Dusche bestand aus einem Eimer mit Schalen zum Überschütten. 

 

Indawgyi See 12.2.2017

Ein Eco-Tourismus-Anbieter Inn Chit Thu (gesponsert von der KFW und Helmsley Foundation) hat uns einen interessanten Bootsausflug angeboten. Thomas hatte am Abend zuvor noch einen deutschen Biologen getroffen, der für die Erhaltung des Naturreservats Indawgyi See seit vielen Jahren tätig ist. Von ihm erfuhr er, dass das Projekt die Einbeziehung der am See lebenden Bevölkerung und vor allem der Fischer in eine nachhaltige Bewirtschaftung dieses Sees und seiner Ufer vorsähe.  Hier würden auch zwei diametral unterschiedliche Interessenzonen zusammenstossen: Naturschutz/nachhaltige Entwicklung und Ausbeutung der Gold-und Jademinen südlich und westlich des Sees. Den Zusammenstoss dieser beiden Interessen auf engstem Raum erlebten wir in pausenlosen Lkw-Kolonnen, die leere Dieselöl-Fässer geladen hatten. Der grosse Andrang hatte sich ergeben, weil die Lkw-Fahrer die Tage vorher gestreikt hatten wegen der hohen Wegzölle, die das Militär erhoben hatte. Just an unserem Standort befand sich der Militärposten, der den Wegzoll erhob. Wehe, wenn einer sie dabei fotografiert hätte. Das Militär lässt sich nicht so gern in die Karten schauen. Ein naiver französischer Tourist musste sofort die Fotos aus seiner Kamera löschen. Wie gut, dass wir im Zeitalter der digitalen Fotokameras leben.

Der See war noch von Morgennebel umwallt, als wir mit unserem Guide Zwen und einem Longboot starteten. Unser Münchner Mitreisender Henning hatte sich angeschlossen. Aus dem Nebel tauchten schemenhaft die Umrisse der Shwe Myitzu Pagode auf, der wir uns auf der Rückfahrt widmen wollten. Langsam brach die Sonne durch den Nebel und lieferte unglaubliche Lichteffekte. Das Wasser ist fantastisch klar. Als wir uns dem nördlichen Teil des Sees näherten, konnten wir viele Wildvögel beobachten, viele verschiedene Enten, die in Südostasien beheimatet sind, aber auch Blässhühnchen und Haubentaucher, die auch unsere europäischen Gewässer bevölkern. Kormorane und Störche lauerten auf strategischen Standplätzen auf ihre Beute. Zwen kannte alle Arten und zeigte sie uns in einem Bestimmungsbuch. Nicht nur heimische Vögel leben hier in diesem einmalig schönen Naturreservat, sondern auch Zugvögel aus Sibirien, die hier überwintern. Das nordöstliche Ufer wird von einem breiten Schilf und Sumpfgürtel gebildet, ein Eldorado für Wasservögel und Heimstatt von „floating fisherman houses“.

Am Nordrand, wo der gleichnamige Fluss in den See mündet, gingen wir an Land und erstiegen einen Hügel, den das kleine Kloster Shwe Taung krönt. Von hier oben hatten wir einen fantastischen Blick über den See, auch wenn die Sicht etwas dunstig trübe war. In dem Kloster leben noch 6 Mönche. Einer zeigte uns, wie er aus Plastik Blumengirlanden und Teppiche bastelte, eine besondere Form des Recyclings, passend zur Philosophie des Eco-Tourismus-Unternehmens. In dem nahen Wald könnte man Makaken-Äffchen beobachten. Aber dafür war es heute schon zu spät. Das Mittagessen bekamen wir von Angehörigen des Shan-Volkes in dem kleinen Dorf Ton San Icha serviert, schmackhafte Hausmannskost, herzhafter gewürzt als wir es sonst von der burmesischen Küche gewohnt waren. Das Dorf strahlte trotz seiner einfachen Behausungen bescheidenen Wohlstand aus. Die Kommunikation mit den Gastgebern verlief mit der Dolmetscherhilfe von Zwen munter und freundlich angeregt, ein wirklich freundlich-angenehmer Mittagsbreak.

Auf der Heimfahrt versäumen wir es auch nicht, noch an der Shwe Myitzu Pagode halt zu machen. Sie scheint im See zu schwimmen, ist nur mit einem schmalen Damm, der nur am Höhepunkt der Trockenzeit trockenen Fusses beschritten werden kann, mit dem westlichen Ufer verbunden. Die Lichteffekte von weissen Mauern und vergoldeten Stupas im Widerspiegel auf der fast bewegungslosen Seeoberfläche waren überwältigend. Mitte März werden hier Tausende hinpilgern, um das Pagodenfest zu begehen. In der Nähe verliert sich ein wenig der Zauber und das märchenhafte Ensemble gerinnt zu dem üblichen Schema von Zentralem Stupa und kleinen Andachtshallen, zu denen die Frauen keinen Zugang haben; die müssen „draussen bleiben.“

 

Indawgyi See – Katha   13.2.2017

Nach dem Transport zur Bahnstation in Hopin (heute nur 1½ h mit Passüberquerung) stiegen wir in den Zug Richtung Süden. Bahnfahren ist mit Sicherheit die billigste Form der Fortbewegung in Myanmar: 190 km für 1 USD in der „Upperclass“. Die Bahnfahrt erlebten wir in der vormals schon beschriebenen Weise. Da die Bahnstrecke meist in den Tälern verläuft, wirkt das Landschaftsbild auf Dauer recht monoton: Kulturflächen  - meist Reisanbau - werden von Ödland unterbrochen, die Berge verschwimmen im Dunst. Abwechslung bieten die kleinen Flussüberquerungen mit badenden Kindern und Frauen, die dort ihre Wäsche waschen, und die Ortschaften mit mehrheitlich sehr  einfachen Behausungen aus Bambus, fast immer mit Sat-Antennen, oftmals mit einfachen Solaranlagen, also bei aller Einfachheit doch ein bescheidener Wohlstand. Nach 5 h Rumpelfahrt im höllischen Schienenstoss-Stakkato erreichten wir Naba, von wo uns ein Minitruk nach ca. 25 km anstrengender Holperfahrt nach Katha am Irrawaddy beförderte.

 

Katha 14.2.2017

Vermutlich hätten wir in diesem unscheinbaren Provinzstädtchen am Westufer des Irrawaddy kaum Station gemacht, hätte es nicht George Orwell für sein fiktives Kyauktada in dem Roman „Burmese Days“ Modell gestanden. Tatsächlich war er hier 1926-1927 als Beamter der Imperial Police Force ein halbes Jahr stationiert. Thomas und ich haben seine scharf kritische Analyse des britischen Imperialismus mit großer Begeisterung gelesen. Man spürt förmlich, wie hautnah er, das was er messerscharf analysiert, selbst erlebt hat. Ein grosßartiger Roman mit hohem literarischem Anspruch. Anregung genug, um Katha auf Orwells Spuren zu durchforschen. Der ganze Charakter des Ortes lässt die Bilder des Romans noch mal konkreter werden. Auch die vielen großen Bäume um den Hauptplatz herum stammen sicher noch aus seiner Zeit. Seine Dienststelle, auch heute noch Polizeistation, dürfen wir freundlicherweise besuchen. Wir spüren geradezu die koloniale Atmosphäre des Baus, auch wenn er, total heruntergekommen, sich in beklagenswertem Zustand befindet. Auch die kleine anglikanische Kirche nebenan hat man wieder errichtet, nachdem sie im 2. Weltkrieg zerstört worden war. Der Pfarrer der Gemeinde freut sich über unseren Besuch und erzählt uns über die Situation der etwa 100 Mitglieder in Katha. Offenbar kommen nicht viele europäische Besucher hierher. Das war wohl auch der Grund, dass wir als exotische Gäste auf einer Hochzeit eingeladen wurden, damit man Fotos mit dem Brautpaar eingerahmt von zwei Langnasen schießen konnte. Auch wenn das Städtchen beschaulicher wirkt als das hektisch geschäftige Myitkyina, können wir uns gut vorstellen, wie verloren sich Orwell hier gefühlt haben mag. Immerhin fanden wir an den Ufern des Irrawaddy ein Restaurant, das burmesische Küche zum ersten Mal gut zubereitet, so dass wir Mittag- und Abendessen hier einnahmen.

 

Mit dem Boot auf dem Irrawaddy von Katha bis Mandalay – 15.2.2017

Um 5 Uhr morgens sollte das „Special Express Boat“ starten. Deshalb mussten wir heute exceptionell früh aus den Federn. Obwohl am Abend vorher ein Taxi zur Bootsanlegestelle bestellt hatten, grinste uns der Nachtportier auf die Frage nach dem Verbleib des Taxis nur an: „Taxi no“. Also mit unseren schweren Rucksäcken ein 20minütiger Marsch durch das noch schlafende Katha an kläffenden Hunden vorbei. Aber das sollte nur das Präludium für einen Tag voller Entbehrungen, Geduldsproben und Lärm sein. Das „Special Express Boat“ stellte sich als verrosteter Stahlkahn mit Bretterbänken und einem unbeschreiblichem Abort am Heck heraus. Eigentlich steuerte das Langboot mit schätzungsweise 20 Knoten relativ schnell durchs Wasser, so schnell eben ein Verdränger überhaupt fahren kann. Da wir aber etliche Zwischenstationen mit Zustiegen von Passagieren und Aufnahme von erheblichen Frachtgütern hatten, zog sich die Fahrt in die Länge. Nach 15 ½ h gelangten wir endlich in Mandalay an, 15 ½ Stunden auf harten Brettern mit lautem Dieselgetucker! Jetzt verstanden wir, warum wir die einzigen touristischen Passagiere waren. Erstaunlich, dass die Kleinkinder über die vielen Stunden so brav und heiter bleiben, vielleicht auch wegen des kleinen Schabernacks der beiden Langnasen. Andere untermauerten ihre Langmut mit Drogenunterstützung: eine ältere Frau zog immer mal wieder an ihrem Opiumpfeiffchen, ein älterer Mann kaute unentwegt an seinem Bethel. Der Irrawaddy fliesst in einem breiten Bett mit vielen Sandbänken in der Trockenzeit dahin. Das macht das Navigieren nicht einfach. Prompt lief unser Boot um die Mittagszeit auch auf eine Sandbank auf. Nach einigen Manövern kam der Kahn wieder frei, fuhr dann aber an den schwierigeren Passagen eben langsamer, also noch mehr Zeit auf dem „Luxusliner“.  Die Ufer sind in der Trockenzeit steile Lehmabbrüche, weit von dem eigentlichen Ufern entfernt. Gelegentlich muss sich der Irrawaddy auch mal durch ein engeres Tal quälen, dann rücken die Ufer näher heran und man bekommt eine interessante Landschaft zu sehen. Das sind aber bei weitem die kürzeren Abschnitte. Würde die Uferlandschaft nicht gelegentlich durch Siedlungen mit kleinen Pagoden und Klöstern auf den umliegenden Hügeln bereichert, wäre die Flussfahrt ziemlich monoton, kein Vergleich mit dem Mekong in Nordlaos. Bei Einbruch der Dunkelheit lockte das Licht des Kahns Myriaden von Motten an. An den schwierigen Passagen mit gedrosselter Geschwindigkeit tanzten weiße Mottensäulen um das Licht. Man konnte sich vor dem Ansturm kaum noch retten.

Als dann endlich das nächtliche Mandalay in Sicht kam, waren unsere Geduldressourcen mehr als aufgebraucht. Aber noch waren wir nicht in unserem gottseidank vorher gebuchten Hotel, es musste noch ein Gerangel und Gefeilsche mit Motobikefahrern, die uns unbedingt zum Hotel bringen wollten, und einem Minitruck überwunden werden.

 

Mandalay  16. bis 17.2. 2017

Mit seinen 1,3 Mio Einwohnern ist Mandalay die zweitgrösste Stadt Myanmars, wirkt aber viel geschäftiger und moderner. Vielleicht liegt das auch an der Geschäftstüchtigkeit der ca. 400.000 chinesischen Einwohner. Touristisch hat die Stadt ausser einer endlosen Betonwüste nicht viel zu bieten, wären da nicht ein paar interessante Highlights, die man unbedingt gesehen haben muss. Nicht weit von unserem Hotel entfernt, entdeckten wir ein Thai-Restaurant, das mit Abstand die bisher beste burmesische Küche anbot.

 

Zu den Highlights:

Am 16. 2. liessen wir uns am Nachmittag zum Kloster Shwenandaw Kyaung, Palastkloster des Königs Mindon fahren. Sein Sohn, König Thebaw hatte nach dem Tod seines Vaters 1880 das Kloster aus dem königlichen Palastbereich abbrechen und an diesem Standort neu aufbauen lassen, weil er den Geist seines Vaters fürchtete. Diese irrationale Sorge hatte allerdings den positiven Umstand zu Folge, dass hierdurch der Originalbau den Zerstörungen des Palastbereichs im 2. Weltkrieg entging. Die aus Teakholz errichtete Meditations- und Schlafstätte des Königs ist über und über mit filigranen Schnitzereien von höchster Qualität geschmückt, kaum eine Fläche, die nicht mit Figuren oder Blumenornamenten verziert ist. Wir konnten uns schier nicht satt sehen. Auch die prachtvoll ausgestatteten Innenräume lassen erahnen, wie kunstvoll einst die königliche Residenz ausgesehen haben mag. Kein Wunder, dass sich hier die Touristen ballten, zum ersten Mal wieder nach Yangons Shwe Dagon Pagode. Daran mussten wir uns erst wieder gewöhnen.

 

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Kuthodaw Pagode (Pagode der königlichen Verdienste). Das eindrucksvolle Ensemble birgt Schreine mit 729 Steintafeln, auf denen der ganze Palikanon geschrieben wurde, damit das schwerste Buch der Welt. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Mandalay Hills.

 

Statt des mühsamen Pilgerweges liessen wir uns mit dem Taxi auf den 236 m hohen Berg chauffieren. Es sind nicht die relativ modernen Gebäude der Sutaungpyi Pagode (P. der Wunscherfüllung), die den Gipfelaufstieg lohnen, sondern der weite Blick über die Millionenstadt Mandalay, die sich heute allerdings in dunstigen Smog hüllte. Gerade mal der Irrawaddy glänzte gülden im Sunset. Während die Massen hier an der Aussichtstelle auf das ultimative Sonnenuntergangsfoto warteten, machten wir uns auch schon mal ohne viel Verkehr – eben antizyklisch – auf den Heimweg zum Hotel.

 

Den Königspalast hatten wir uns für den Vormittag des 17. Februars vorgenommen. Die insgesamt 8 km langen Umfassungsmauern umfassen ein 4 qkm grosses Areal, ein kaum vorstellbar grosses Gelände für die „verbotene“ Stadt. Kein Wunder, dass König Thibaw bis zu seiner Verbannung ins indische Exil dieses Areal nie verlassen hat. Heute wird der grösste Teil vom Militär genutzt. Nur im Zentrum hat man den Königspalast rekonstruiert, dessen Bauten den Kämpfen im 2. Weltkrieg vollständig zum Opfer gefallen sind. Aber auch der Abklatsch des einstigen Audienzsaales (dem sogenannten Glaspalast wegen der vielen in Türen und Säulenschäfte eingearbeiteten Spiegel) wirkt immer noch imposant, auch wenn die Nachbildungen von König Thibaw und seiner Gemahlin Supalayat ziemlich kitschig wirken. Von dem 1990 wieder erbauten Wachtturm sieht man erst, welch umfangreiches Ensemble die vielen Pavillons und Hallen für die Beamten und den Hofstaat ausmachen. Eindrucksvoll, wenn auch alles rekonstruiert.

 

Die Mahamuni Paya (P. des grossen Weisen), im Süden der Stadt beherbergt die wohl älteste Buddhastatue. Archäologen ordnen die Entstehung der riesigen Bronzestatue ins 2. Jhdt n.Chr. ein. Entsprechend wechselhaft war ihre Geschichte von Verschleppung, Wiedereroberung etc. Kein Wunder, dass die 3,80m hohe Statue mit 12 t Blattgold verziert ist. Der Blattgoldauftrag lässt im Laufe der Jahrhunderte den Körper des Erleuchteten ziemlich unförmig erscheinen. Wir waren gerade zum richtigen Zeitpunkt, um mitzuerleben, wie die Statue von mehreren Männern geputzt und gewienert wurde. In den Gängen hat sich ein unglaublicher Devotionalienhandel etabliert, fast so penetrant wie an der Via della Conciliazione zum Vatikan.  

 

Am späten Nachmittag beschlossen wir unseren Mandalay-Aufenthalt mit dem Besuch der U-Bein Brücke. Sie überbrückt den Taughtaman See mit 1000 Teakpfählen nach der alten Stadt Amarapura. Mit 1,2 km ist sie die längste Teakholz-Brücke der Welt. Aber nicht nur diese eindrucksvolle Rekordgrösse hatte uns hierher geführt. Sie spielt auch im Roman „Glaspalast“ von Amitav Gosh eine entscheidende Rolle. Und es ist auch ein eigenartiges Erlebnis, über diese Teakholzbrücke zu gehen und die unterschiedlichen Lichteffekte des späten Nachmittags auf sich wirken zu lassen. Bevor der Massenansturm zum Sunset über die Brücke brandete, machten wir uns schon wieder auf den Heimweg, mit gewisser Vorfreude auf unser ausgezeichnetes Thailokal.

 

Von Mandalay zum alten birmanischen Bagan  -  17. bis 20. 2. 2017

Die vierstündige Minibusfahrt nutzte zunächst die birmanische Autobahn, eine Holperstrecke, die deutlich an die Interzonenautobahn in der DDR erinnerte. Verwundert gewahrten wir die alle 100m aufgestellten großspurigen Kilometerhinweise zur neuen Regierungshauptstadt der Militärs, Naypyitaw, wohingegen die Kilometersteine für Yangon bescheiden klein und alle Kilometer geradezu gesucht werden mussten. Bald bogen wir nach Westen ab in das trockene Zentralburma. Die hohen Berge des Rhakine Yoma halten den Westmonsun ab, so dass sich diese Ebene in eine Trockenzone verwandelt hat. Palmyrapalmen, Euphorbien, Akazien und Tamarisken prägen das Landschaftsbild. Bei Thomas führte dieses Landschaftsbild zu Assoziationen an die afrikanische Savanne.

Unser Hotel lag ganz am Ostrand des Bagangebietes, was sich in den nächsten Tagen als deutlicher Nachteil herausstellen sollte. Nagelneu und mit freundlichem Luxus präsentierte es sich mit den üblichen Kleinkindfehlern. Der verlockend grosse und kühle Pool stellte sich als eine solche Chlorbrühe heraus, dass Thomas schon nach wenigen Nutzungen Hautprobleme bekam. Nun wir waren nicht hier zum Relaxen und ließen uns sogleich vom hoteleigenen Shuttle nach „Old Bagan“ bringen. An Ort und Stelle jedoch waren wir erst einmal ziemlich irritiert, da zwischen unserer beider Erwartung und der vorgefundenen Realität eine deutliche Lücke klaffte. Alt-Bagan präsentierte sich als eine Ansammlung von Tempeln und Pagoden und zwischendrin mal einem Hotel. Trotz Stadtmauer war von der Altstadt nichts zu sehen, auch keine Taxi-fazilität oder Ansammlung von Häusern. Es war uns in dem Moment nicht klar, dass von einer Stadt aus dem hohen Mittelalter, die weitgehend aus Holz und Bambus erbaut war, natürlich nichts mehr übrig sein konnte. Offenbar hatten die Bewohner aus Pietät die neue Stadt Bagan 3 km südlich angelegt. Unserer Verwirrung entsprechend wusste unser Fahrer auch zunächst nicht, wo er uns absetzen sollte. Auch hier waren die nötigen Infos wegen der Sprachschwierigkeiten nur äußerst schwierig zu bekommen. Schließlich ließen wir uns an der Shwesandaw Paya absetzen. Wir erklommen die steilen Stufen, auf die zweitoberste Plattform und waren von dem Blick auf die in der späten Nachmittagssonne glänzenden Pagoden und Tempel überwältigt. In der Tat, dieses einzigartige Panorama hätte allein schon die Reise nach Bagan gelohnt. Auf 40 qkm haben die ersten großen birmanischen Könige in der Zeit zwischen dem 11. Und 14. Jhdt. unzählige Heiligtümer erbaut, man spricht von über 2000, die jetzt aus der trockenen Landschaft überall hervorlugen. Ich gestehe, dass dieses Panorama zu den eindrucksvollsten zählt, die ich je gesehen habe. Mit dieser Auffassung stehen wir nicht allein da, so dass Bagan zu einem Hauptziel des Tourismus zählt. Als wir die Shwesandaw Paya am Dienstag, den 20.2., noch einmal erklommen, um von dort den Sonnenuntergang zu beobachten, mussten wir uns eines unglaublichen Gedränges erwehren. Die nach Westen ausgerichteten Plattformen waren gespickt von Stativen, um den Sonnenuntergang einzufangen. Lange vor dem so gespannt erwarteten Ereignis nahmen wir Reissaus, um den Massen zu entfliehen.  Trotz des grossen Touristenaufgebotes kann man dem Gedränge ausweichen. Wenn man sich nicht auf den ausgetreten Rollbahnen fortbewegt, kann man weniger berühmte, aber fast in Einsamkeit ebenso eindrucksvolle Bauwerke besuchen.

 

Natürlich hatten wir nie vor, alle Bauwerke abzuarbeiten, auch noch nicht einmal die wichtigsten, sondern wir haben eine intelligente Abfolge geplant, die uns besonders interessante Baustile oder erlesene Kunstwerke in den Tempeln aus verschiedenen Epochen näher bringen konnte. Das ist uns auch gelungen und nur in einem Falle waren wir eher enttäuscht. Die hoch gelobte Shwezigon Paya, die mit einer Erbauungszeit um 1050 zu den ältesten Monumenten zählt, nahmen wir eher enttäuscht als einen Abklatsch der Shwedagon in Yangon wahr.

Die Typologie der Sakralarchitektur von Bagan lässt sich in zwei Erscheinungsformen beschreiben. Zum einen haben die birmanischen Architekten begehbare Tempel mit vier Eingängen (Pahto) erbaut, die weitaus vorherrschende Form in Bagan, die in den verschiedenen Epochen mit mannigfaltigen Variationen gestaltet werden. Zum anderen findet sich auch der Stupa. Von den ältesten Beispielen in Gurken- entwickelte sich der Stil im 13. Jhdt. zur Glockenform mit spitz zulaufenden Abschluss. Zum Teil sind mehrere Terrassen mit steilen Treppen erreichbar, was sehr an die mittelamerikanischen Mayatempel erinnert. Die Bauwerke sind hauptsächlich aus Ziegelsteinen erbaut, nur besondere Teile aus Sandstein. An einigen Stupas kann man noch die Reste von bemaltem Stuck erkennen. Einzelne neuere Bauwerke hat man ganz mit Stuck überzogen und weiss und gold angemalt. Es muss ein unbeschreibliches Blinken und Glitzern die Ebene erfüllt haben.

Das weitläufige Terrain haben wir mit Elektrorollern erkundet. Ein Fahrrad verbot sich schon wegen der erheblichen Hitze und der grossen Abgelegenheit unseres Hotels. Der Sulamani Pahto (Tempel des krönenden Juwels) zählt zu den mächtigsten Sakralbauten. Er wirkt wie eine grandiose Pyramide mit im Osten und Westen vorgezogenen Eingängen. An den Türen und Fensterstürzen sind noch interessante Stuckreste erhalten. In der Nachbarschaft erhebt sich der Dhammayangyi Pahto (Grosse Freude des Gesetzes). Auch er wirkt mit seinen abgeschrägten Terrassen und seiner nur als Stumpf erhaltenen Spitze wie eine Pyramide. Der Ananda Pakto vor den Toren der einstigen Königstadt war über die Jahrhunderte Pilgerziel von ganz Myanmar. Entsprechend hat er viele Veränderungen und Ergänzungen erfahren, die den gewaltigen Gesamteindruck keineswegs schmälern. Erkennbar seine Grundstruktur eines griechischen Kreuzes mit vorgelagerten Eingängen. Damit ist er Vorbild für viele spätere Tempelbauten geworden. In den Seitenkorridoren erzählen Sandsteinrelief das Leben Buddhas. Auch von den glasierten Terrakottatafeln im Umgang sind noch viele original erhalten. Reste von frei gelegten Wandmalereien im Nord- und Westkorridor lassen darauf schliessen, dass er ganz bemalt war.

Reste von Malereien haben sich auch in anderen Tempeln erhalten. In dem kleinen Abayadana Pahto haben sich Reste von feinen Wandmalereien vom Ende des 11. Jhdt.s mit Themen aus dem Theravada Buddhismus erhalten. Die filigrane Strichführung und die zarte Farbgebung bei den Bodhisattva-Figuren haben uns begeistert, zumal wir diese Schätze auch ganz allein ohne weitere Besucher geniessen konnten. Dieses Glückes wurden wir bei dem Nandamannya Pahto (Tempel der Unendlichen Weisheit) nicht mehr teilhaftig, denn der Tempel ist innen komplett ausgemalt. Die ebenfalls überaus feinen Freskomalereien stellen die Hauptereignisse aus dem Leben Buddhas dar. Interessant sind die Bilder, auf denen dargestellt wird, wie Mara mit ihren drei Töchtern Tanha (Durst), Arati (Unzufriedenheit) und Raga (Verlangen) Buddha in seiner Meditation stören wollen.

Der große bemalte Höhlentempel Gubyauhkgyi zählt aufgrund seiner in weiten Teilen vollständig erhaltenen Wandmalereien aus dem 13. Jhdt. zu den eindrucksvollsten Sakralbauten Bagans. Kein Wunder, dass sich hier die Reisegruppen durchquälen. Aber die bis weit an die Decke angebrachten farbenprächtigen Fresken sind eindrücklich genug. Leider verstehen wir die Bilder in Unkenntnis der Mahavasma-Chronik, die die Biografien der 28 Buddhas erzählt, nicht. Aber die Detailfreude und auch die Darstellung von Tieren ist so überaus fein, dass die Mühe in eine Schlange eingepresst zu sein, belohnt wird. Mich hat die Struktur der Wandkomposition, die die einzelnen Episoden in quadratisch durch Zierbalken abgetrennten Feldern präsentiert, sehr an die karolingische Malerei und dann auch später an die romanischen Fresken erinnert.

Auch wenn wir uns nur die genannten Bauten angeschaut haben, sind wir überzeugt, nicht nur einen repräsentativen Überblick über die Bauten Bagans gewonnen, sondern auch die künstlerisch besonders lohnenden herausgepickt zu haben.

 

Zwischenruf:

Was eigentlich für das ganze Land gilt, besonders aber für Bagan, das ist die enorme Staubbelastung. Da die meisten kleineren Zugangswege zu den Pagoden ungeteerte Staubpisten sind, haben wir erhebliche Mengen Staub inhaliert. So schön die einmalige Ansammlung von Bauwerken in Bagan ist, so teuer wird sie allerdings durch den allgegenwärtigen Staub und Dreck erkauft. In den größeren Städten kommen noch die Abgase hinzu, die sich sichtbar wie eine Smogglocke über die Gegend stülpen. Kein Wunder, dass unsere Schleimhäute, aufs äusserste gereizt, mit einem Dauerhusten und –schnupfen den Dreck wieder loswerden wollen.

 

Von Bagan nach Nyaung Shwe (Inle See)   21. bis 26.2.2017

Eigentlich hatten wir mit einem Flug geliebäugelt. Aber da das unsere letzte Überlandfahrt in Myanmar war, wollten wir doch auch noch ein paar Landschaftseindrücke gewinnen. Denn die Minibusfahrt von Bagan zum Inle See führt von Westen nach Osten über verschiedene Landschaften. Zunächst durchquerten wir die Trockensavanne Zentralburmas mit Palmen, Akazien und Tamarinden, streiften einige Stauseen, von denen es viele geben muss, da Myanmar Energie zu 90% aus Wasserkraft erzeugt und auch noch nach China exportiert, bis wir hinter Meiktila in die Berge fuhren. Da der Fahrer einen flotten, wenn auch sicheren Streifen fuhr, kamen wir auch gut voran. Deshalb konnte ich auch verschmerzen, dass ich 2 Stunden lang meinen bezahlten Sitz mit einem zugeschleusten Einheimischen teilen musste für den der Fahrer privat kassierte.  Zunächst führte die Strecke durch ein langes Flusstal. Die Berge, am Anfang noch kahl, schmückten sich, je höher wir kamen, mit Wald, sogar ursprünglichem Urwald. Schließlich schraubte sich die Strasse einen veritablen Pass hinauf, um dann letztendlich auf einer Hochebene von 1200 m  mit deutlich kühleren Temperaturen zu enden. In dem Hauptort Kalaw starten viele Touristen Trekkingtouren Richtung Inle See. Wir haben erfahren, dass sich diese Wege inzwischen zu Trampelpfaden entwickelt haben. Aber nicht nur dieser Umstand hat uns davon abgehalten, auch hier abzusteigen.  Wenn die Landschaft auch gewiss schön anzuschauen war und einen deutlichen Kontrast mit ihrer Vegetation (z.B. Kiefernwälder) zu den übrigen birmanischen Gegenden bietet, so erinnerte sie uns doch sehr an deutsche Mittelgebirge und verlor damit an Attraktivität. Folglich ließen wir uns in das 400m tiefer liegende Tal fahren, das zu einem Teil vom Inle See bewässert wird. Der Hauptausgangsort für Unternehmungen am und um den Inle See ist Nyaung Shwe, das sich zu einem belebten Touristenstädtchen mit allen Fazilitäten entwickelt hat.  Infolge dessen halten sich Einheimische und „Langnasen“ fast die Waage. Unser von Bagan aus im Internet vorgebuchtes Hotel mit dem sprechenden Namen „Teakwood Hotel“ bot eine ansehnliche Fassade, aber ziemlich abgewohnte Zimmer. Belästigend fanden wir die Patronin, die wie ein Ersatzbuddha am Eingang thronte und alles kontrollieren und steuern wollte. Außerdem war man hier so überaus eilfertig aufs Geld aus, dass die Gastlichkeit davon stark beeinträchtigt war. Also wechselten wir noch mal in ein schöneres Hotel. Schließlich wollten wir ja hier unsere letzte Station in Myanmar genießen.

Auch wenn der Inle See ca. 5 km südlich von Nyaung Shwe beginnt, so ist er so stark verlandet und mit breitem Schilfgürtel gesäumt, dass man Mühe hat, ihn zu Gesicht zu bekommen. Mit einer kleinen Fahrradtour umrundeten wir zunächst seinen Nordostbereich. Erst als wir uns auf den chinesischen Billigfahrrädern hinauf zu dem Weingut „Red Mountain“ gequält hatten, konnten wir ihn in der Ferne im Nachmittagslicht glitzern sehen. Ihr habt Euch nicht verlesen. Hier produziert ein birmanischer Winzer mitten in einem wunderschön gelegenen Weinberg sowohl Weiss- als auch Rotweine. Das in Myanmar anzutreffen, ist schon eine ziemliche Überraschung, die sich allerdings schnell legte, als wir uns einer Weinprobe unterzogen. Der Sauvignon Blanc  schmeckte etwas ledrig, der Muscat war viel zu süß, der Shiraz und der Tempranillo hatten einen außergewöhnlich unangenehmen Beigeschmack. Ob eine Verunreinigung eines der Probiergläser oder die nicht mehr ganz so frischen Erdnüsschen die Ursache waren, auf jeden Fall plagten mich danach Übelkeit und Fieber, so dass ich für den nächsten Tag ausfiel. Gottseidank konnten wir das von unserem Timing nun relativ problemlos auffangen.

Auch am dritten Tag wurden wir des Sees noch nicht ansichtig. Er sparte sich offenbar für die beiden letzten Tage als Höhepunkt auf. Mit Fahrrädern umfuhren wir diesmal den nordwestlichen Teil, bis wir in einem Thermalbad richtig relaxen konnten. Statt nach faulen Eiern wie sonst, roch das heiße Mineralquellenbad eher nach angebranntem Popcorn.

Für den Samstag hatte Thomas uns eine Trekkingtour auf der Südostseite des Inle Sees gebucht. Da die Tour durch das Gebiet der Pa-O-Minderheit führt, musste Thomas sie bei GIC (Golden Island Cottages) buchen, eine Genossenschaft der Pa-Os, deren Autonomie und Monopol die Minderheit nach langem bewaffnetem Kampf der Militärregierung abgerungen hatte. Zunächst brachte uns eines der üblichen flachen Langboote über den Inle-See. Nach einer 5 km langen Kanalfahrt stieß das Boot endlich auf das breite Gewässer des Sees. Hier „verlief“ sich dann rasch die Armada der zahllosen Touriboote. Auch tauchten die ersten extrem schmalen und flachen Fischerboote auf, auf deren Heck die Fischer mit einem Bein das Ruder bedienen, um mit dem anderen die Balance zu halten. Denn die Hände müssen frei sein für die Handhabung der korbähnlichen Fangvorrichtung. Ein wahrhaft artistisches Fischen. Ab und zu schrabbte der flache Kiel unseres Boots auch am Grund entlang oder an Wasserpflanzennestern, denn der See ist in der Trockenzeit extrem flach (von 0,60 m bis 1,50 m). Die Morgenstimmung über dem See konnte nicht eindrucksvoller sein. Im Osten tauchte die frühe Sonne die Berge und die Wasserfläche in zarte Pastelltöne. Ein Monet hätte es nicht eindrucksvoller malen können. Im Westen tauchten schwimmende Fischerdörfer aus dem Dunst auf. Wir verstanden, warum der Zauber des Sees so gerühmt wird. Ganz im Süden bog unser Boot in einen engen Schilfkanal, an dessen Ende unser Guide „Tea“ uns schon erwartete.

Nun ging es zu Fuss weiter. Unser Guide stellte sich als exzellenter Kenner der Agrikultur dieser Gegend heraus. Außerdem sprach er ein verständliches Englisch mit einem erstaunlichen Wortschatz, nicht selbstverständlich in diesem Land. Als Hauptanbauprodukt dieser Gegend lernten wir Zuckerrohr kennen. Von den Feldern mit unterschiedlichem Wachstumsstatus gelangten wir auch zu einer sehr archaischen Zuckerfabrik, wo die Pflanzenstiele gebrochen und dann die Melasse gekocht wurde. Als Energiequelle diente das trockene Zuckerrohrstroh. Die zu Tafeln erstarrte Zuckerrohrkaramelle wird dann als Ausgangprodukt für den „Mandalay Rum“ verwendet.   

Die abgeernteten Reisterrassenfelder werden zwischengenutzt für den Anbau von Zwiebeln und Knoblauch. Die Bewässerung entzieht natürlich dem Inle See die Zuflussmenge, so dass er – vielleicht auch verstärkt durch regenarme Jahre – immer mehr schrumpft. Hoffentlich steht ihm nicht das Schicksal des Aralsees bevor. Weiter in der Höhe erlebten wir, wie das Gewürz Kukurma aus dem Boden gehackt und dann in großen Flächen zum Trocken ausgelegt wurde. Die Einheimischen benutzen die ingwerähnliche Pflanze auch als Prophylaxe gegen Malaria und Heilmittel gegen Bluthochdruck. Der Abbruch eines Pfahlhauses diente dem ganzen Dorf als Volksbelustigung. Alle packten entweder mit zu oder begafften vergnügt das Geschehen.

In einer Pa-O-Siedlung werden wir dann gastfreundlich empfangen, mit Grüntee erfrischt und einem sehr schmackhaftem Mittagessen gestärkt. Die Frauen tragen eine turbanähnliche Kopfbedeckung. Tea erklärte uns, dass die mythologische Mutter seines Volkes als Drachen dargestellt wird. Und die Kopfbedeckung symbolisiere den aufgestellten Drachenkopf. Natürlich ist der Kopfschmuck auch als Schutz gegen die Sonne nützlich. Mit Teas Hilfe sind wir dem dörflichen Leben seines Volkes schon so nahe gekommen, wie es eben Ausländern möglich ist. Von den Kindern wurden wir sehr bestaunt. Offenbar verschlägt es nicht so oft „Langnasen“ hierher.

Ein neu erbautes Kloster oberhalb des Dorfes schenkte einen weiten Blick in die Ebene. Die Weitsicht wurde durch den mittäglichen Hitzedunst stark gemindert. Der See glitzerte in weiter Ferne. Da mussten wir wieder hinunter wandern. Gut, dass wir genug Wasser dabei hatten.

Am Schilfkanal angekommen, wartete schon unser „Wassertaxi“. Den See und die einrahmenden Bergketten im Westen und Osten im spätnachmittäglichen Licht zu erleben, ermöglichte noch einmal ein ganz anderes Sehen.

Grund genug, an unserem letzten Tag noch einmal auf den See hinauszufahren und andere Ziele anzusteuern. Am Sonntag wollten wir den Markt in Shwe Inn Tha besuchen. Obwohl wir gestern zu ähnlicher Zeit den Inle befahren haben, eröffnete heute das deutliche klarere Licht noch einmal ganz andere, intensivere Eindrücke. Der See verschenkt seinen Zauber nicht verschwenderisch. Man muss ihn sich richtig und nachhaltig holen. Nach 1-stündiger Fahrt über den See waren wir von dem Markttreiben zunächst enttäuscht. Typische touristische Andenkenstände mit gelangweilten Verkäufern. Doch dahinter brummte dann das Marktgeschehen. Selbst am Sonntag fanden die Erzeugnisse des Umlandes und die Fangergebnisse des Sees reichlich Nachfrager. Immerhin haben wir auch noch ein paar Geschenke für die Lieben zu Hause erstanden. Das Geschehen hatte uns in seiner Buntheit und Fülle ganz von der goldgleißenden Pagode im Hintergrund abgelenkt. Unser Bootsführer brachte uns dann in den schwimmenden Dörfern zu verschiedenen Kunsthandwerkern: Ein Silberschied zeigte und erklärte und die mühsame und aufwendige handarbeitliche Gewinnung und Verarbeitung von Silber. Leider gefielen uns dann die Endprodukte  doch nicht so, dass wir uns zum Kauf eines Artefaktes motiviert sahen. Ähnlich erging es uns bei einer Weberei, die neben Baumwolle und Seide auch aus Lotuspflanzenstilen in einem sehr aufwendigen Verfahren Garne herstellte für Textilien, die uns auch nicht so zusagten. Natürlich mussten wir auch bei einer Holzverarbeitung verbeischauen. Die mittelalterliche Art, Bretter durchzusägen und für den traditionellen Bootsbau zu verwenden, faszinierte uns mehr als die üblichen Teakelefanten und dergleichen mehr. Leider hat der Bootsführer durch uns keine Provision einheimsen können. Dafür haben wir ihn aber mit einem ordentlichen Trinkgeld am Ende belohnt.

Den letzten Tag am Inle-See, der auch unser letzter vollständiger „Nichtabreise-Tag“ in Myanmar war, ließen wir dann entspannt und genussvoll auslaufen.

 

Von Nyaung Shwe (Inle See)  via Yangon und Bangkok nach Frankfurt   - vom 27.2. bis 1.3. 2017

Der schwierigen Straßenverhältnisse eingedenk, hatten wir uns entschlossen, mit dem Flieger vom Inle See nach Yangon zu reisen. Der kleine Provinzflughafen in Heho war in 45m Taxifahrt von Nyaung Shwe zu erreichen. Dass Heho von Reisegruppen frequentiert werden würde, hatten wir geahnt, waren dann aber doch über den Andrang überrascht. Vor allem fehlte jede Form moderner Check-in- Ausstattung, so dass das Gepäck massenweise herum stand – ohne Aufsicht. Kein Wunder, dass die üblichen Sicherheitsvorschriften hier auch unüblich locker gehandhabt wurden. Auch dass die Toiletten in einem so katastrophalen Zustand waren, hatte ich bisher noch auf keinem Flughafen erlebt. 

Die Flugzeiten hatten wir so ausgewählt, dass wir gegen Mittag in Yangon eintreffen, gemütlich in unser schon bekanntes Hotel in Chinatown gelangen und so ganz entspannt den Nachmittag und Abend in der Hauptstadt verbringen könnten. Ich hatte auch bei unserem Hotel um ein größeres Zimmer als vor 3 Wochen nachgesucht, um komfortablere Bedingungen für die Endpackerei zu haben. Ein größeres Zimmer wurde uns tatsächlich zugewiesen, das aber wegen Ausfall der Klimaanlage erst einmal unbewohnbar war. Das Abwarten wollten wir – wie geplant – mit kleinen Geschenkeinkäufen auf dem Bogyoke Aung San Markt überbrücken. Aber auch da stellte sich uns Frustration in den Weg. Der Markt hat montags geschlossen. Einmal hatten wir nicht den „lonely planet“ Führer vorher konsultiert und schon holperte die Planung. Zunächst hatten wir die Hoffnung, dass die riesigen Markthallen an der Anawratha Straße zwischen Chinatown und dem Inderviertel uns weiterhelfen könnten. Das Gedränge und die Fülle wie auf einem Orientbazar erweckten zunächst Hoffnungen. Aber niemand konnte uns wegen unserer mangelnden Kenntnisse des Birmanischen weiterhelfen. Also auch da Frust. Also bezogen wir erst einmal das halbwegs herunter gekühlte Hotelzimmer und ließen uns dann mit dem Taxi zum Sakura-Tower bringen, gerade noch rechtzeitig, um die letzten Sonnenstrahlen auf der Shwe Dagon in der Ferne glühen zu sehen. Die Roof-Top Bar „Yangon Yangon“ ist wirklich der schönste Ort, von der Hauptstadt und Myanmar Abschied zu nehmen.

 

Noch einmal sollte unser Adrenalinspiegel steigen, als der Taxifahrer trotz unserer Hilfe unfähig war, die Einfahrt zum Internationalen Flughafen von Yangon zu finden. Doch dann lief alles, wie geplant, locker und mit zeitlichem Puffer ab. Der Air Asia Flug brachte uns von Yangon nach Bangkok zum Flugfanen Don Muang, von dort das Shuttle in einer Stunde zum Flughafen  Suvarnabhumi. Der entzerrte Zeitplan ermöglichte es auch, dass Thomas mich in die Lufthansa Lounge zum relaxten Abendessen einlud, bevor wir dann um 23 Uhr in unsere Lufthansamaschine zum Direktflug nach Frankfurt (Ankunft 1.3., 5 Uhr 45) stiegen. Hier trennten sich dann nach vielen Wochen unsere Wege.