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Erlebnisse in Thailand

8.- 19. Januar 2017  Gundelfingen – Bonn – Zürich – Bangkok

Der deutsche Winter hatte ein Einsehen für unsere Abreise. Just zwischen zwei Kälteeinbrüchen mit Schneechaos und Blitzeis bot er ein schmales Zeitfenster für ein komfortables Reisen. Zunächst haben wir nach unserer Busreise von Freiburg nach Bonn im Haus unseres dritten Reisekumpanen Thomas eine gastfreundliche Aufnahme gefunden, bevor uns seine Frau Diana am 9. Januar zum Köln/Bonner Flughafen gebracht hat. Bei Lufthansa gebucht, werden wir zunächst nach Zürich mit Eurowings befördert, um dort in die Swiss-Maschine nach Bangkok zu wechseln. Warum wir den Umweg über Bonn genommen haben und nicht gleich in das viel nähere Zürich, ist der Lufthansalogik geschuldet. Diese Verbindung war weit günstiger als von Zürich direkt. Aber so haben wir unseren Freund Thomas in Bonn abholen und gleich noch einen wunderschönen Abend mit seiner Familie verbringen können.

Leider war Swiss nicht in der Lage, für Katrin und mich zwei Plätze nebeneinander für den Langflug zu setzen, da wir einzeln gebucht hatten. Aber so saßen wir beide am Gang, was auch nicht zum Nachteil gereichte. Die ca. 10 Stunden Flug vergingen mit Dösen, Filme anglotzen und Fütterung. Pünktlich um 9 Uhr 35 landete die Maschine am Bangkoker Flughafen Suvarnabhumi. Gepäck, Eintrittsvisum und Transfer zum Hotel klappte alles wie am Schnürchen. Das war ein guter Start. Auch wenn das feuchtwarme Klima von 28 °C uns noch etwas das Atmen erschwerte (bei unserer Landung hatte es noch heftig geregnet), nun aber bescherte uns die Megacity Bangkok einen sonnigen Empfang. Unser Hotel entsprach genau unserer Kragenweite: nicht ambitioniert, geräumige Zimmer, tolle Lage direkt an den Schlagadern der Stadt, unweit des Flusses Chao Praya, mit einem hübschen Pool auf dem Dach, der nicht nur eine leidliche Erfrischung gestattete, sondern auch einen gigantischen Blick auf die Hochhaus-Skyline dieser Wahnsinnsstadtfreigab. Das machte uns richtig gute Laune. Ein Glück auch, dass wir eine hübsche Kneipe unmittelbar in der Nähe unseres Hotels fanden, das eine so gute Küche bot, dass wir es zu unserer Stammkneipe erkoren. Wir sind gut angekommen und blicken frohgemut  auf die nächsten Bangkoktage. Da wir die großen Sehenswürdigkeiten Bangkoks schon von unserem Besuch 2016 her kennen, können wir uns ganz entspannt und ohne Druck, etwas Wichtiges zu versäumen, durch das laute und geschäftige Leben dieser Metropole einfach treiben lassen. Zu entdecken gibt es genug.

 

Bangkok  11. bis 14.01.2017                                                                                                                                     Jetlag und Klimaumstellung ließen uns den Start gemächlich gestalten. Am Mittwoch schlenderten wir nach erfrischendem Weckbad im Pool und einem ausgezeichneten Frühstück durch die Strassen unserer Gegend. An der Charon Krang Road erstanden wir in der Hauptpost, einem rechtschaffen hässlichen Gebäude aus den 30iger Jahren, die Briefmarken für den ganzen Thailandaufenthalt. Während Katrins Achillessehne sich unangenehm zu Wort meldete und sie sich dem Genuss einer Fußreflexzonenmassage hingab, erkundeten Thomas und ich das Revier bis zum Hauptbahnhof Huan Lamphon. Dabei streiften wir durch das Quartier der Kfz-Teile - Händler. Eine solche Ansammlung von rostigen Getriebegehäusen, Zahnrädern und Kardanwellen haben wir seit unserer Kindheit nicht mehr gesehen. Der Hauptbahnhof ist wie alle öffentlichen Gebäude mit Trauerflor aus schwarzweissen Tuchgirlanden geschmückt. Der König Bhumibol ist im Oktober 2016 verstorben und hat den Thailändern ein Jahr Staatstrauer hinterlassen. Viele Frauen gehen in Schwarz und die Männer tragen einen Trauerflor am Hemdkragen. Der König war sehr populär und es ist sehr ungewiss, wie die fragile Zukunft der zutiefst gespaltenen Gesellschaft ohne die integrative Kraft des alten Königs aussehen wird.

Vom Hauptbahnhof hat uns die hochmoderne Metro nach Nordosten zum Lumphini-Park gebracht. Der wunderschöne weitläufige Park inmitten des brausenden Stadtzentrums lädt zum tiefen Durchatmen ein nach all der Smog- und Abgasluft. So gerüstet konnten wir uns wieder in die lärmenden Hochhauschluchten an der Haupteinkaufsachse, der Silom Road, stürzen, die wir bis in unser Viertel verfolgten. Für den ersten Bangkok-Tag war dies kein geringer Angang.

Am Donnerstag, 12. Januar, nehmen wir uns auf ausdrücklichen Wunsch von Katrin den Erawan-Schrein vor. Ihre Freundin Constanze hatte so davon geschwärmt, dass sie ihn jetzt auch sehen möchte. Mit dem Skytrain fahren wir bis in die Ratschadamri Road. Direkt vor dem eindrucksvollen Grand Hyatt Erawan Hotel hat man den Schrein für den hinduistischen Gott Indra und seinen Reitelefanten Erawan in den 50iger Jahren errichtet, angeblich um die vielen Unfälle bei dem Bau des Vorgängerhotels künftig zu vermeiden. Offenbar scheint der Schrein seine Wirkung entfaltet zu haben, denn er ist so populär, dass die Bangkoker ihn mit Blumengirlanden schier erdrücken und das recht bescheidene Götterbild im Räucherkerzenschwaden verschwinden lassen. Für saftige Bezahlung tanzen auch junge Frauen in traditioneller Tracht Siamtänze vor. Leider konnten wir sie durch die Räucherschwaden kaum betrachten. Katrin legte auch eine Blumengirlande ab und entfachte einige Räucherstäbchen für unser und Constanzes Glück. 

Ein TukTuk brachte uns zum legendären Jim Thompson Haus. Jener Amerikaner verhalf der thailändischen Seidenmanufaktur nach dem 2. Weltkrieg zu einem erfolgreichen Comeback, offensichtlich nicht ganz uneigennützig. Denn sonst hätte er sich nicht ein so großes Areal mit originalen thailändischen Teakhäusern bebauen lassen, die woanders abgebaut worden sind. Dieses beeindruckende Ensemble aus 6 Teakhäusern diente ihm auch noch als privates Ausstellungsterrain für seine umfangreiche Sammlung asiatischer Kunstpretiosen. Darunter finden sich seltene und frühste Buddha-Statuen. Leider konnte er diese Schätze selber nicht lange genießen, da er 1967 im Dschungel Nordmalaysias spurlos verschwunden ist. Nun hat der thailändische Staat das Anwesen großzügig renoviert. Thomas, der bei seinem Besuch vor 30 Jahren das Jim Thompson Haus in verwahrlostem Zustand in Erinnerung hatte, war sichtlich beeindruckt. Auch der Garten bietet eine dicht beschattete Grünoase inmitten des tosenden Betondschungels. Hinter dem Anwesen verlockte uns ein Khlong, wie die Kanäle hier heißen, zu einer zünftigen Bootsfahrt zur nächsten Skytrain-Station. Am Schnittpunkt zweier Skytrainlinien verlockte Thomas das riesige MBI-Shopping-Center, die im Reiseführer so angepriesene Restaurant-Meile zu testen. Nicht auf alles, was so in den Reiseführern steht, sollte man sich einlassen. Hier waren wir von der mäßigen Qualität  der Gerichte und dem kalt abstoßenden Ambiente enttäuscht. Wie anders mundete es uns doch am Abend in unserem „Stammkneipchen“.

Katrin hat die Fußreflexzonenmassage so gut getan, dass sie das heute, am Freitag, 13. Januar, unbedingt wiederholen möchte. Thomas und ich ließen uns in einem schellen Langboot auf dem Chao Praya Fluss gen Norden transportieren. Das Boot peitschte so über die Wellen, dass die harten Schläge unserer Wirbelsäule und den Knochen arg zusetzten. Immerhin standen wir schon nach 20 Minuten vor dem Königspalast. Unübersehbare Besucherschlangen drängten sich vor dem Eingang, nicht anders als vor den vatikanischen Museen in Rom, so dass wir höchlichst zufrieden waren, uns dort nicht einreihen zu müssen. Wie gut, dass wir das alles schon kennen. Das nahe gelegene Nationalmuseum, gottseidank nicht umlagert, bescherte uns gleich zweimal Freude: der verstorbene König hat der Bevölkerung ein viertel Jahr kostenlosen Eintritt vermacht. In diesen Genuss kamen wir nun auch. Zum anderen sind entgegen der Ankündigung in den Reiseführern die wichtigsten Exponate nicht in dem weit läufigen Museum unauffindbar verteilt, sondern in einer großen Halle konzentriert mit bester Ausleuchtung und Beschriftung präsentiert. Wir waren begeistert von der Qualität und liebevollen Präsentation. So konnte man komfortabel einen Überblick über die thailändische Kunst vom 6. bis zum 15 Jhdt. gewinnen. Durch diese wundervolle Kunsthalle erübrigte sich die Suche nach anderen Exponaten in dem großen Museumsarsenal. Auf dem Rückweg benutzen wir die offizielle Flussfähre, die uns in doppelter Zeit, aber zum Viertelpreis wieder zum Sathorn Pier transportierte.

Eigentlich wollten wir den letzten Bangkok-Abend mit einem Drink in einer Roof-Top-Bar auf einem der Hochhäuser begehen, vornehmlich im Millenium Hilton. Aber der Pool auf unserem Hoteldach war so gemütlich, dass wir keine Lust hatten uns von dort weg zu bewegen. Ohnehin erwartete uns ja morgen ein anstrengender Reisetag.

 

Bangkok – Trang – Pak Bara – Koh Bulon Leh  14.01.2017

 

Pünktlich um 5 Uhr 45 holte uns das Taxi ab und verfrachtete uns zum Flughafen Don Mueng. Das Einchecken, die Formalitäten und der Flug mit Air Asia liefen  problemlos und entspannt ab. Um 9 Uhr 45 landeten wir auch schon bei Trang auf dem südlichsten Flughafen Thailands. Das Organisieren und Bezahlen des Transportes mit Minivan und Schnellboot ging schneller und unverkrampfter von statten als die Realisierung. Schon die Fahrt zum 70 km entfernten Pak Bara schien uns endlos, dann die Warterei auf das Schnellboot in glühender Hitze und die Unklarheit, wie es überhaupt weiter gehen sollte. Schließlich legte das Schnellboot dann doch um 13 Uhr 15 ab und flog über die Wogen. Schon nach einer halben Stunde mussten wir auf ein Langboot umsteigen, das uns direkt am Strand unseres Resorts aussetzte.

Was für ein Anblick: weißer endloser Strand, palmenbeschattete Grünfläche mit niedlichen Bungalows. Die Anstrengungen haben sich mehr als gelohnt. Thomas hat im letzten Jahr die Inseln in der südlichen Andamensee getestet und dieses Resort hielt seinen strengen Kriterien stand. Wahrlich ein kleines Paradies: eine gepflegte, aber keine überkandidelte Anlage, ursprüngliches Ambiente, spärlich angenehmer Tourismus, kein Jetski, kein Massengrill am Strand, und das noch gut bezahlbar. Toll.

Ich werde über die nächsten Tage in einem zusammenfassenden Bericht erzählen. Denn so ereignisreich werden die Tage nicht sein, eher ein intensiver Genuss dieses kleinen Paradieses.

Allerdings werden wir sukzessive Fotos hochladen, damit Ihr Euch das auch vorstellen könnt.

 

Inselleben  Koh Bulon Leh 1      14. bis 21.1.2017

 

Das Entspannende am Inselleben auf Koh Bulon Leh ist die Abwesenheit jeglicher touristischer Attraktionen kultureller sowie sportiver Art. Man muss gar nicht den inneren Schweinehund bemühen, um sich erquickender Ruhe und Faulenzerei hinzugeben. Es gibt weder Pagoden, Tempel oder ein kulturell interessantes Städtchen, die eine unweigerliche Verpflichtung zum Besuch bedeuten könnten. Nichts außer dem traumhaften Strand, dem komfortablen und gepflegten Resort und einer wild vom Urwald überwachsener Insel. Der geeignete Ort also für eine totale Entschleunigung, genau das, was wir gesucht haben.

Die Insel ist so klein, dass sie mit kleinen Spaziergängen, wenn es uns dann wider Erwarten doch mal etwas langweilig wurde, durchstreift werden kann. Über einen Minipass gelangt man an den Nordteil der Insel mit zwei tief eingeschnittenen, von Mangrove gesäumten, Buchten. Die östliche, Ao Panka Noi, ist von Seenomaden bewohnt, die vom Fischfang leben, an der westlicheren, Ao Panka Yai, ist ein einfaches Resort für Backpacker angesiedelt. Der Strand kann es allerdings mit unserem Pansand an der Südostspitze nicht aufnehmen. Auch im Inselinneren sind Bungalows zum Vermieten anzutreffen und auch kleine dörfliche Gemeinschaften. Sie hätten anziehender und pittoresker auf uns gewirkt, würde einem nicht dauernd der Qualm von kleinen vor sich hin schmökenden Müllhalden in die Nase stechen. Hier hat das sonst so anmutige Paradies deutliche Dellen. Wenn man mal davon absieht, dass gelegentlich Kokosnüsse von den Bäumen donnernd runterfallen und eine wenn auch kurze, aber heftige Moskitoattacke jeden Abend droht, kann man über diese Insel schon ins Schwärmen kommen.

Der dichte Urwald wird auch von interessanten Tieren bewohnt, am eindrucksvollsten, die großen Nashornvögel, die sich leider nur sehr selten zeigen, und dann nur hoch in den Palmwedeln. Dafür kann man den ebenso eindrucksvollen großen Waranen öfter begegnen. Dafür sorgen schon die an den Siedlungen unvermeidlich anzutreffenden Müllberge. Auch große tropische Schmetterlinge taumeln von Blüte zu Blüte durch das parkähnlich angelegte Resort.

Nach einigen Tagen elysischer Ruhe lockte uns dann doch mal der Pfad an die Südküste der Insel. Dabei passierten wir eine kleine Kautschukplantage und sahen fasziniert den weißen Harztropfen zu, wie sie aus der tiefen Wunde des Baumes in eine halbierte Kokosnuss oder eine Blechbüchse fielen. An der Küste haben sich ebenfalls muslimische Seenomaden in ärmlichen Behausungen angesiedelt. Dabei scheinen sie nicht so mittellos zu sein, denn am Strand liegen zahlreiche Langboote und immer neue Ankömmlinge brachten ihre Fangkisten voller Krabben zu dem Sammelplatz. Dort sortierte eine strenge Matrone den Fang nach Größe, bevor er dann registriert wieder auf die Boote zur Auslieferung nach Pak Bara verfrachtet wurde. Die Matrone regelte offenbar den Verkauf per Handy, also doch nicht so rückständig, wie die Hütten es vermuten lassen. Alle waren fleißig mit Netzflicken, Reusen ausbessern oder anderen Arbeiten beschäftigt, keinerlei Müßiggang zu beobachten.

Bei so viel Fischfangkapazität und das Lebenselement der Fischer allenthalben präsent, wunderte es uns, dass wir nirgends ordentlich zubereiteten Fisch angetroffen haben. Entweder waren die edlen Schnäpper in Ingwer oder Knoblauch ertränkt, dass man keinen Eigengeschmack mehr wahrnehmen konnte, oder sie waren trocken und saftlos gegrillt. Aber das machte schon fast nichts mehr aus, denn die scharfe Marinadepaste hatte ohnehin die Geschmackspapillen betäubt.

In Summa haben wir die erste Inselwoche als total erholsam erlebt, in einem Rausch von Farben, die das ständig wechselnde Licht auf das Meer zauberte. Dass gelegentlich Bewölkung und tropische Regenschauer die sonst unbarmherzig brennende Sonne abmilderten, gewährte eine angenehme Anpassung des Körpers an die hochsommerlichen Temperaturen. Sportliche Aktivitäten gipfelten meist in einem herrlichen warmen Meerbad oder gelegentlichem Schnorcheln über die nahen Korallenbänke, eindrucksvoll, auch wenn man nicht allzu viel sah. Schon beim Schreiben komme ich wieder ins Schwärmen. Trotz kleiner Schrammen findet man auf Koh Bulon Leh schon so etwas, was man sich als Paradies fantasieren kann. Gut, dass wir uns vom 29. Janaur bis 4. Februar noch mal auf dieser wundervollen Insel treffen. Doch morgen trennen sich erst einmal die Wege. Thomas startet seine Tauchwoche auf Koh Lipe, Katrin und ich wechseln auf die Insel Koh Hai (Ngai), auch eine Entdeckung von Thomas.

 

Koh Hai (Ngai)     21. bis 29. 1. 2017

 

Am Samstag, dem 21.1. stehen wir schon früh auf, um unsere Habseligkeiten zu packen. Leider können wir nichts im Resort auf Koh Bulon Leh lassen, obwohl wir gar nicht viel mitnehmen müssten. Also muss die ganze Packerei in die Rucksäcke zelebriert werden. Da vor uns andere Reisende Richtung Festland mit dem Longboot abfahren, musste ich höllisch aufpassen, dass unser Gepäck nicht auf das falsche Boot verfrachtet wurde. Was auch beinahe geschehen wäre. Thomas winkte uns vom Strand ein Lebewohl zu. Unsere Befürchtungen wegen des ziemlich hohen Wellengangs realisierten sich in kräftigem Schaukeln und Schlingern des Longbootes, das uns erst einmal auf die Leeseite der Insel in ruhigeres Wasser trug, bei Fischerbooten anmachte und auf unser Speedboot wartete. Inzwischen war von einem anderen Longboot eine junge Frau aus Bordeaux zugestiegen. Das Speedboot kam mit beträchtlicher Verspätung in Sicht und war auch schon ziemlich voll, so dass wir kaum noch Platz fanden.

Die 750 Ps peitschten uns über die bewegte See gen Norden. Nach einer guten Stunde kam der erste Halt in Sicht: Koh Kradan. Dann hielt das Boot noch mal am Strand von Koh Muk, einer pittoresken Insel mit hohem dschungelüberwucherten Bergen und steilen Riffs. Aber der Strand schien ziemlich überfüllt zu sein, so dass wir letztendlich froh waren, dort nicht von Bord gehen zu müssen. Ein paar Meilen westwärts - und schon machten wir am Pier von Koh Ngai fest, wo uns ein Longboot  an einem türkisfarbenen Strand entlang zu unserem Resort brachte. Auch hier wieder „nass“ von Bord gehen und ans seichte Ufer waten. Gut, dass hier Helfer sich mit unsrem schweren Gepäck abplagten. 

Die herzliche Begrüssung im Resort war ein gutes Präludium für einen schönen Aufenthalt. Auch hier hatte Thomas den richtigen Riecher: das Resort ist etwas komfortabler, auch etwas teurer als Koh Bulon, aber keineswegs ambitioniert, sondern familiär und nicht überfüllt. Gute Wahl! Unser Bungalow brilliert zwar nicht mit Meeresblick, aber ist auch nicht in der letzten Reihe, sehr geräumig, großes Bad und mit Kühlschrank und Kaffeekocher versehen, was wollen wir mehr?   

Überwältigt hat uns die grandiose Aussicht auf die umliegenden Inseln, Riffe und das nahe Festland. Vom Strand aus sehen die mit tropischem Wuchs überwucherten Karstkegel wie Riesen mit grünen Hüten aus, die sich aus der azurblauen Flut erheben. Man kann sich nicht satt sehen.  Vor allem dieses unwirklich schöne Panorama bestimmt die Tage auf Koh Ngai, die ausgefüllt sind vom Lesen, am Strandspazieren gehen, mehrmals am Tag schwimmen. Das Wasser ist deutlich frischer als auf Koh Bulon Leh und die Ebbe lutscht auch nicht ganz das Wasser vom Strand weg. Wir genießen das unaufgeregte, ruhige Leben im Resort und die ansteckende Freundlichkeit des Service.

Eine außergewöhnliche Attraktion stellen die morgendlichen Besuche von mehreren Nashornvögeln dar. Die Bäume scheinen interessante Früchte zu bieten, so dass die Vögel sich ohne Scheu bewundern lassen. Geschickt ernten sie mit ihrem eindrucksvoll großen gebogenen Schnabel die Früchte und knacken sie auf. Diese mächtigen Vögel beeindrucken uns jeden Tag neu.

Was gibt es auf dieser Insel noch an neuen Erfahrungen: Vor allem versteht man hier wesentlich besser Fisch zuzubereiten, ob als ganzer White oder Red Snapper gegrillt, oder als Filet von Barakuda gedünstet, überall lecker, wenn auch nicht ganz billig.   

Die Insel ist außer den Resorts an der Ostküste nicht bewohnt, wie ein Rückgrat trennt ein Höhenzug mit dichtem Dschungel von Nord nach Süden die Ostseite von der felsig abweisenden Westseite. Nur wenige Pfade führen durch den Dschungel. Eine Erkundungswanderung haben wir schon hinter uns. Da wir leider unser Mückenspray vergessen hatten, waren wir leichte Beute für die Plagegeister.

Die Warane sind sehr scheu auf dieser Insel und verschwinden gleich bei Annäherung in dem kleinen Flüsschen hinter unserem Resort am Rande des Dschungels.

Nette deutsche Miturlauber, begeisterte Taucher und Schnorchler, haben mich animiert, auch mal in der südlichen Bucht, dem sogenannten Paradise Beach, zu schnorcheln und die seltenen Mördermuscheln (Giant Clams) anzuschauen. Dazu mussten wir wieder durch den Dschungel über einen kleinen Pass von der Ost- zur Südseite laufen. Man entdeckt doch immer wieder etwas anderes: diesmal eine beachtlich große Palmenspinne, die uns aus ihrem fest und dicht gesponnen Netz regungslos anglotzte.

Die „Paradies“ Bucht trägt ihren Namen zurecht: einen so feinsandigen Strand und ein so ausgeprägt türkisfarbenes, glasklares Wasser haben wir bisher nicht gefunden. Schade, dass Katrin heute nicht dabei war, sie hat den Dschungelmarsch gescheut. Allerdings entsteht gerade an dieser ehemals einsamen Bucht ein nagelneues Luxusresort. Einige wenige Bungalows sind schon vermietet. Wie zum ironischen Spott hat jemand an einen der großen Bagger ein Schild mit der Aufschrift: „ Idyllic Paradise Area“ angebracht. Einmal im angenehm warmen und doch erfrischenden Wasser will man nie wieder raus. Das Schnorcheln ließ sich gut an. Ich folgte vom Strand aus einigen wundervoll farbigen Schwarmfischen Richtung Riff, die sich neugierig für mich interessierten, querte dann eine abweisende Linie, übersäht mit toten Korallenresten – offenbar hat der Tsunami 2001 hier den Riffrand nachhaltig zerstört – bis zu den noch lebendigen Korallen, die in verschiedenen Farben und Formen das Auge durch die etwas beschlagene Tauchmaske erfreuten. Schade, dass ich die Namen für diese verschiedenen fantasievollen Wasserarchitekten nicht kenne. Leider habe ich nur tote Mördermuscheln, allerdings in eindrucksvoller Größe entdeckt. Als dann mein Rücken mich durch deutliches Kribbeln vor einem drohenden Sonnenbrand warnte, musste ich wieder zurück an den Strand. Natürlich konnte ich mich auch noch an den üblichen Korallen bewohnenden bunten Fischen, einschließlich dem putzigen Clownfisch, erfreuen.

Meine Mitschnorchler hatten weiter draußen mehr Glück. Sie haben mit ihrer Unterwasserkamera lebendige Mördermuscheln entdeckt und fotografiert, so dass wir die fantastischen Farben der Muschelöffnungen, von buntscheckig rot-orange bis violett sehen konnten. Dieser Platz ist offenbar einer der wenigen, wo man die vom Aussterben bedrohten eindrucksvollen Tiere in großer Zahl sehen kann.

Die Lust am Schnorcheln hatte mich so gepackt, dass ich dann am Nachmittag an der Kante unseres „Hausriffs“ direkt vor dem Resort entlang schnorchelte und wieder von der unglaublich eindrucksvollen Unterwasserwelt in Bann gezogen wurde. Stars an dem Nachmittag waren eindeutig die großen bunten Seesterne, die Katrin sogar von außen durch das flache Ebbewasser fotografieren konnte.

Meine Schwärmereien von der Paradise Bucht haben Katrin am Freitag dann doch noch motiviert, die Dschungeldurchquerung auf sich zu nehmen. Es hatte sich gelohnt. Ihre Begeisterung stand keineswegs meiner eigenen nach, so dass wir einen wunderschönen Mittag am Strand mit Baden, Schnorcheln, Lesen und das herrliche Ambiente anschauend verbrachten.

Bleibende Eindrücke von der Insel Koh Ngai (Hai): wir werden nimmer müde, das Panorama mit den vorgelagerten Riffs und Inseln zu bestaunen, das sich bei jedem Licht wieder anders präsentiert. Man kann sich einfach nicht daran satt sehen. Und dann die Freundlichkeit der Menschen. Nun haben wir schon verschiedene Bars und Restaurants ausprobiert. Sie unterscheiden sich lediglich im Preis, nicht in der Qualität. In unserem Lieblings-Bar-Restaurant hat der Chef Katrins speziellen Cocktail „Samoa Blossom“, der natürlich nicht auf der umfangreichen Karte zu finden war, nach ihren Angaben gemixt.

Es wird uns morgen schwer fallen, diese wunderschöne, immer noch nicht vom Tourismus überrannte Insel zu verlassen. Wir haben uns ausgesprochen wohlgefühlt. Perfekte Auswahl von Thomas!

 

Koh Lipe, Tauchfahrt „MV Charlan 3“, Tarutao Nationalpark

(Thomas 21.1. bis 29.1.2017)

 

Nach der Ruhe und Beschaulichkeit, in einem Wort der tropischen Idylle von Koh Bulon Leh warten nun sechs spannende Tauchertage in der Andaman See zwischen der malaysischen Grenze im Süden sowie den Tauchgründen bis nach Phuket darauf entdeckt zu werden. Alles sollte allerdings ganz anders als bei Forra Diving gebucht, einem durchaus angesehenen Tauchunternehmen auf Koh Lipe, über die Bühne gehen. Zunächst einmal eine beschwerliche Abfahrt von Koh Bulon Leh, da das Longtailboot, welches den Ersttransport aus dem seichten Ufergewässer bis zum diesmal mit 4x 250 PS-Motoren ausgestattetem Speedboot erledigen sollte, wegen hoher Dünung keine Passagierübernahme in der Bucht vor dem Hotelstrand bewerkstelligen konnte. Dies bedeutete eine Fahrt über Stock und Stein auf einem der klapprigen Motorräder samt Beiwagen (zur Gepäckverwahrung) zur windabgewandten Inselseite auf der ein „wet boarding“, d.h. Füsse bzw. Knie beim Einstieg im Wasser, samt anschließendem Umstieg auf das hochseetüchtige Speedboot, machbar waren.

Nach leicht stürmischer knapp zweistündiger Überfahrt, mit kräftiger Gischt auch im offenen Passagierraum, dann Ankunft am Pattaya Beach auf Koh Lipe. Lipe hat sich innerhalb weniger Jahre als einzig vom Tourismus vollständig besiedelter Hauptinsel im Tarutao Nationalpark, von einer verschlafenen Trauminsel zu einem schwer erträglichen „Tourist Hot Spot“ entwickelt: Laut, überfüllt, mit wenig verbliebener Ursprünglichkeit, dafür aber jeder Menge an nicht eingesammeltem Unrat. Verantwortlich dafür ist auch die Grenzübergangsstelle nach Langkawi in Malaysia, die Touristenströme aus allen Richtungen anzieht. Für eine Nacht muss dies aber in den tauchschuleigenen „Forra Bamboo Bungalows“ gehen, da ab morgen früh die Tauchfahrt um 8:00 beginnen soll.

Vor Pattaya Beach wartet dann unser Holzschiff für die nächsten sechs Tage und Nächte: Die MV Chalan, welche uns 15 Taucher aus gut einem halben Dutzend Ländern samt drei Dive Masters sowie Thai-Besatzung beherbergen soll. Als wir von der Eignerseite hören, dass vor zwei Jahren eine zweite große Maschine eingebaut, als auch das Boot aufgefrischt worden ist, sind wir eigentlich beruhigt. Die Kabinen sind dagegen eng, klein und nicht sehr komfortabel. Nicht so tragisch, da sich das Leben der nächsten Tage eher unter Wasser bzw. auf dem geräumigen Oberdeck abspielen wird. Dort wird, unter einem großen Sonnensegel, von den Dive-Briefings über die Essenseinnahmen und die sozialen Kontakte ein Grossteil des Bordlebens stattfinden.

 

Die drei ersten Tagestauchgänge finden im Tarutao Marine Nationalpark mit so verheißungsvollen Namen wie „8 Mile Rock“ sowie „Stonehenge“ statt. Nach einem ersten nicht leichten Abstieg am Bojentau bis auf circa 25 Meter eröffnet sich eine paradiesische Unterwasservielfalt.  Bereits beim Abtauchen schießt ein gut 2,5 Meter großer Teufelsrochen an unserer Vierer-Tauchergruppe vorbei, um uns mit einem grünlichen Strahl aus seinem Gedärmeinneren zu begrüßen. Unten dann Softkorallen „satt“ in allen Farbschattierungen von tiefem Pink bis in variierende orange und rotgrüne Tönungen.

 

Auch am zweiten Tauchtag,  dem 23. Januar, der ebenfalls noch im Nationalpark stattfindet, empfängt uns eine Unterwasser Flora und Fauna, die vollständig intakt erscheint. Eine Biodiversität die keinerlei Wünsche offenlässt und die, die im letzten Jahr gemachten Taucherfahrungen in den Similan Islands, deutlich übertrifft. Die Andamansee ernährt hier gesunde Riffe, ebenso wie Langusten und eine Vielzahl tropischer Fische, wie Rotfeuerfische, Angler-, Anemonen- und die äußerst giftigen Steinfische. Zudem Barakudaschwärme und eine Großzahl an Arten der Barsch- und Füsiliergattungen samt Unterarten.  Dann blicken einen Riesenmoränen aus Löchern der Riffe unvermittelt mit großen Augen an, ebenso wie grün scheinende, auf den ersten Blick kaum erkennbare, Seepferdchen von vielleicht 10cm Länge. Dies genießen wir in unserer jetzt auf 5 plus Divemaster aufgestockten Tauchkleingruppe bei drei Tauchgängen um das Yong Hua Wrack, einen 1997 gesunkenen chinesischen Fischtrawler sowie bei „Drift Dives“ um Koh Sarang und Koh Pung (Honiginsel) herum.  Es sollten leider unsere letzten Tauchgänge bleiben. Das Schiff begibt sich dann auf die 6 – 7 stündige Überfahrt in Richtung Koh Rok National Park, die auf hoher See stattfinden wird.

Die Pausen zwischen den Tauchgängen sind mit den Üblichkeiten  des Taucherlebens gekennzeichnet: Essen, Ausruhen, etwas lesen und sich mit seinen Tauchbuddies unterhalten. In der Zwischenzeit werden die Tauchflaschen mit einem Kompressor wieder aufgefüllt, um für die nächsten Tauchgänge einsatzbereit zu sein. Ich liege lesend in meiner Koje, als es gegen 16:30 eine laute Explosion gibt nebst schrillem Stimmenwirrwarr, welches offenbar vom Heck des Bootes herkommt. Nach leicht widerwilligem Öffnen meiner etwas schwergängigen Kabinentüre stehe ich in Richtung Heckseite auf knapp 10 Metern Entfernung einer brodelnden Feuerwand gegenüber: „Was ist passiert? Was ist zu tun? Besteht größere Gefahr, gar Lebensgefahr?“ schießt es mir durch den Kopf, als ich meine Kabinentüre wieder halb zuziehe. Schnellentschlossen nehme ich meinen mit Pass, Kreditkarten und Geld sowie Fotoapparat gepackten stets griffbereiten kleinen Tagesrucksack vom Haken auf den Rücken und eile zurück auf den Gang. Dort kommen mir einige andere Taucher entgegen. Kurze Absprache: „Wir müssen raus“. Der hintere Aufgang zum Sonnendeck und etwaigem Bootsausstieg („über Bord“) ist vom Feuer versperrt, gelegentlich gibt es eine weitere Explosion. Es herrscht ein ziemliches Durcheinander. Nur raus und auf das Oberdeck und die scheinbar zumindest temporäre Sicherheit, d.h. wieder zurück in die Kabine und sich kletternderweise durch die recht engen Kabinenfenster nach außen zwängen, um sich dann (außen an der Bordwand hängend) „nach oben“ zu hieven. Oben angelangt, baut sich beim Blick nach hinten eine riesige schwarze Rauchfahne auf, die vom weiter größer und größer werdenden Feuer gespeist wird. Dabei rückt die Feuergefahr ständig näher. Am Bug hat sich zwischenzeitlich ein Großteil von Tauchern und Crew versammelt. Dazwischen dann die eine oder andere weitere Explosion. Mir wird sofort klar: Es handelt sich um eine kaum beherrschbare, geschweige denn löschbare Feuersbrunst. Als das Boot nach einigen weiteren Minuten plötzlich an Fahrt verliert und die potentiell hochtoxische Rauchfahne beginnt zu uns herüberzuschwappen, ist die Devise klar: „Alles über Bord“.

Gesagt, getan und mit dem üblichen Taucherschritt mit Hand auf Brille und Kopf geht’s mitten in der hohen Andamansee ins 29 Grad warme Wasser, ohne Rettungsweste oder gar Rettungsboot, da beides entweder verbrannt (Dhingy) oder nicht in ausreichender Zahl oder am erforderlichen Ort (Life vests) verfügbar war. Zumindest der, offenbar schwimmunkundige thailändische Captain, hatte eine der wenigen Westen abbekommen und hielt sich in der knappen nächsten Stunde ebenso wie die anderen insgesamt 20 Crew- und Tauchteilnehmer an zwei ins Wasser geworfenen Matratzen fest, auch um Energie zu sparen. Es ist lebenswichtig alle zusammenzuhalten, um bei Schwächeanfallen etc Hilfe gewähren zu können. Wir driften mehr und mehr weg von unserem Tauchboot, vernehmen aber weitere Explosionen und können, je nach Wellengang erkennen, dass das Feuer das gesamte Schiff erfasst hat.

Nach besagter knapper Stunde werden schwarze Rauchfahnen am Horizont sichtbar, die aus der entgegengesetzten Richtung unseres sinkenden Schiffes kommen. Nach wenigen weiteren Minuten dreht ein kleiner Fischtrawler bei. Sukzessive klettert einer nach dem anderen an Bord; halb wird gezogen, halb wird von unten geschoben. Natürlich Frauen zuerst und dann die Erfahreneren zum Schluss. Alle schaffen es. Wir sind alle gerettet. Die einfachen Fischer sind sehr freundlich und bieten uns etwas zum Trinken und den Frauen etwas zum Drüberziehen an. Es ist, wieder einmal, nicht ganz klar, wie es weitergehen wird. Von unserem „neuen“ Schiff sehen wir am Horizont noch das sich um die Charlan 3 von Forra Diving zwischenzeitlich weitere Boote eingefunden haben, die dem – wie wir erst jetzt erfahren – erfolgreich abgesetzten „MayDay“ gefolgt waren. Nach zwei Stunden werden wir von einem deutlich größeren Trawler übernommen und in Richtung Küste transportiert. Nach zwischenzeitlich offenbar erfolgter Intervention der Marinepolizei bleiben wir jedoch zunächst weiter auf hoher See, um auf einen weiteren Überstieg auf das Schnellboot der Royal Thai Marine Police zu warten. Alles zieht sich ewig hin. Wir sitzen auf Bergen von Netzen des Trawlers und beratschlagen schon einmal die weiteren Schritte nach unserem Eintreffen im Hafen von Pak Bara, wo sich die zuständige Polizeistelle befindet. Das Polizeischnellboot übernimmt uns schließlich. Die Besatzung ist sehr freundlich. Es werden erste Befragungen der Mannschaft durchgeführt. Zudem werden Dringlichkeitslisten erstellt da einige der Taucher alles, d.h. Pass, Geld und alle Unterlagen verloren haben. Sie sind dann nur mit einer Badehose bekleidet mit uns abends gegen 22:00 Uhr in Pak Bara von Bord gegangen, wo bereits die thailändische Presse sowie Fernsehen auf uns warteten.

Nach dem Transport in das „Lake View Hotel“ in Pak Bara wurde der verbliebene Abend und die halbe Nacht zur Information und zum Austausch mit der Familie und Freunden genutzt. Nach der Mitteilung des „Alles OK“, ebben dann die verständlichen Aufgeregtheiten über das Passierte etwas ab. An viel Schlaf ist aber nicht zu denken.

Nach Gesprächen über Frühstück und anschließender Verproviantierung am nächsten Morgen in Pak Bara geht dann jeder seiner Wege, um die notwendigsten Dinge anzugehen: Konsulat in Phuket oder gar Bangkok. Alle bis auf mich und der Crew fahren nach Norden: Krabi, PhiPhi oder andere Inseln lauten die Ziele. Wir bleiben aber per Internet in den nächsten Tagen aber im engeren Kontakt.

 

Ich freue mich schon sehr darauf, Katrin und Detlev in einigen Tagen auf Koh Bulon Leh wiederzusehen. Beide waren natürlich zunächst etwas ungläubig und dann geschockt, die Nachrichten von „Untergang und Rettung“ zu vernehmen. Ich verbringe die Tage bis zum Wiedersehen auf Koh Lipe auf der Tauchbasis und ziehe dann, um dem Trubel auf dieser Insel zu entrinnen, weiter nach Tarutao, der Hauptinsel des Tarutao Nationalparks auf der es lediglich einige Ranger Stützpunkte samt weniger staatlicher Guesthouses in Strandlage gibt. Ein Kontrastpunkt, der mir gut tut und den ich während der knapp 3 Tage als Ausgangspunkt für Mountainbiketouren nutze, um Flora (Dschungel!), Fauna (Makaken, Warane, Wildschweine, bunte Vogelwelt)  und Historie (verfallenes POW-Gefängnis; Pirateninsel) zu erkunden. Zudem treffe ich spannende Weltreisende vom deutschen Ornithologen bis zu Seglern, die am America’s Cup teilgenommen haben. Gesprächsbalsam für die etwas geschundene Taucherseele!

„Ende gut, Alles gut“ denke ich mir dann, als ich am Sonntag, den 29.1. wieder mit Detlev und Katrin vereint bin. Eine wunderbare Woche für viel Zeit füreinander liegt vor uns. 

 

Koh Bulon Leh (Wiedersehen) – 29.1. bis 3.2. 2017

 

Die Aussicht, Thomas nach allem, was er erlebt hat, gesund wiederzusehen und mit ihm noch einige Tage Koh Bulone zu genießen, machen uns den Abschied leichter, die schöne Insel Koh Ngai und unser gemütliches Resort zu verlassen. Das Speedboot aus Koh Lanta traf mit einer Stunde Verspätung ein, weil es  total überfüllt war mit Urlaubern, die nach Koh Lipe wollten, viele mit partyhungrigem Blick. Wir erwischten buchstäblich die letzten Plätze vorn, bedrängt von Rucksäcken und Koffern. An Rettungswesten war überhaupt nicht zu denken.  Gottseidank hat Thomas uns vor Koh Lipe gewarnt. Wir bekommen indirekt einen Eindruck, welcher Rummel dort herrschen muss. Als wir dann  vor der Insel Koh Bulon auf ein Longboot wechseln wollten, fehlte einer Mitreisenden der Koffer, kein Wunder, bei diesem Chaos auf dem überfüllten Speedboot. Mit dem üblichen „Wet Landing“ betreten wir die schon vertraute Insel. Noch am Strand stürmt uns Thomas entgegen und wir liegen uns in den Armen. Kaum zu glauben, dass er das Schiffsunglück heil und gesund überstanden hat. Zu allem Glück hat seine Geistesgegenwart und eine deutliche Portion Glück seine Papiere, Pass und Geld bewahren können, so dass wir, wie geplant, am Montag nach Myanmar starten können.

Wir genießen die Tage auf Koh Bulon Leh mit gemeinsamen Strandwanderungen, Baden, Lesen, langen Gesprächen in diesem herrlichen Ambiente, gut geeignet auch für Thomas, von den lebensgefährlichen Erlebnissen etwas Abstand zu gewinnen. Die Leute, sowohl Miturlauber, als auch die Beschäftigten, sind so nett, dass die familiäre und entspannte Atmosphäre die besten Voraussetzungen dafür bieten. Unsere Bungalows haben wir diesmal etwas weiter hinten am Dschungelrand, so dass uns schon mal der eine oder andere Waran besucht, welcher dann allerdings schnell und erstaunlich geschickt den nächsten Baum hochklettert. Den Eingang zu unserem Strand bewacht ein dicker Urwaldriese. Eigentlich wäre unser Strandabschnitt, beschattet von hohen Urwaldbäumen, der absolute Traum, wenn nicht die Sandflöhe das Idyll deutlich stören würden. Es ist eben nur ein „fast Paradies“. Erst am dritten Tag können wir die zahllosen Stiche an den Füßen – Katrin ist besonders geplagt – den eigentlichen Plagegeistern zuordnen. Im Internet wird eine wirksame Prophylaxe in Form von Kokosnussöl empfohlen. Bei der Inselapotheke in dem kleinen Fischerdorf im Norden werde ich fündig, auch Tigerbalsam zur Nachsorge kann dort erworben werden. Allerdings ist die Ölschmierage nicht weniger unangenehm, als die Sandflöhe selbst. Also werden die Lesestunden vom Liegestuhl am Strand auf die Bunglowverandas verlagert.

Das Resort bot uns am 30. Januar einen festlichen Abend anlässlich des chinesischen Neujahrfestes an: Buffet, BBQ, Thai- und chinesische Küche, ein witziger Alleinunterhalter und eine Tombola, bei der Thomas natürlich den Hauptpreis, eine Flasche guten australischen Sekt, gewann. Die Götter haben wohl bei ihm etwas gut zu machen! Als kulturelle Umrahmung boten traditionell gekleidete Mädchen aus dem Inseldorf folkloristische Tänze an, die dann in eine zahme westliche Disco mit allgemeinem Tanz mündete. Ein nettes Programm, einfallsreich und nicht übertrieben, genau passend.

Was uns sonst noch auf der Insel aufgefallen ist: Im Resort meldet ein Big Ben Verschnitt immer die vollen Stunden mit dem vertrauen Ton. British Empire lässt grüssen, obwohl Thailand nie britische Kolonie war. Und um 15 Uhr 30 lässt pünktlich ein hoher Pfeifton wie die Fabriksirene bei Feierabend fast eine Stunde die Insel erzittern. Dieses Pfeifkonzert produzieren tropische Zikaden mit einer Pünktlichkeit und Ausdauer, dass man nur staunen kann. Selten sieht man mal einen Kingfischer, wie er pfeilschnell auf eine Uferkrabbe  stösst.

Es ist mit Worten kaum zu beschreiben, was für ein türkisfarbenes Wasser hier zum endlosen Schwimmen einlädt. Schade, dass auch diese Tage zu Ende gehen.