Private Fernreisen
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Erlebnisse in den USA            9.11. - 9.12. 2021

New York City    9. – 13. 11. 2021

10.11. WTC, Battary Park, Liberty und Ellis Island

Wir sind  - wie schon 2018 -  so glücklich, dass uns Diana und Thomas in ihrer Wohnung in Upper West Manhattan aufnehmen können. Es ist so nah zur Metrostation an der 72. Straße oder zum Central Park, einfach genial.  Nach unserem ersten eindrucksvollen Besuch vor drei Jahren wollen wir unsere NYC-Erfahrungen vertiefen und ergänzen, aber auch andere Schwerpunkte setzen.  Damals war der Besuch von Ellis und Liberty Island nicht möglich. Das wollen wir diesmal nachholen. Auf dem Weg mit der Metro zum Battary Park möchte Katrin noch einmal zum Memorial 9.11. am World Trade Center. Es ist eines der beeindruckendsten Gedenkstätten, die wir je gesehen haben, es erinnert an die 2977 Todesopfer der Terroranschläge am 11. September 2001 und der sechs Opfer des Bombenanschlags von 1993 auf das World Trade Center.  Die monumentale Schlichtheit der beiden Pools, deren Einfassung die vielen Namen der Opfer tragen, bewegt uns auch diesmal tief. Die in den Grundrissen der beiden Tower eingepassten quadratischen Wasserfälle verfehlen auch diesmal ihre eindrucksvolle Wirkung nicht. Im Hintergrund springt The „Oculus“ ins Auge. Von dem spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfen, wurde der rund 7 Jahren Verspätung und mit einer gewaltigen Kostenexplosion bis zu 4 Milliarden Dollar der wohl teuerste Bahnhof auf der Welt am Ground Zero im März 2016 eröffnet. Die Außenanlagen sollen vielleicht einen Phönix aus der Asche zeigen. Das würde zu New York und seiner nicht einzuschüchternden Vitalität passen. Die riesigen Hallen sind mit edlen Geschäften bestückt, Wände und Böden mit edelstem Carrara-Marmor verblendet. Was für Bahnhof!!!! Katrin ist wieder ganz hingerissen.

Mit einem der alle halbe Stunde verkehrenden Ausflugschiffen gelangten wir zum Liberty Island. Schon die Fahrt offenbarte unglaubliche Blicke auf Süd-Manhattan, auf die Hochhäuser von New Jersey und Brooklyn. Der Freiheitsstatue, der wohl berühmtesten Ikone des amerikanischen Traums, so nahe zu sein und das klassische Foto mit ihr im Vordergrund und der Skyline von Manhattan im Hintergrund garantieren ein unvergessliches Erlebnis. Das angeschlossene Museum informierte uns über die Geschichte, die wir zum größten Teil kennen, da der Bildhauer und Konstrukteur Bartholdi in unserem nahen Colmar geboren ist. Immerhin hat er 10 Jahre an der 46 m hohen Lady “Liberty Enlightening the World“ gearbeitet, bevor sie als Geschenk Frankreichs nach USA geschafft und 1886 enthüllt worden ist. Das nächste Ausflugsboot brachte uns zu dem nahen Ellis Island, das von 1892 bis 1954 für mehr als 12 Millionen Immigranten Durchgangslager auf Ihrem Weg in die Neue Welt. Die eindrucksvolle Ausstellung in den großen Hallen und angrenzenden Räumen zeigen sehr kritisch die z.T. demütigenden Prozeduren, die die Neuankömmlinge durchlaufen mussten, bevor sie in die erträumte Freiheit und den Kampf um den erhofften Wohlstand eingelassen wurden.

Just zur Zeit des Sonnenuntergangs genießen wir den Blick von der Fähre auf Manhattan im rotglühenden Spätlicht, welch ein Schauspiel, und das bei herrlich klarem und warmem Wetter!!!

 

11.11. Hudson Yards, High Line, Chelsea, Meatpacking Dictrict, Times Square

Auf den Rat von Thomas erkunden Katrin und ich heute auf eigene Faust das erst vor Kurzem neu mit unglaublichen Wolkenkratzern gestaltete Viertel „Hudson Yards“. Wir können uns nicht erinnern, dass wir vor drei Jahren diese wie Kristallsplitter in die Höhe geschossenen Gebäude wahrgenommen haben. In dem Hochhaus 33 Hudson Yard lockt eine Aussichtsterrasse im 101. Stockwerk die Besucher. Da Katrin leider ihr Handy vergessen hat und damit nicht den geforderten Impfnachweis liefern kann, mache ich mich alleine auf die höchste Aussichtsplattform in der westlichen Hemisphäre. Wie ein gläsernes Dreieck ragt der luftige Aussichtsbalkon „The Edge“ aus dem Wolkenkratzer. Wer nicht ganz schwindelfrei ist, dem schwinden schon an den gläsernen hohen Wänden die Sinne, vor allem traut er sich wohl nicht über den gläsernen Boden im Inneren des Dreiecks zu gehen, wo er unter seinen Füßen nur noch Luft und die winzigen Autos weit unten in den Straßenschluchten erblickt. Deshalb hat Katrin sich nur mäßig geärgert, von dieser Attraktion ausgeschlossen zu sein. Der Blick über Manhattan verschlägt mir die Sprache. Im Osten erheben sich die Wolkenkratzer von Midtown (neben dem Empire State ragt neu das One Vanderbilt in den Himmel, für dessen Aussichtsetage uns Diana für morgen Karten besorgt hat), im Süd von Lower Manhattan, gerade noch erkennbar im mittäglichen Gegenlicht Liberty und Ellis Island. Weit reicht der Blick über den Hudson nach New Jersey und im Osten nach Brooklyn. Zwischen den Hudson Yards und den Hochhäusern von Midtown verdichtet sich die Häusermasse des mittelhohen Manhattans mit den Wasserbehältern auf den Dachebenen und ganz winzig die Autos im Straßengewirr. Architektonischer Höhepunkt der Hudson Yards ist das seltsame Kunstbauwerk „the Vessel“, das wie ein Labyrinth von Treppenebenen wirkt. Leider haben schon kurz nach Eröffnung Lebensmüde das Bauwerk für Selbstmorde missbraucht, so dass man es nicht mehr begehen kann, leider.

 

Von der 34. Straße laufen wir nach Süden und finden in Chelsea das Hawthorne Restaurant, das atmosphärisch sehr an ein englisches Pub erinnert. Auch das Angebot an Draught Bier passt zu dem ganzen Ambiente, nur der Hawthorne Burger ist dann eher Manhattan. Die High Line auf der stillgelegten Eisenbahntrasse hat uns vor drei Jahren schon sehr begeistert, jetzt entdecken wir noch viele neue Details und auch neue Häuser. An der 14. Straße verlassen wir die High Line, uns lockt eine ganz neue künstliche Insel im Hudson an Pier 55 in Höhe des Meatpacking Districts. Das neue Highlight und Kuriosum ruht auf 262 Betonsäulen, die aussehen wie High Heels, trägt ein kleines Openair-Theater, Hügel mit seltenen Pflanzen und Aussichtsplätzen, wurde erbaut von dem englischen Designer Thomas Heatherwick, der auch „The Vessel“ entworfen hat. Der Blick auf den Hudson und hinüber zum Whitney Museum of Modern Art ist fantastisch.

 

Die 14. Straße nach Osten führt uns zur Metro und die zum Times Square. Der Einbruch der Dämmerung ist genau der richtige Zeitpunkt, diesem Weltwunder von gleißender Werbung einen Besuch abzustatten. Die Menschenmassen, der tosende Verkehr und die riesigen flimmernden Werbeflächen an den Hochhäusern verfehlen auch diesmal ihre Wirkung nicht. Hier finden wir auch endlich ein Geschäft mit NYC-Artikeln, die sich als Geschenke für die Enkelkinder eignen.

 

12.11. Midtown, One Vanderbilt, Central Park, Metropolitan Museum of Art

Leider haben wir für den Besuch der Aussichtsstockwerke des brandneuen Hochhauses One Vandelbilt den falschen Tag gewählt: ausgerechnet heute Morgen regnet es in Strömen und dichter Nebel hüllt die Hochhausspitze ein. Das Bedauern und die Frustration, keinen Blick auf das Häusermeer Manhattans zu erhaschen, werden auch nicht von den Spiegelspielchen, die einem vorgaukeln, sich im Unendlichen zu verlieren, wesentlich gemildert. Auch wenn die Spiegelillusion vortäuscht, man würde in der Luft schweben, hält sich mein Entzücken doch sehr in Grenzen. Gottseidank reißen die dicken Nebelschwaden gelegentlich für Augenblicke auf und geben einen unglaublichen Blick auf die Stadt frei. Dennoch kein Vergleich mit der Aussichtsplattform „The Edge“ gestern, schade!

Die grandiose Halle des nahen Grand Central verfehlt auch dieses Mal, ähnlich wie vor drei Jahren, nicht ihre Wirkung auf uns. Wir können nicht verstehen, dass dieser großartige Bahnhof abgerissen werden und Geschäftshäusern weichen sollte. Katrins Erinnerung, hier einen schönen alten Postkasten für unsere Postkarten in die Heimat zu finden, wurde nicht enttäuscht. Da es draußen immer noch regnet, freuen wir uns, dem nassen Wetter in das gemütliche Restaurant „Pershing“ zu entkommen. Die Atmosphäre eines traditionellen New Yorker Restaurants lädt zu einem kleinen Lunch geradezu ein. So verbringen wir angenehm die Zeit, bis sich das Wetter deutlich verbessert, sogar die Sonne wieder hervorbricht, um dann noch ein wenig zu Fuß Midtown zu erleben. Der Spaziergang verbindet auch Angenehmes mit Nützlichem: wir finden ein Shop der für Katrins Handy eine amerikanische Simcard mit einem preiswerten Monatstarif anbietet. Der Weg führt uns auch am New Yorker Macys, dem größten Kaufhaus der Welt vorbei. Da sich Katrins Fersensporn langsam unangenehm bemerkbar macht, nehmen wir am Times Square die Metro in die 72th Straße, wo sie sich „zu Hause“ ausruhen kann, während Thomas und ich den Central Park durchqueren, um auf der Eastside das Metropolitan Museum of Art zu besuchen. Ich bin sehr gespannt, was dieses Museum, das zu den bedeutendsten seiner Art gezählt wird, zu bieten hat. Ich wende mich der älteren europäischen Malerei zu, während Thomas sich der modernen Kunst widmen will. Zunächst bin ich von den Beständen an älterer europäischer Malerei doch etwas enttäuscht: wenig italienische Renaissance, einige jedoch unbedeutende Holbein und Cranach. Die Malerei des 17. Und 18. Jhdts  ist deutlich besser vertreten, einige Rubens, mehrere bekannte Velazques  und Goyas, dennoch keine so bedeutende Sammlung, die den Ruf dieses Museums gegenüber vergleichbaren Museen in Europa rechtfertigen würde. Die labyrinthische Anordnung der Säle hatte mir den Blick auf Säle Werken bestimmter Sammler, verstellt. Plötzlich stehe ich in einem Raum voller erstklassiger El Grecos und in begeistert. Und so entdecke ich doch noch einige hervorragende Werke, die alllerdings nicht thematisch oder zeitlich geordnet sind, so dass man nach einem Rembrandt dann plötzlich neben Manet und Degas steht. In Summa hat mich trotz einiger wirklich bedeutender Werke die Präsentation nicht überzeugt. Ich hätte wohl auch mit einem gewissen Gefühl der Enttäuschung das Met verlassen, hätte ich nicht noch einen Blick in die Abteilung „griechische und römische Antike“ geworfen. Hier ist die Fülle und die Qualität der Exponate doch überraschend, so dass man eine strenge Auswahl treffen musste, um die schönsten Stücke angemessen zu würdigen. Thomas ist mit seinen Erlebnissen in der modernen Malerei-Abteilung sehr zufrieden, so dass wir dann letztendlich beide erfüllt von dem Besuch in dem Met den Heimweg durch den dunklen Central Park antreten. In der Columbus Ecke 73nd Straßen treffen wir Katie in ihrem Schmuckgeschäft und können uns wenigstens mal umarmen.

13.11. Central Park, Penn Station, Bahnfahrt nach Washington DC

Da unser Zug erst am Nachmittag nach Washington DC fährt, nutzen Katrin und ich den sonnig-kühlen Morgen, um uns im Central Park von New York zu verabschieden. An diesem Samstag sind viele Jogger im Park unterwegs. Die Herbstfärbung der Blätter und die Wolkenkratzer, die sich im Wasser der kleinen Seen spiegeln, verleihen der ganzen Szenerie einen Zauber, der uns den Abschied von dieser außergewöhnlichen Stadt noch einmal schwerer macht.

Wegen unserer schweren Koffer fahren wir mit dem Taxi zur Penn Station, wo wir uns dann mit Diana und Thomas in der Moynihan Hall treffen. Es ist ungewöhnlich, dass die Angabe, von welchem Gleis die Züge fahren, erst kurz vor der Abfahrt erfolgt. So stehen die Reisenden auf der Lauer, um sich dann auf die entsprechenden Rolltreppen zu stürzen. Der Sinn für diese seltsame Zurückhaltung der Information erschließt sich uns nicht. Die alten Waggons der Amtrak-Linie sind sehr geräumig und bieten große Beinfreiheit. Dennoch nehme ich gerne die Enge der deutschen Bahnwaggons in Kauf, da die Züge hier nur im gemütlichen Tempo durch die Gegend schaukeln und noch mehr Verspätung haben als selbst die deutsche Bahn. So erreichen wir dann Washington DC mit deutlicher Verspätung. Nach dem Einchecken im Hilton Garden Inn haben wir noch Zeit für einen Dämmerschluck, denn das mit großer Mühe vorreservierte griechische Lokal „Mazi“, das mit moderner amerikanischer Küche wirbt, in der Tat aber eher traditionelle europäische bietet, hat erst um 21 Uhr 15 einen Tisch für uns. Dennoch sind wir mit den Speisen und Getränken zufrieden. Ich kann sogar mit einigen neugriechischen Sätzen bei der Bedienung brillieren.

 

14.11. Washington DC: National Gallery of Art, Chinatown, White House, FDR Memorial

Ein kühler, aber sonniger Sonntagmorgen empfängt uns in der Hauptstadt der USA. Die Straßen sind ungewöhnlich leer. Deshalb wirken die repräsentativen Gebäude umso unwirklicher. Es fällt auf, dass es in dieser Stadt keine Hochhäuser gibt; dafür entfalten die Gebäude ihre eindrückliche Größe in die Breite. Leider sind viele Museen und Attraktionen wegen Covid geschlossen; das für uns so interessante Newseum, dessen Themen wir uns gerne noch einmal vertiefend gewidmet hätten, sogar dauerhaft, so dass wir uns für den Besuch der National Gallery of Art entscheiden. Keine schlechte Wahl, vor allem die Sammlungen der klassischen Moderne im East Building sind allein den Besuch wert, zumal er wie bei allen staatlichen Museen in DC kostenlos ist.  Schon die Architektur, der kühne unterirdische Durchgang zwischen West- und East-Building, sind eindrucksvoll. Und was die Gallery an klassischer Moderne zeigt, ist großartig: die Franzosen vom frühen Picasso über Leger, Matisse, Braque; aber auch die Russen mit Kandinsky, Chagall, Jawlensky und die deutschen Brücke-Maler und Künstler des Blauen Reiters sind mit ausgezeichneten Werken vertreten. Besonders haben uns die spindeldürren Figuren von Giacometti gefallen. Natürlich fehlen auch nicht amerikanische Pop-Art Künstler oder Jackson Pollock, um nur einige zu nennen.

Thomas interessiert sich noch für die Sonderausstellung „Women behind the Camera“, während Katrin und ich langsam nach Chinatown schlendern. Wie gut, dass Diana in dem ausgewählten Restaurant chinesisch mit der Bedienung spricht, so dass wir nicht die übliche amerikanisch abgemilderte Küche, sondern echte chinesische Speisen genießen können.

Ein Besuch des Weißen Hauses, das nur ein paar Blocks von unserem Hotel entfernt ist, wird nicht ausgelassen. Die aufgezogene Flagge zeigt an, dass Biden offenbar „zu Hause“ ist. Dennoch bekommt er sicher nichts mit von der lautstarken Demonstration, die auf die Unterdrückung der Uiguren aufmerksam machen und den Präsidenten zu einer härteren Haltung gegenüber der chinesischen Regierung anregen will.

Thomas, Diana und ich machen uns bei Dämmerlicht auf den Weg zur Landzunge jenseits des Tidal Basin, um das Memorial für Franklin D. Roosevelt zu besuchen. Der Weg ist nicht einfach zu finden, aber er führt uns auch an der neuen großartigen Gedenkstätte für Martin Luther King vorbei. Ähnlich wie die berühmten Gefangenen von Michelangelo sich aus dem weißen Marmor hervorquälen, so entsteigt eindrucksvoll ein charismatischer M.L. King dem weißen Felsblock. Als wir am F.D.R.- Memorial ankommen, lässt das Restlicht nur noch fragmentarisch die vielen Einzelheiten erkennen. Wir können berühmte Aussagen in die Mauern gemeißelt entziffern und stellen uns neben die Bronzefigur Roosevelts in seinem Rollstuhl. Den Rest schuckt die Dunkelheit. Dabei haben wir auf Anraten des Reiseführers den Einbruch der Dunkelheit gewählt, weil das Memorial eindrucksvoll beleuchtet würde. In dem kleinen angeschlossenen Museum erfahren wir, dass man vergessen hat, auf die Winterzeit umzuschalten und die Beleuchtung sich deshalb eine Stunde später einschaltet. So lange wollen wir in der Kälte und dem langsam sich einstellenden Nieselregen nicht warten. Das kleine Museum verdeutlicht uns in einigen Dokumenten, die Bedeutung dieses Präsidenten, vor allem im Kampf um die Arbeitslosigkeit in den frühen Dreißigern des 20. Jhdts.

Den Abend beschließen wir mit einem opulenten Mahl in dem stimmungsvollen Restaurant „Old Ebbit Grill“, das Thomas erst für den zweiten DC-Abend reservieren konnte. Die Atmosphäre, die nette Bedienung, das gute Essen machten den Abend zu einem nachhaltigen Erlebnis.

 

15.11. Washington DC – Harpers Ferry WV

Da unser Zug erst am Nachmittag von Union Station fahren wird, können wir gemütlich den Vormittag verbummeln oder wie Thomas den Besuch der Fotoausstellung in der National Gallery fortsetzen. Im Hotel verfolgen wir das Plädoyer der Staatsanwaltschaft gegen Kyle Rittenhouse, dessen Prozess die amerikanische Nation spaltet. Die einen halten den 18jährigen, der 2020 in einem kleinen Ort in Wisconsin bei einer Demonstration 2 Menschen erschossen und einen schwer verletzt hat, für einen Mörder, die anderen für einen Helden. Daran erkennt man, wie tief der Riss durch die amerikanische Gesellschaft geht, nicht erst seit Trump.

Um 17 Uhr holt uns Wayne vom Bahnhof in Harpers Ferry ab und Susie erwartet uns in dem wunderschönen Landhaus auf den Bolivar Heights mit einem köstlichen Dinner. Wie schön, dass wir uns endlich wiedersehen, nachdem die Pandemie bisher alle Pläne für ein Zusammentreffen zunichte gemacht hat!!! Umso herzlicher war der Empfang. Da wir uns viel zu erzählen hatten, verflogen die Stunden unbemerkt.

 

16.11. Harpers Ferry WV

Am späten Vormittag hatte sich Diana mit einer Freundin aus DC verabredet, während Susie, Thomas und ich in Harpers Ferry ein kleines Stück auf dem Appalachian Trail zu „Jefferson`s Rock“, einem Aussichtspunkt hoch über Harpers Ferry mit Blick auf den Shenandoah River, gewandert sind. Das herbstlich verfärbte Laub lässt den Wald zauberisch in der Sonne glühen und durch die tiefroten Blätter glitzern die Stromschnellen des Shenandoah, ein großartiges Naturschauspiel. Auf der Suche nach einem hübschen Lokal für einen Drink oder einen kleinen Happen fährt uns Wayne in die nahe Stadt Charles Town. Ihm schwebte die lokale Brauerei mit Ausschank vor, die aber wie alle anderen Gaststätten, einige wegen Personalmangel nach der Pandemie, geschlossen hatten. Da wir nun mal in Charles Town waren, sind wir noch schnell an dem Platz vorbeigefahren, wo man John Brown gehängt hat, den bekannten Befreier der Sklaven.

Auch heute Abend verwöhnt uns Susie wieder mit einem opulenten Mahl.

 

17.11. Harpers Ferry WV – Lexington VA

Heute hieß es für uns, von Thomas und Diana Abschied zu nehmen, die wieder zurück nach NYC fahren müssen. Aber der Abschied fiel nicht so tränenreich aus, weil wir uns ja am 23.11. in San Francisco wiedersehen werden. Die beiden haben vor, mit dem Zug von Harpers Ferry nach DC zu fahren und im Union Station in den Zug nach NYC umzusteigen. Das wird aber wohl ein Problem werden, da der Zug aus Chicago kommt und im Internet schon 1 Stunde 50 Min Verspätung hat. Wie wir dann später über WhatsApp erfahren werden, konnten sie einen späteren Zug nach NYC benutzen, der sogar noch schneller unterwegs war.

Wir fahren am frühen Nachmittag mit Susie und Wayne nach Lexington VA, wo sie uns in den nächsten Tagen in ihrem Haus verwöhnen werden. Die ca. 2 ½ stündige Fahrt Unterbrechen wir in Staunton, wo Susie uns ihren Arbeitsplatz über mehrere Jahre an der Uni zeigt. Das wunderbare, immer noch milde Wetter zaubert ein unvergleichliches Abendrot über den Himmel von Staunton. Damit Susie nicht gleich nach der Ankunft sich in der Küche um ein Abendessen kümmern muss, wollen wir in einem bekannten und beliebten Restaurant in Staunton dinieren. Aber auch hier werden wir an der verschlossenen Tür über den Personalmangel belehrt. Gottseidank hat ein indisches Restaurant geöffnet und bietet uns ein leckeres Mahl.

Wayne muss nun die letzten 50 Meilen im Dunklen fahren, was seine ganze Konzentration erfordert. Und dann freuen uns wieder an dem wunderschönen alten Haus unserer Freunde, in dem wir bis zum 21. 11. gastfreundschaftlich aufgenommen werden.

 

18.11. Lexington VA

Nach all den turbulenten Tagen in den großen Städten genießen wir die freundliche Ruhe und Geborgenheit in dem schönen alten Haus von Susie und Wayne in Lexington. Katrin probiert einen Friseursalon aus und schlendert mit Susie durch die hübsche Kleinstadt, ich besuche bei einem längeren Spaziergang mit Wayne den Campus der Washington & Lee.  Die Laubfärbung der Bäume bildet einen wundervollen Kontrast zu den weißen Gebäuden im Südstaatenstil. Wayne berichtet, dass sich einiges gegenüber 2018 geändert hat. Es habe eine heftige Debatte um die Änderung des Uni-Namens gegeben: vor allem die Studenten wollten den Namen des bekannten Südstaaten-Generals Robert E. Lee aus der Unibezeichnung streichen, weil er für die Sklaverei gekämpft habe. Einflussreiche Geldgeber hätten schließlich die Streichung des Namens verhindert, aber die Universitätskapelle, in der der General und Förderer der Uni begraben liegt, heißt nunmehr einfach University Chapel und nicht mehr Lee Chapel. Inzwischen sei auch der Anteil der farbigen und Latino-Studenten deutlich gewachsen. Damit sei der alte Spitzname für die W&L „white and loaded“ (weiß und betucht) nicht mehr uneingeschränkt zutreffend.

 

In den Nachrichten von CNN erfahren wir, dass die Jury im Rittenhouse-Prozess in Wisconsin den Angeklagten von der Schuld der bewussten Tötungsabsicht freigesprochen hat. Entsprechend stark fielen die landesweiten Proteste aus. Selbst der Präsident äußerte bei allem Respekt vor dem Spruch der Jury seine Kritik an dem seiner Meinung nach ungerechten Urteil.

 

19.11. Lexington VA, Monticello

Bei schönstem Herbstwetter besuchten wir heute die Villa von Thomas Jefferson, des dritten Präsidenten der USA. Wie üblich war der Eintritt in das Areal mit Führungen ziemlich heftig, aber wie immer bestens organisiert mit Shuttle-Service und Gruppenführungen etc. Der Landsitz, von Jefferson selbst entworfen, liegt anmutig auf einer Anhöhe. Sein Stil verrät unverkennbar den Einfluss von Andrea Palladio, dessen Werke Jefferson bei Besuchen in Norditalien kennen und schätzen gelernt hat. Die roten Backsteine bieten einen eindrucksvollen Kontrast zu den weißen Säulen Fenster und Türlaibungen. Man kann sich vorstellen, dass diese Villa stilgebendes Muster für die typischen Südstaatenvillen geworden ist, gleichwohl kann bei einem Europäer, der die Original-Palladio-Villen kennt, Monticello nur mäßige Begeisterung hervorrufen. Immerhin gibt die Einrichtung des Hauses eindrucksvoll Zeugnis für den Geschmack und die wissenschaftliche Bildung des Besitzers: sein Schlafzimmer grenzt unmittelbar an sein Arbeitszimmer mit all den physikalischen und astronomischen Geräten. Die Führung, soweit wir das durch die Maske noch mehr verfremdete und für die große Gruppe relativ leise Vorgetragene überhaupt verstanden haben, erläuterte weniger die politische und historische Bedeutung Jeffersons als Autor der Declaration of Independence von 1774 und als einer der wichtigsten Staatstheoretiker der USA als vielmehr seine umstrittene Rolle als Sklavenbesitzer. Dieses Thema wurde dann noch vertieft durch eine eigens angebotene Slavery-Tour. Hier spielte vor allem seine Beziehung zu der Sklavin Sally Hemming, die ihm 6 Kinder geboren hatte, eine zentrale Rolle. Der Widerspruch zwischen Jeffersons politischem Bekenntnis zur Gleichheit aller Menschen, seiner theoretisch mehrfach geäußerten Kritik an der Institution der Sklaverei und seiner realen Lebenswirklichkeit, in der die Sklaverei auf den großen Gütern als ökonomische Bedingung hingenommen wurde, ist immer schon Anlass zu heftigen Diskussionen gewesen. Interessant ist jedoch, dass das Sklaventhema heute eine solch dominierende Stellung eingenommen hat. Die intelligenteste künstlerische Umsetzung dieses Themas hat 2014 Maxine Helfman mit Collagen von Präsidenten-Porträts, in denen Teilphysignomien von Schwarzen eingefügt waren, in dem kleinen Museum geliefert. Der beigefügten Erklärung kann man entnehmen, dass 12 der 18 Präsidenten vor dem Bürgerkrieg Sklavenbesitzer waren.

 

20.11. Lexington VA, Natural Bridge

Am letzten Tag haben uns Susie und Wayne zu einem Naturwunder 14 Meilen südwestliche von Lexington gefahren. Die Natural Bridge ist vor ca. 500 Millionen Jahren durch Auswaschungen entstanden, die der Cedar Creek, ein Nebenarm des James River, im Kalkstein hinterlassen hat. Bei einer Höhe von 67 m überspannt sie 27 m. Über sie führt der Highway 11. Dieses erstaunliche Naturwunder wurde schon von den Ureinwohnern verehrt. Georg Washington soll als königlicher Vermessungsingenieur hier auch seine Initialen hinterlassen, die wir vergeblich gesucht haben. Thomas Jefferson war so begeistert von dem Naturwunder, dass er das Gelände von König Georg III gekauft hat. Es ist klar, dass wir uns auch nicht dem Zauber dieser großartigen Naturbrücke entziehen konnten, zumal jetzt auch noch Reste der herbstlichen Baumfärbung die Kalkfelsen malerisch umrahmten.

Für den Rest des Tages genießen wir die wohlige Gastfreundschaft unserer Freunde und bereiten uns schon auf die Abreise morgen vor.

 

21.11. Lexington VA, Washington DC – San Francisco

Da die Reise zum National Airport „Ronald Reagan“ in Washington DC mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu planen ist, hat Susie uns eine Shuttlemöglichkeit organisiert. Wir wurden um 10 Uhr in der Jackson Av. abgeholt und nach dreistündiger Fahrt am Airport vor dem Check In der Alaska Airlines gebracht, welch ein bequemer Transport! Danke, Susie!  Da die Airline, von uns unbemerkt, den Flugtermin um zwei Stunden später angesetzt hat, konnten wir ganz entspannt die ganzen Prozeduren samt dem sehr inquisitorischen Sicherheitscheck bewältigen und noch eine kleine Mittagsmahlzeit zu uns nehmen. Kurz vor dem Boarding rief eine Angestellte der Airline per Lautsprecher mich aus der Reihe und bot uns den Wechsel von der 28. Reihe auf die beiden Plätze an dem Notfall-Ausstieg, dem ich wegen der größeren Beinfreiheit bereitwillig zustimmte. Im Endeffekt sollte ich allerdings den Tausch bereuen, weil wir nun durch eine winzige Luke nach draußen schauen konnten und die Mitfliegenden hinter uns ständig um uns herumturnten. Zu allem Überfluss wurde Katrin auch noch angeherrscht, weil sie die durch die Maske genuschelten Fragen, ob sie im Notfall auch die Kommandos der Bordmannschaft verstünde, nicht gleich richtig beantworten konnte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch mal in die Verlegenheit kommen, mit Alaska Airline zu fliegen. Aber sollte es passieren, dann werden wir auf jeden Fall eine Alternative suchen. Jetzt haben wir auch verstanden, warum der Flug relativ preiswert war. Denn nicht nur die Ausstattung, sondern auch der Service waren ausgesprochen spartanisch.

Nach 6 Stunden Flug landeten wir ca. 20 Uhr Ortszeit in San Francisco. Ein mildes Lüftchen und ein makelloser Abendhimmel mit Vollmond begrüßten uns an der kalifornischen Westküste. Unser Taxi hatte in Downtown große Mühe zu unserem Hotel am Union Square zu finden, da die Polizei alle Zufahrten abgesperrt hatte. Später erfuhren wir, dass bewaffnete Banden einige Luxusgeschäfte rund um den Union Square am Tag zuvor ausgeraubt hatten.

Im geräumigen Zimmer angekommen, das uns bis Samstag Heimstätte bieten wird, genehmigen wir uns noch einen Gute-Nacht-Schoppen auf der anderen Straßenseite in einem irischen Pub.

 

12.11. San Francisco, Cable Car, Fisherman’s Wharf, Powell Str.

Unser Hotel, Handlery Union Square, bietet mit seiner unmittelbaren Nähe zum Union Square einen vortreffliche Basis , in Downtown San Francisco rasch überallhin zu kommen, meist sogar zu Fuß. Gerade mal 2 Blocks die Powell Str. hinab zur Market Str. und wir sind beim Start der berühmten Cable Car, die von Menschenkraft hier auf einer Drehscheibe in die entgegengesetzte Fahrtrichtung gedreht wird. Die Cable Cars sind bei Touristen nicht umsonst das beliebteste Fortbewegungsmittel in San Francisco, sie gelten eines der wenigen beweglichen National Historic Landmarks in den Vereinigten Staaten und stellen die einzige verbliebene Kabelstraßenbahn der Welt mit entkoppelbaren Wagen dar. Man kann sich nur wundern und freuen, dass dieses System seit fast 150 Jahren funktioniert, nach dem großen Erdbeben 1906 wieder aufgebaut und sämtliche Pläne der Stilllegung überstanden hat. So ist es ein großer Spaß, in den alten Wagen die steilen Straßen hinaufgezogen zu werden. Der Fahrzeugführer hat erheblich zu tun, die Bremsen und die Greifer mit großem Geschick und viel Kraft zu bedienen. Überraschender Weise ist die Schlange der Wartenden an der Market Str. überschaubar, so dass wir schon nach 20 Minuten auf den harten Holzbänken sitzen. Mit Knirschen und lauten Rollgeräuschen schleppt das unsichtbare Stahltau die Kabine die steilen Straßen hinan. Uns ist klar, warum die Cable Cars überlebt haben: selbst ein Bus hat hier Mühe, die Steigung zu überwinden. Leider hängen sich so viele Leute an die Außenhaltegriffe, dass uns die Sicht auf die steile Abfahrt an den Nordstrand versperrt wird. Es war trotzdem ein großes Erlebnis, mit diesem vorsintflutlichen Transportmittel befördert zu werden.

Die Sicht war trotz angenehm warmem Wetter so klar, dass die Golden Gate Brücke und die Gebirge, die den Nordteil der Bay begrenzen zum Greifen nahe schienen, das berühmte Alcatraz sogar in Schwimmnähe. Obwohl viele Läden und Restaurant wegen Personalmangels geschlossen hatten, verstärkte sich der Rummel, je mehr wir uns Pier 39 näherten. Als wir 2004 diesen berühmten Teil des nördlichen Küstenareals besuchten, hielt sich der Ansturm der Touristenmassen noch in Grenzen, obwohl wir zur Hauptsaison hier waren. Aber jetzt kam man sogar im November kaum durch das Menschengewirr. Nach einigem Suchen fanden wir sogar das Restaurant „Crab House“, in dem Katrin vor 17 Jahren mit Begeisterung eine Dungeness Crab (Kalifornischer Taschenkrebs) verzehrt hatte. Es war klar, dass sie dieses Vergnügen wiederholen wollte, während ich mich mit einer kalifornischen Fischsuppe, die auch nicht zu verachten war, begnügte.

Nach diesem unvergleichlich opulenten Mahl haben wir rasch die touristisch überlaufene Meile verlassen und uns zu Fuß auf den Heimweg gemacht im Bewusstsein, dass man die unvergleichlichen Straßen von San Francisco nur im Schritttempo so richtig erleben kann.

Wie in keiner anderen Großstadt streben Straßen so steil nach oben, dass die Autos nur quer zur Straße parken können. Dadurch ergeben sich immer wieder atemberaubende Blicke hinab in das Häusermeer oder hinauf auf die Hügel, wo die Straßen zu verschwinden scheinen. Das Gemisch aus traditionellen Holzhäuserfluchten im viktorianischen Stil, größeren Geschäfts- und fantasievollen Hochhäusern im Hintergrund schafft dieses einzigartige Stadtpanorama von San Francisco. Als wir dann erschöpft, aber voller Eindrücke, wieder zurück am Union Square ankamen, dunkelte es bereits und der vom Kaufhaus Macy’s gestiftete riesige Weihnachtsbaum funkelte in allen Farben. Die in den Geschäften rund um den Platz weihnachtlich geschmückten Schaufenster und die Eisbahn für die Schlittschuhläufer mitten auf dem Platz passten so gar nicht in diese auch am Abend noch milde kalifornische Luft und schon gar nicht zu unserer Stimmung. Erst jetzt entdeckten wir, dass die Luxusmarkengeschäfte entweder keine Waren in den Fenstern hatten oder mit Holzverschlägen abgeriegelt waren. Auch das exorbitante Polizeiaufgebot und die bei Einbruch der Dunkelheit abgeriegelten Straßen rund um den Union Square waren die Konsequenz der Einbruchserie am vergangenen Freitag, wie man in der Presse lesen konnte.

 

13.11. San Francisco, Top oft he Mark

Heute ließen wir es ganz ruhig angehen. Nach einem ausgedehnten Frühstück im Café Mason machte ich mich auf Richtung Chinatown, einen Friseur zu finden, während Katrin nicht umhin konnte, das Kaufhaus Macy’s einen ausführlich zu begutachten. Und so trafen wir dann gegen Mittag beide erfolgreich wieder im Hotel ein, Katrin mit hübschen Sächelchen für uns beide, die sie schon für Black-Friday-Preise erstanden hatte, ich mit einer ordentlich gestutzten Haarmähne und mit ersten Eindrücken aus San Franciscos Chinatown.

Katrin hatte den intensiven Wunsch, noch einmal, wie vor 17 Jahren, auf Downtown im Sonnenuntergang und Dämmerlicht aus einer Rooftop-Bar hinunterzublicken. Ich erinnerte mich, dass wir damals im „Top of the Mark“ dieses für sie unvergessliche Erlebnis hatten. Also machten wir uns um 16 Uhr auf, die steilen Straßen hinauf zum Nob Hill zu erklimmen, um dann kurz vor Öffnung dieser Bar im 19. Stockwerk des Mark Hopkins International eingelassen zu werden. Da wir unter den ersten Gästen waren, führte man uns auch zu dem besten Platz mit Blick direkt auf die Transamerika Pyramid. Und der Zauber vor 17 Jahren hatte nichts von seiner Wirkung eingebüßt: Die untergehende Sonne schnitt ein scharfes Relief in das Stadtpanorama, glitt tiefrot die steilen Straßen hinab, tauchte die ganze Bay im Norden in ein warmes Licht. Die Sicht war so klar, dass die Berge des Marin County, die Golden Gate Bridge und die Gefängnisinsel Alcatraz zum Greifen nahe schienen. Im sich ausbreitenden Dunkel von Downtown flammten die Lichter der Großstadt auf, ein unbeschreibliches Schauspiel, an dem wir uns schier nicht satt sehen konnten. Erst als die ganze Stadt in ihr Lichterkleid geschlüpft war und die Baybridge nach Oakland ihre Stahltrossen illuminierte, machten wir uns auf den Heimweg, um Diana und Thomas, die heute Abend von New York eingeflogen waren, im Hotel willkommen zu heißen.

 

24.11. San Francisco, North Beach, Coit Tower

Mit Diana und Thomas wollten wir an diesem Tage mal etwas nostalgisch die Hotspots der Hippie- und Beatnik-Bewegung der Sechziger Jahre aufsuchen und vielleicht noch etwas Atmosphärisches aus dieser Zeit schnuppern. Zunächst durchquerten wir auf der Grand St. Chinatown unf fanden auch ein Juweliergeschäft, das Katrins gerissene Goldkette in 2 Stunden zun reparieren versprach. In San Francisco strömt Chinatown noch viel exotisches Flair anders als in Washington DC aus. Kurz vor der Einmündung der Grant St. in die Columbus Avenue stießen wir auf ein kleines Sträßchen, das nach dem berühmtesten Dichter der Beatniks, Jack Kerouac, benannt ist. Die revolutionäre Ikonographie der Wandbilder deuteten darauf hin, dass wir auf dem richtigen Weg zu den 68igern waren. An der Ecke mussten wir unbedingt im Szenelokal „El Vesuvio“ der Beatniks einen Drink nehmen, auch wenn es noch früh am Tag war. Das Lokal, etwas heruntergekommen, ließ aber deshalb umso authentischer die Atmosphäre der 60iger Jahre spüren. Nicht nur die Wandbilder, die Lampen, selbst das Mobiliar schien unverändert. Mit einem frisch gezapften Bierchen überbrückten wir die Zeit, bis der berühmte Buchladen und Verleger der Beatnik-Literatur „City Lights Bookstores & Publishers“ öffnete. Neben den aktuellen Auslagen werden im Obergeschoss die eigenen Produktionen vor allem der Werke von Ginsberg, Kerouac, Erich Fromm u.am. angeboten, ein echter Flash-back in die eigene Jugend- und Studentenzeit. Ergänzt wurden die ganzen nostalgischen Wiederentdeckungen durch die echte, noch in Betrieb gehaltene, Jukebox im Cafe Trieste. Das Beat-Museum an der Colombus Av. Ecke Broadway hatte leider wegen Corona geschlossen, das konnte die älteste Toplessbar unmittelbar davor auch nicht wettmachen, weil sie ohnehin zu dieser Stunde nicht geöffnet hatte.

Hoch auf dem Telegraf Hill lockt der Coit Tower mit einer grandiosen Aussicht über San Francisco zum Hochsteigen auf den steilen Straßen ein. Ein schon fast antiker Fahrstuhl aus den 50iger Jahren brachte uns auf die Aussichtsplattform. Von dort eröffneten sich in der Tat atemberaubende Blicke nach Norden auf Fisherman’s Wharf, auf Alcatraz und die Berge des Marin County: Die Luft war so klar, dass man die Details im scharfen Relief, das winterliche Nachmittagssonne in die Landschaft schnitt, zum Greifen nahe erblicken konnte. Im Westen war der Presidio Hill und die Golden Gate Bridge Blickfang, im Süden boten die Wolkenkratzer des Financial District, im Osten die Bay Bridge, Oakland und Berkeley Blickfänge ohne Ende.

Diana und Thomas wollten an ihrem ersten Friscotag natürlich auch nach Fisherman’s Wharf hinunterlaufen und vielleicht eine gute Clam Chowder in einem der vielen Lokale genießen. Katrin und ich schlenderten die steilen Straßen vom Telegraf Hill hinab zum Washington Square, dem Herzstück des North Beach Viertels und ließen uns von dem stark frequentierten Restaurant „ Pizza Napoletana“ zu einem frühen Abendessen verführen. Da wir uns im italienischen Viertel befanden, dachten wir, eine angemessene italienische Küche anzutreffen. Allerdings warnten mich schon die zwei Daumen dicken Pizzas, die anderen Gästen serviert wurden, dass wir wohl keine originale italienische Küche antreffen würden. In der Tat war auch die bestellte Pasta so schlecht, dass wir die Phantasie hatten, dass man diese Köche in Italien für ihre schlechten Produkte Spießrutenlaufen lassen würde. Nur der italienische Pinot Grigio konnte die schlechte Stimmung aufhellen.

 

25.11. San Francisco, Berkeley, Thanksgiving Einladung

Eigentlich wären wir gerne mit der Fähre vom Embarcadero nach Oakland gefahren zum Jack London Square und von dort mit der Bay Area Rapid Transit (BART) nach Berkeley gefahren. Da aber heute an Thanksgiving verkehrten überhaupt keine Fähren, entschieden wir uns für die abgespecktere Version: Oakland auslassen, mit der BART direkt nach Berkeley fahren. An der Haltestelle Markt/Powell St. mussten wir uns erst einmal umständlich Karten für die BART aus dem Automaten kaufen und dann aufladen, bis wir das eindrucksvoll schnelle Transportmittel, das schon seit 1972 die Bay Area verbindet, benutzen konnten. Damit verfügt ganz im Gegensatz zu anderen großen Städten der USA die Region San Francisco über ein gutes und funktionierendes öffentliches Nahverkehrsnetz. Leider führt die Strecke durch einen Tunnel unter der Bay hindurch, so dass man erst wieder bei den hässlichen Hafenanlagen von Oakland ans Tageslicht gelangt. Immerhin stiegen wir nach 35 Minuten rasender Fahrt in Berkeley Downtown aus. Das riesige Campusgelände liegt in einem Park mit lauter eindrucksvollen Redwood-Bäumen, die Katrins ganzes Entzücken hervorriefen. Die Universität von California in Berkeley (Cal) wurde 1868 gegründet, wird als die beste staatliche Universität der Staaten betrachtet (immerhin sind 107 Nobelpreisträger aus ihr hervorgegangen) und wir gegenwärtig von 41.000 Studenten besucht. Leider konnten wir wegen Thanksgiving kein studentisches Treiben auf dem Campus erleben. Die vielen eindrucksvollen Gebäude der verschiedenen Fakultäten lassen erahnen, welche Atmosphäre hier auf dem Campus herrscht. An dem Motto der Uni an dem Eingangsportal lautet „Fiat Lux“ kann man ablesen, dass die Uni sich dem aufklärerischen Geist verschrieben hat. Deshalb sprang auch von hier der Funke der Studentenproteste gegen den Vietnamkrieg Ende der 60iger Jahre auf das ganze Land über. Auch heute noch herrscht auf dieser Uni, wie man lesen kann, ein liberalerer Geist als in den meisten anderen Hochschulen der USA. Den berühmten People’s Park, auf dem die Studenten damals sich zu Sit-ins und Protestveranstaltungen getroffen haben, bevölkert nun eine Zeltstadt von Obdachlosen. Eine merkwürdige Renaissance des Antiestablishments:  damals die Aussteiger, heute die Ausgestoßenen, ein Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft?

Nach einer mäßig guten Nudelsuppe bei einem Chinesen traten wir die Rückfahrt an, um uns rechtzeitig auf das Thanksgiving Fest vorzubereiten. Ein Taxi bringt uns südlich vom Airport nach Burlingame, wo die Mutter der Cousine 2. Grades von Diana wohnt. Dort werden wir zusammen mit Diana und Thomas aufs herzlichste zum Thanksgiving-Fest willkommen geheißen. Es ist für uns eine große Ehre und ein außerordentliches Vergnügen, dieses Fest der Feste für die amerikanische Gesellschaft in einer Familie hautnah zu erleben. Neben dem köstlich zubereiteten Turkey gab es noch allerlei Gemüse, und sonstige Beilagen. Die Köstlichkeiten wurden alle auf einer lazy Susie an dem großen runden Tisch herumgedreht, so dass jeder zwanglos zugreifen konnte, was immer er begehrte. Und davon gab es wirklich viel. Ohne es zu merken, haben wir viel mehr verzehrt als sonst, weil alles so köstlich schmeckte. Die Freundlich- und Herzlichkeit, mit der wir in die Familiefeier aufgenommen wurden, haben uns sehr beeindruckt. Wir bedanken uns bei Diana und ihrer Familie für dieses große Erlebnis.