Tuamotu Archipel         Thomas (Solo): 12.-21.11.                                  Unser bewährtes Trio: 21.-25.

1. Thomas: Huahine-Tahiti-Rangiroa-FAKARAVA-Tahiti   Tikehau-RANGIROA

 

12. November (Samstag) bis 21.November (Montag)

 

Ja, es wird für mich ein wahres Inselhüpfen zwischen dem Abschied und Wiedersehen mit Detlev und Katrin in den folgenden 10 Tagen werden. Teils freiwillig, teils unfreiwillig. Die einzige Fluglinie im innerpolynesischen Flugverkehr (Air Tahiti), hat mit Umstellung des Flugplans im Oktober mir eine zusätzliche Übernachtung in Papeete bei der Weiterreise von Fakarava nach Rangiroa beschert. Belohnung dafür und Schwerpunkt der Tage als Einzelreisender soll meine Tauchleidenschaft in zwei der “besten Tauchreviere” der Welt sein. Maßgeblich für den Korallen- und Fischreichtum sind die zwischen den “motus” (kleine Insel) alle 6 Stunden wechselnde Gezeiten vom Pazifik in die Lagune ("Garuae bzw. North Pass” auf Fakarava bzw. “Tiputa Pass” auf Rangiroa) und zurück.

 

Auf Fakarava ist die Einquartierung für eine knappe Woche im “Relais Marama” erfolgt, einer kleinen, direkt am Pazifik gelegenen palmenbesäumte Anlage mit acht Bungalows samt Management, welches keinerlei Wünsche am Frühstückstisch, zur Lage (zwischen Grundschule, Gendarmerie und bestem Lokal - Hirinaki Lounge), den Sanitäranlagen (heiße Duschen!) und Mitbewohnern (zugängliche interessante Taucher!) offen lässt.

 

Die folgenden, auch wettertechnisch schönen Tage, sind mit Tauchen ausgefüllt: bei täglich zwei Tauchgängen und Tiefen bis knapp 30 Meter, erschließt sich die Fülle der Unterwasserflora und -fauna des Tuamotuatolls vollumfänglich. Die Korallen in der Südsee befinden sich im eher flachen Wasser und sind - in Franz.Polynesien - während der Korallenbleiche in 2019, erheblich angegriffen worden. Wie von Polynesieren berichtet, hat sich der Zustand seitdem weitestgehend erholt. Dies haben die eigenen Unterwasserbeobachtungen bestätigt. Neben zahlreichen “Korallenfriedhöfen” hat sich farbenfrohes neues Korallenleben entwickelt. Die Fischwelt hat keine Wünsche übrig gelassen. Von farbenfrohen Kleinfischen wie Doktor-, Anemonen- (“Nemo lässt grüßen”) bis zu Kugel- bzw. Kofferfischen, dem Südseeteufel und der Leopardflunder. Am anderen Ende der Grössenskala geht’s dann über die 1 bis 2 Meter langen Baracudas zu den 1 bis 3 Metern der verschiedenen Haiarten (Riffhaie, Weißspitzriffhai, Zitronenhai, Grundhai) die in Gruppen von 20 bis 30 Exemplaren umherstreifen. Darüber thronen, als “Königen der Atolle”, die Riesenmantas mit einer Flügelspanne von bis zu 5 Metern….von unten strahlend weiß, von oben pechschwarz mit gelegentlichen weißen Einspritzern, die mit ihren majestätischen Schwingen die Tiefen durchpflügen. Die Tauchbasis auf Fakarava (“O2”) war “superb”, die auf Rangiroa (“6th passenger”) eher enttäuschend, weil wenig professionell und unpersönlich.

 

Besonders mitteilenswert ist die hier anzutreffende durchgängige Freundlichkeit der Polynesier mit Begrüßungs- (“Ia ora na”), Abschieds- (“na na”) sowie Dankesformel (“Māuruuru”) gegenüber jedermann. Stets omnipräsent ist die französische Kultur, Sprache und Regierungspräsenz unter allen Aspekten des Insellebens. Nur gelegentlich und im persönlichen Gespräch wird dies von den “Einheimischen” thematisiert, auch auf dem Hintergrund der fast 200 Atomwaffentests der Franzosen von den 50’iger bis in die 90’iger Jahre hinein. Der zu dieser Thematik verabschiedeten UN-Resolution 193 zur Verurteilung der Tests nebst Entschuldigungs- verlangen und monetärer Kompensation der Polynesier, war Frankreich lange nicht bereit, nachzukommen. Erst mit dem Besuch von Präsident Macron in Tahiti im Juli 2021 wurde eine “Schuld Frankreichs” eingeräumt, jedoch keine ausdrückliche Entschuldigung ausgesprochen bzw. weitergehende Zusagen gemacht. Im Inselzentrum gegenüber der Kirche erinnert eine Gedenkstele nebst Schaukasten an diese dunkle Seite der französischen Präsenz.

 

Vor der gemeinsamen Weiterreise mit Katrin und Detlev standen auf Rangiroa letzte Tauchgänge am Tiputapass bei eher mäßigem Wetter und wenig Unterwassersicht an. Dafür gab es als “trockenem” Inselhöhepunkt eine Besichtigung der “Domaine Dominique Auroy” samt Weinprobe mit Pierre, dem “Patron” meiner Unterkunft “Vahaui Paradies”. Die Domaine bewirtschaftet das einzige auf einem Atoll gelegene Weingut. Angebaut werden widerstandsfähige Rebsorten wie die Carignan-, Toquaier- und Grenachetrauben. Letztere zur Beimischung für einen trocken-fruchtigen Rosé. Bei allen Weinen meint man das salzige Meerwasser etwas herauszuschmecken. Eher nichts für Feinschmecker, sondern für exotisch interessierte Neugierige, die sich die Flasche ab €20 leisten wollen. So freue ich mich dann schon wieder auf eine Flasche des guten lokalen Biers (“Hinano”) mit Detlev und Katrin.

 

 

 

2. Rangiroa 21. - 25. 11. 2022

 

Bevor wir am Montag, den 21. November nach Ragiroa, dem grüßten Atoll des Tuamotu Archipels, starten, machen wir uns erst einmal ein paar Gedanken über die geographische Besonderheit der neuen Inselwelt. Denn wir sprechen von 77 flachen, maximal 3 m über den Meeresspiegel herausragenden Koralleninseln mit einer Gesamtfläche von gerade mal der Stadtgrenze von Berlin, aber verstreut über 2 Millionen km2, was einer Fläche größer als Westeuropa entspricht.  Auf den Atollen zusammen wohnen etwa 15.000 Menschen, davon allein auf Rangiroa, dem Verwaltungszentrum des Archipels, 2.500. Sie leben von Subsistenzwirtschaft auf den kleineren, von Perlenzucht oder Tourismus auf den größeren Atollen, die auch zu den begehrten Tauchrevieren der Welt gehören. Thomas hat seine Erfahrungen in einem eigenen Beitrag auf dieser Seite dargelegt.

In die Schlagzeilen der Weltpresse sind die Tuamotus durch die überirdischen Atombombentest gekommen, die die Franzosen zwischen 1966 und 1996 auf Muroroa und Fangataufa, knapp 200 Tests, trotz erheblicher Proteste der Weltgemeinschaft (ich erinenere mich noch an die Slogans auf den Protestdemos 1995: " Fuck Chirac!") durchgeführt haben. Auch dazu mehr zu lesen in Thomas Bericht über Fakarava.

Wir sind sehr gespannt auf die Erlebnisse auf Rangiroa und freuen uns darauf, unseren Reisekumpanen Thomas wiederzutreffen.

 

Unser Abschied von der schönen Herzinsel fällt uns um so schwerer, da sie sich heute mit dem herrlichsten Sonnenschein verabschiedet. Die Fähre um 7 Uhr 35 nach Papeete schenkt uns, je mehr sie sich vom Ufer entfernt, einen umso grandioseren Blick auf die Insel, so wolkenlos und klar differenziert, wie wir sie bisher noch nie gesehen zu haben. Allein die Neugier auf das große Atoll mildert den Abschiedsschmerz. Außerdem müssen wir uns darauf einstellen, am Fährhafen möglichst schnell ein Taxi zu erhaschen, damit wir unseren Flug nach Rangiroa auch noch relativ stressfrei erreichen. Leider sind schon alle Taxen unterwegs, so dass uns nur ein „wildes“ Taxi bleibt, dessen Fahrer uns mit dem Preis auch noch etwas übers Ohr haut. Immerhin haben wir nach dem Check-in gerade noch so viel Zeit, dass ich auch Geld wechseln kann. Denn wir wissen nicht, was uns auf Rangiroa erwartet.

Der Flug mit Air Tahiti schafft die Distanz von 385 km bis Rangiroa in 55 Minuten. Die Freude ist groß, von Thomas herzlich begrüßt zu werden, der schon zwei Tage früher hier eingetroffen ist. Auch der Manager des gebuchten Resorts ist zur Stelle. Auf die Überfahrt mit dem Boot zu unserem „Aotera Guesthouse“ auf einem einsamen Motu müssen wir aber erst bis zum Nachmittag warten. Leider hat uns hier im Bereich der Tuamotus das schlechte Wetter wieder erreicht, so dass wir in einem kleinen Restaurant am Hafen der Teilinsel Avatoru vor den Regengüssen Schutz suchen. An einen über den Mittagsnack hinausgehenden Aufenthalt hindern uns (weniger wichtig) das fehlende Wifi und das (wichtig) unerträglich stinkende Plumpsklo.

Nach einigem für uns scheinbar unmotivierten Warten startet das Boot just zu dem Zeitpunkt, als es wieder anfängt, ordentlich zu regnen.  Auf der endlos scheinenden Fahrt über die Lagune ist nicht mehr zu unterscheiden, ob uns die kleinen Wellenbrecher, die über die Bootsreling schwappen, oder die schräg ins Boot peitschenden Regenstreifen mehr durchnässen. Der Fahrtwind lässt uns langsam – trotz des warmen Wassers, aber pudelnass, wie wir sind – zum ersten Mal frieren, seit wir in der Südsee uns aufhalten. Gottseidank erreichen wir nach 45 Min. Fahrt endlich das Motu. Katrins Verdruss über die Nässe wird noch einmal gesteigert, als sich herausstellt, wir können nur über ein „Wetlanding“ ans Ufer. Auch die hilfreichen Hände, die unser ganzes Gepäck watend ans Ufer und in unseren Bungalow tragen, können sie nicht mehr recht aufheitern. Nachdem wir erst einmal warm geduscht haben, gilt es nun die nass gewordenen Sachen zum Trocknen auszubreiten. Die Nässe hat sich durch den schützenden Übersack bis in die Tiefe der Rucksäcke durchgearbeitet. Selbst der Pass ist an den Rändern aufgeweicht, wo der Spaß dann langsam aufhört. Nachdem alles geborgen und zum Trocknen ausgebreitet ist, kann sich die Aufmerksamkeit auf die trotz aller Kargheit einigermaßen ansprechende Einrichtung des Bungalows richten. Vor allem die kleine Terrasse mit dem Blick auf den Strand gehört zu den Pluspunkten.

Auch das ganze Resort wirkt auf den ersten Blick recht gepflegt. Thomas‘ Bungalow schaut auf einen kleinen dicht mit Kokospalmen umstandenen Binnensee mit brackigem, trübem Wasser, an dessen Ufer auch das Restaurant gebaut ist. Stehendes Gewässer ist natürlich eine Brutstätte für Moskitos, die uns dann in den nächsten Tagen auch schwer zusetzen sollten, nur noch übertroffen an Plagepotenz durch die Sandflöhe.

 

Am Dienstag, 22.11.2022, hat es den ganzen Vormittag geschüttet. Leider hat auch das an einfacher Kargheit nicht zu überbietende Frühstück unsere Laune nicht wirklich aufheitern können. Langsam wird uns bewusst, dass wir auf ein sonst unbewohntes Motu ausgesetzt sind, weit ab von jeglicher Zivilisation, und deshalb auf Gedeih und Verderb dem Nahrungsangebot des Resorts ausgeliefert. Hoffentlich geht das gut!? Als es dann gegen Mittag endlich aufhört zu regnen, machen wir uns auf, unser Motu kennenzulernen. Der Weg von der Lagune durch dichten Kokoswald führt nach ca. einem Kilometer an das Ozeanufer, teilweise entlang an einem kleinen Pass, der unser Motu von der Nachbarinsel trennt. Wir laufen nicht über Steine oder Sand, sondern samt und sondern über mehr oder weniger feinen Korallschotter. Immer mehr wird uns bewusst, dass unsere Insel aus keinem Material geologische, sondern rein biologischen Ursprungs besteht. Auf längst versunkenen Vulkanhängen haben über Millionen Jahre Korallen ihre Kunstbauten errichtet. Und so sehen wir auf unserem Spaziergang Korallenmaterial unterschiedlichen Alters, manche Stücke sind noch ganz jung und zeigen in Farbe und Formen die ehemals lebendigen Koloniebauten. Andere wieder sind zu grobem Schotter erodiert oder zu richtigen Felsbrocken verdichtet, deren Kotallstruktur man bei genauem Hinsehen aber immer noch erkennen kann. Wir sind beeindruckt, wie so kleine Lebewesen so gewaltige Bauten errichten können, deren Reste über Jahrmillionen richtige Inseln geformt haben. Das ganze Tuamotu Archipel besteht aus solchen Atollen, die samt und sonders aus Korallenmaterial geformt sind. Um welche Dimensionen es sich dabei handeln kann, erkennt man an dem Atoll von Rangiroa, in dessen Korallenring sich unser Motu im Nordwesten einreiht. Immerhin ist das Atoll das zweitgrößte der Welt, misst in seiner Länge ca. 80 km und in seiner Breite 32 km. Die Erdkrümmung verhindert, dass wir den Ostrand des Atolls über die Lagune hinweg erblicken können. Die Dünung des ungebremsten Pazifiks donnert mit Titanenkräften an die Nordseite des Motu, so dass wir uns gerne wieder an die ruhigere Lagunenseite im Osten begeben.

 

Auch am Mittwoch, 23.11.2022, bewegen wir uns noch ganz im einsamen Inselmodus. Schließlich wollten wir ja einmal das Inselfeeling, fern der Zivilisation, auf einer romantischen Südseeinsel erleben. Leider bietet unser Resort nicht den Komfort, dass wir wenigstens für kurze Zeit auf jegliche zivilisatorische Annehmlichkeit gerne verzichtet haben, um einmal die Einsamkeit und Verlassenheit dieses Inseldaseins in vollen Zügen genießen zu können.  Gleichwohl, die Natur, die unglaubliche Farbe der Lagune, die grandiosen Wolkenspiele am unendlichen Himmel und die berauschend schönen Sonnenuntergänge rechtfertigen die Entscheidung für das Aotera Guesthouse.

Am Vormittag untersuchen wir die Lagune direkt vor der kleinen Siedlung. Leider funktionieren trotz Thomas` fachmännischer Hilfe unsere Tauchermasken immer noch nicht. Der Manager hilft aus mit einfachen Kombimasken, mit denen wir dann aussehen wie die imperialen Krieger in Star Wars, die uns aber ein relativ ungestörtes Schnorchelerlebnis gewährleisten. Leider sind die meisten Korallen in der nahen Lagune abgestorben und deshalb nur wenig Fische zu beobachten, so dass es eher ein trauriges Erlebnis wird. Am Nachmittag wollen wir eine Strandwanderung an der Lagunenseite bis zum südlichen Ende unseres Motus unternehmen. Immer wieder stoßen wir auf kleine Binnenlagunen, ähnlich der an unserem Resort, die z.T. sich aber in einen stinken Pfuhl verwandelt haben. Dabei wird uns auch klar, dass es auf den Motus kein Trinkwasser gibt.  Auch für das Brauchwasser wird in unserem Motu Regenwasser aufgefangen und in großen Behältern gesammelt. Trinkwasser wird in Flaschen vom Hauptmotu Avoturo hergeschippert.

 

Wir kommen bei unserer Wanderung nur bis zu einer der Hütten, die Fischer für ihre Fangfahrten benutzen, aber nur teilweise bewohnen, dafür aber scharfe Hunde als Bewachung zurücklassen. Es lässt sich leicht vorstellen, dass unsere Wanderung spätestens bei der ersten verlassenen Fischerhütte durch die Anwesenheit des Hundes beendet worden ist.

 

Donnerstag, 24.11.2022 Blaue Lagune

Die Abgeschiedenheit unseres Motus bringt es mit sich, dass wir auch für eine Exkursion erst einmal in 45-minütiger Fahrt auf das Hauptmotu des Atolls gebracht werden müssen. Das schöne Wetter und die ruhige Lagune machen die Fahrt allerdings zu einem Genuss. Nachdem unser Exkursionsmanager mit seinem eigenen Boot (jeder, der nicht nur auf dem Hauptmotu zu tun hat, braucht neben einem Pickup noch ein Boot, versteht sich) auch noch andere Teilnehmer von dem Edelresort Kia Ora abgeholt hat, fahren wir zunächst durch den Tiputa Pass, der Avaturo von dem anderen etwas stärker bewohnten Motu „Tiputa“ trennt -Thomas hat über seine Taucherfahrungen in diesem Revier berichtet – auf den Pazifik nahe der Nordostseite des Atolls, um Delphine zu sehen. Zunächst scheint das Unternehmen nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Doch unser Bootsführer kennt sich aus. Plötzlich springen Delphine neben unserem Boot und begleiten uns so spielerisch, dass es ein eindrucksvolles Erlebnis wird, Delphine so nahe zu beobachten. Noch nie konnten Katrin und ich Delphine so lange und in so kurzer Distanz erleben. Es sind unglaubliche Tiere, die mit einer pfeilschnellen Grazie um unser Boot tanzen und springen. Nach einer gewissen Zeit scheint es den Delphinen zu langweilig zu werden, ständig um unser Boot herum zu springen und sie verschwinden in den tiefblauen Fluten des Pazifiks.

Unser zweites Ziel, die legendäre „Blaue Lagune“ erfordert eine Querung der Zentrallagune von der Nordost- zur Südwestseite. Das schnelle Boot benötigt für die 32 km eine Stunde. Die Farbe des Wassers wechselt von Türkis bis Flaschengrün. Erst als wir etwa die Hälfte der Strecke erreicht haben, verhindert die Erdkrümmung nicht mehr, dass wir den südlichen Rand des Atolls in der Ferne erkennen. Als wir endlich an der „Blauen Lagune“ anladen, lässt der Zauber dieses Ortes uns schier die Sprache verschlagen. Von Kokospalmen umstanden, schimmert das klare Wasser von hellem Türkis bis zu Königsblau in der Mitte der fast kreisrunden Lagune. Ein wirklicher Sehnsuchtsort, eigentlich der Inbegriff dessen, was wir uns unter Südsee vorgestellt und erträumt habe. Eine besondere Attraktion sind die kleinen Zitronenhaie, die im flachen Wasser die watenden Besucher umkreisen. Immerhin bis ca. 1,50 m lang, nötigen sie gehörig Respekt ein, auch wenn wir offenbar nicht in ihre Beuteschema passen. Die schlauen Tiere sind uns gegenüber auch deshalb vollkommen aggressionslos, denn sie wissen, dass die Tourmanager und ihre Gehilfen Fische für das Lunch ausnehmen und schnellen dann gierig auf die zugeworfenen Stücke. Allerdings müssen sie sich mit den streitlustigen Möven um die Beute schlagen. Nicht selten schnappt eine Möve just vor dem Haifischrachen den Happen. Auch ein Stachelrochen hat sich in das flache Wasser gewagt, hat aber gegen die Zitronenhaie und Möven keine Chance.

Auf offenem Feuer gegrillter frischer Fisch zum Lunch erfreut unsere sonst nur an Thunfisch oder poisson cru gewohnten Gaumen. Welch ein Genuss, an den Ufern dieser unglaublichen Lagune! Die Amplituden der Begeisterung  wird allerdings etwas abgeflacht, als wir beim Schnorcheln den traurigen Zustand der Korallen gewahr werden. Nur noch wenige scheinen vital zu sein, umso weniger sind auch bunte Fische anzutreffen. Ein Trauerspiel, das in dem allzu warmen Wasser Polynesiens allenthalben zu beklagen ist.

Auf der Heimfahrt machen wir am Südrand des Atolls noch einen kleinen Schnorchelstopp. Hier schweben unter uns nun die ganz großen Zitronenhaie, was den Adrenalinspiegel noch einmal deutlich ansteigen lässt. Aber auch diese eindrucksvollen Tiere lassen keinerlei Interesse an uns erkennen, was in diesem Fall auch durchaus beruhigend wirkt. Die Rückfahrt auf den schnellen Gleiter wird ein Tanz auf den Wellen. Vor allem die kurzen Dünungen lassen den Schiffsboden hart auf die Wellen klatschen. Das ist besonders angenehm für ein so altes Rückgrat wie meins. So langsam haben wir alle genug von der Bootsfahrerei.  Leider wird zum Ende der Exkursion, unangekündigt und unpassend, noch einmal vor dem Tiputapass ein weiterer Schnorchelstopp. Thomas und ich sind jetzt nicht mehr in der Stimmung, noch mal ins Wasser zu steigen. Nur Katrin erhascht einen kurzen Tauchmaskenblick in ein, wie sie schwärmt, wahrhaft mannigfaltiges Aquarium. Schade, das sollte eigentlich der geplante Programmpunkt für den Vormittag sein.

Die letzte Etappe zu unserem einsamen Motu soll sich aber noch einmal zu einem besonderen Erlebnis steigern. Wir fahren der untergehenden Sonne entgegen, die Wolkenberge in überirdische Farbenspiele beleuchtet. Was für ein Tag!!!!